Tablett, billiger als fertig kaufen?

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Endlich fertig
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Holz
Servierhilfen
von Pete_TGIF
23.06.12 18:15
2704 Aufrufe
  • 1-2 TageLeicht
  • 1-2 Tage1-2 Tage
  • 4545,00 €

Fasziniert vom dänischen Designer Jens Quistgaard, aber abgeschreckt von dem Preis habe ich mich entschlossen mich beim Bau meines Tabletts von seiner Arbeit inspirieren zu lassen.
Um es vorweg zu nehmen: wenn ich das Tablett auch in Teak, wie das Original, und nicht in Sapelli (afrikanische Mahagoni-Art) gebaut hätte, wäre es mir teurer gekommen (der Verkaufspreis des Tabletts liegt momentan bei ca. 90€, Sapelli liegt bei 1970€/m³ und Teak bei 9700€/m³ Materialkosten des Sapelli lagen bei ca 30€, somit wären die Materialkosten für Teak ca 150€, den Verschitt nicht mit berechnet ... und man muss beim Holzhändler immer ganze Bretter kaufen, bei dem Sapelli, waren das ca. 90€ für ein 35mm starkes, 250mm breites und 5,2m langes Brett (nur gesägt, also roh und mit einer Menge schlechtem Holz für so ein Projekt (ca 5 cm Rand mit Wurmlöchern, nicht so schlimm, aber für so feine Sachen unbrauchbar)). Ach so, Buche Leimholz hätte mich in Tischlerqualität (durchgehende Lamellen) ca 25€ und in Baumarktqualität ca 9€ gekostet.


Design, Tablett, Nachbau, Sapelli
4.7 5 26

Bauanleitung

Benötigtes Material

Stk. Beschreibung Material Maße
Brett aus dem Stamm geschnitten  Sapelli  900 x 200 x 35 mm 
Sprühlack oder Klarlack  FarbeMaterial  Schnelltrocknend 

Benötigtes Werkzeug

  • Tischkreissäge
  • Bandsäge
  • Hobel
  • Oberfräse
  • Frästisch
  • Gurtzwinge

1 Foto aus dem Internet mit Berücksichtigung der hier vorhandenen Werkzeuge in eine Zeichnung wandeln

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Original-Internet Foto unterliegt dem Copyright
2/2 Original-Internet Foto unterliegt dem Copyright
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Foto aus dem Internet herunterladen und als erste Übung mit SketchUp in eine bemaßte Zeichnung wandeln.

Sicherheitshinweise und Disclaimer
bei einigen der hier gezeigten Arbeitsschritte habe ich aus Gründen der besseren Sichtbarkeit Sicherheitseinrichtungen außer Kraft gesetzt bzw. um einige Schritte überhaupt durchführen zu können komplett entfernt.
Diese Vorgehensweise geschah auf eigene Verantwortung und in dem Wissen, dass ich im Falle eines Unfalls keine Schadensersatzansprüche gegenüber irgend jemandem geltend machen kann. Ein Nachmachen meiner Verfahren geschieht auf eigenes Risiko und ich kann nicht für eventuelle Unfälle die durch das Entfernen von Sicherheitseinrichtungen entstehen, haftbar gemacht werden.

Bei der Benutzung von Elektromaschinen ist grundsätzlich zu beachten:

  1. Lese und verstehe die Gebrauchsanleitungen
  2. Benutze das Werkzeug nur zu dem konstruierten Zweck
  3. Benutze das Werkzeug nicht, wenn Du Dich dabei unwohl fühlst, denke über sicherere Alternativen nach, (benutze die Oberfräse um einen Schlitz zu fräsen, wenn Dir die Kreissäge zu unsicher ist)
  4. Benutze immer eine persönliche Sicherheitsausrüstung
  • Sicherheitsbrille
  • Gehörschutz
  • und wenn nötig eine Schutzmaske.

2 Material Zuschneiden

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Tischkreissäge
1/2 Tischkreissäge
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Auf der TKS das Holz auf das grobe Endformat schneiden und mit der Bandsäge die dicken Bretter halbieren.
So erhält man 2 Bretter 530 x 750 mm und 2 Bretter 370 x 750 mm aus einem 900 x 750 mm Brett. Der Vorteil, bei diesem Holz leider nicht so sichtbar, ist der rundum gleiche Verlauf der Maserung, ohne Sprung an irgend einer Ecke.
Bei Bedarf erkläre ich separat, wie ein Brett aufzutrennen ist, damit der Maserungsverlauf rundum gleichmäßig ist.
Ach so, aus Gründen der schnelleren Produktion habe ich das Restbrett in Steifen á 15 mm Stärke geschnitten, nachdem ich 2 Seiten mit dem Abrichthobel rechtwinklig und plan abgerichtet hatte.
Daraus wurden dann 9 Streifen 530 x 30 x 15 mm und 13 Streifen 370 x 30 x 15 mm.

3 Material auf Endformat bringen

Abricht- und Dickenhobel
1/1 Abricht- und Dickenhobel

Mit dem Dickenhobel die 4 Rahmen-Teile auf 15 mm Dicke gleichmäßig runter hobeln, die anderen 22 dünnen Teile auf 10 mm.
Mit der TKS die Rahmen auf 2 Stück 510 x 70 mm und 2 Stück 350 x 70 mm genau und Rechtwinklig zuschneiden. aus den Dünnen Dingern 13 Stück 500 x 20 mm und 9 Stück 340 x 20 mm zuschneiden.

Somit sind alle Teile des Puzzels zusammen.

4 Boden anfertigen

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Detail Boden
3/3 Detail Boden
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Leider habe ich keine Fotos von diesem Arbeitsschritt, aber hier meine Erklärung:
Jedes dünne Brett muss mit 20mm breiten und 5 mm tiefen Nuten versehen werden und zwar beginnend an der Kante und dann immer weiter in einem Abstand von 20 mm macht 234 Nuten
(puhhhhhhhhhhhh, aber zu Gunsten der Rechtwinkligkeit des Endproduktes und der mangelhaft präzisen Werkzeuge habe ich darauf verzichtet mehrere Nuten gleichzeitig zu machen.)
Hoffentlich hilft die Explosionszeichnung meine schlechte sprachliche Umsetzung zu veranschaulichen.
(hierfür hagelt es bestimmt Kritiken)
So, weiter im Text, das Ganze über Kreuz miteinander verleimen und schon hat man ein (wenn man darauf geachtet hat) perfektes, rechtwinkliges Bodenbrett mit dem lustigen Lochmuster.
(und wieder kein Foto :-( )
An der Außenkante des fertigen Brettes (alle Seiten) habe ich eine 8 mm Breite Nut angefräst, damit das Brett hier nur noch 5 mm Stark ist.
(hoffentlich richtig erklärt, sonst werde ich hier noch gehängt)

5 Der Rahmen

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Fibgerzinken
6/7 Fibgerzinken
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Mit Hilfe der Zinkenschablone (Wolfcraft, heute irgendwie nicht mehr erhältlich) die Fingerzinken anfertigen. (wenn man es kann genügt auch eine gute alte Handsäge und viel Geduld)
In die Seitenteile die Nut für den Boden einfräsen, dabei die Zinken nicht beschädigen!
(dafür snd die Striche auf dem Holzanschlag)
Mit Hilfe eines 20 mm Rundfräsers habe ich die Griffe in mehreren (ich glaube 5) Durchgängen gefräst. Als Begrenzung dienen die beiden Anschlagbretter am Fräsanschlag.
Die Griffe mit dem Abrundfräser abrunden, nachher ist ein Abrunden mit der Oberfräse von innen nicht mehr möglich!
Zum Schluß meine "Lieblingsarbeit" Schleifen

6 Leimen

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Trockenkontrolle 01
1/5 Trockenkontrolle 01
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Nach etlichen Trockenübungen mit den 5 Teilen in verschiedenen Stadien der Produktion (das sollte man immer machen, denn wenn der Leim erst mal dran ist, ist es zu spät)
NUR DIE FINGERZINKEN ZUSAMMENLEIMEN, nicht den Boden vergessen in die Nut einzustecken, aber den Boden NICHT leimen, damit er etwas Platz zum arbeiten hat!
Nebenbei: Im Gegensatz zu mir arbeitet Holz!
Nachdem alles Trocken ist, nicht ganz trocken, so nach ca 20 Minuten bei dem Leim, den ich verwende, den Überschüssigen Leim entfernen, die Überstände an den Fingerzinken und alle ungleichmäßigen Übergänge mit einem sehr scharfen Hobel beiputzen.
Den Boden mit dem Hobel nivellieren, wenn er es nicht schon sein sollte, damit dass Tablett nicht wackelt.
Ganz am Ende noch mal alle Kanten (außer den Gezinkten) mit einem kleinen Abrundfräser abrunden. (zur Not geht es auch mit Schmirgelpapier) Und dann noch die restlichen 4 scharfen Kanten (die mit den Zinken) leicht mit Schmirgelpapier brechen (0,5mm Fase reicht vollkommen, ist nur wegen des Griffgefühls, man sollte keine Scharfen Kanten stehen lassen. Bei KINDERSPIELZEUG ist ein Abrunden Vorschrift!)

7 German Finish

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Pffffffffffffft
1/2 Pffffffffffffft
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Da ich bei diesem Projekt keine Zeit hatte, habe ich mich für 2 Lagen Sprühlack entschieden, alles in allem ein sauberes Finish in "german style"

Resumé:
Mit Buche Leimholz aus dem Baumarkt hätten sich die Materialkosten auf 20€ reduziert.
Aber der Look....... (Und ich glaube das diese Projekt mit Baumarkt Holz unmöglich ist, da ich ja mindesten 13 durchgehende, 500 mm lange Lamellen brauche, das habe ich beim orangen Bieber und auch anders wo noch nicht gesehen)
Mit dem Sapelli sieht das Ding schon einigermaßen gut aus, und das Preis- Leisungsverhältnis stimmt.
Mit dem Teak hätte ich es für den Preis niemals bauen können!

Ich und der Beschenkte sind glücklich, und das ist die Hauptsache!

Ach so, ein Nachbau ist für mich die höchste Auszeichnung eines Designs

(natürlich nicht kommerziell und nur für den Eigenbedarf)

32 Kommentare

zu „Tablett, billiger als fertig kaufen?“

Respekt, Super Tablett gebaut, gut erklärt, gute Bauanleitung..... 5 Daumen
2012-06-23 18:19:13

toll erklärt, deine Explosionszeichnungen sind suuuuuper :D
was hast du Angst vorm Zerrissen werden?? schon mal passiert? ich hab nix zu bemängeln, außer vielleicht, dass du es nicht für mich gemacht hast :D:D:D
5D
ach, doch eine kl. Anmerkung... ich hoffe, du hast auf die Urheberrechte bei deinem Internetfoto geachtet ;) vielleicht tauscht du es sonst bitte aus?
2012-06-23 19:38:44

Ein zweites Projekt, was mir ebenfalls sehr gefällt. Handwerklich nicht zu toppen. 5 Daumen
2012-06-23 20:10:57

ein tolles projekt
2012-06-23 21:25:34

Eine sehr schöne Arbeit zu der ich gerne noch ein paar Anmerkungen machen möchte.

1. Die Wolfcraft Zinkenfräse für die Oberfräse ist, wie von Dir angesprochen, nicht mehr verfügbar, da Wolfcraft sich dazu entschlossen hat, sie aus dem Produktportfolio zu nehmen - kurz bevor ich mich dazu entschlossen habe, eine zu kaufen. War auch nirgends mehr aufzutreiben. Mist!

2. Wäre es nicht sinnvoller gewesen, erst die Nuten zu fräsen (Schritt 4) und das Holz erst anschließend in Streifen zu schneiden (Schritt 2)? Dann hättest Du nicht 234 Nuten fräsen müssen, sondern erheblich weniger, die dann aber länger, aber auch garantiert alle identisch wären.

3. Du schreibst, dass Du das Tablett nach einem Design von Jens Quistgaard nachgebaut hast. Wie sieht es denn in Sachen Designschutz aus? Vielleicht hat er sich das Design als sogenanntes Geschmacksmuster schützen lassen. Ich weiß nicht, wie es sich damit im nicht gewerblichen Bereich verhält. Lesen zufällig irgendwelche Rechtsberater mit?
2012-06-23 23:29:55

Hatte ich vergessen zu schreiben, eine Prima Werkstattausstattung hast Du da. Feine Maschinen. Ein klein wenig Neid kommt da auf - hätte ich auch alle sehr gerne.
2012-06-23 23:51:06

Vielen Dank für die netten Kommentare!
@Tobi: 1. Wirklich Schade, denn für den Preis ist das Ding trotz der Unannehmlichkeiten bei der Benutzung (man muss die Original Bodenplatte der Oberfräse gegen die im Set enthaltene austauschen, daher arbeite ich auch nicht mit der Bosch) super Preis-Leistungsverhältnis, manchmal verkauft einer das Ding noch bei E-Bay (auch in den Kleinanzeigen)
2. Die von Dir vorgeschlagene Reihenfolge hört sich im ersten Moment nicht schlecht an, aber da ich nicht die Maschinen habe um mir aus dem Roh-Brett 10 mm starke Bretter dieser Größe vernünftig zu sägen würde es auf ein Material-Mehrverbrauch von ca 80% hinauslaufen, was bei dem Preis des Holzes doch ein wenig über meinem Budget liegt.
3. OK, OK schon wieder falsche Wortwahl, ich muss sagen, dass Tablett ist nach dem Design von Jens Quistgaard entworfen und gebaut worden. Nebenbei, hat Jens diese Form von Lukendeckeln alter Großsegler "geklaut" und mit seinen Möbeln ins Haus gebracht. Musterschutz?
2012-06-24 04:10:33

EIN NACHBAU (nicht kommerziell, für den Eigenbedarf) IST DIE HÖCHSTE AUSZEICHNUNG FÜR EIN DESIGN!!!!
Dieser "Nachbau" (ist es eigentlich nicht, da das Original wesentlich besser von den Proportionen aussieht, da näher am Goldenen Schnitt) ist leider nicht nach den Gesichtspunkten der Ästhetik, sondern nach den Gegebenheiten der Werkzeuge bemaßt worden. Hätte den Dänen nicht erwähnen sollen. Das das Ding nicht auf meinem Mist gewachsen ist, wie meine Nachttischlampe ist klar erkennbar, daher habe ich mir erlaubt, dem Ideengeber durch Nennung seines Namens zu huldigen. -> FEHLER
Bin ich dadurch der Buhmann, dass ich zugebe, dass wir alle unsere Ideen von irgendwo adaptieren? Wie steht es zum Beispiel mit Schwalbenschwanzverbindungen? Haben wir den Erfinder jemals gefragt, ob wir die verwenden dürfen????

Bitte reitet nicht auf Worten herum, sondern bewertet die Projekte als das was sie sind: GEMACHT ZUM SPAß - sonst wären wir Profis und müssten und müssten hiermit unser Geld machen!
2012-06-24 12:26:44

Ich habe die Zinkenfrässchablone von Wolfcraft, aber die Schwalbenschwanz-Zinken werden mit meinem Fräser nicht ganz so toll. Mir ist auch die Einstelllehre dazu abhanden gekommen. Man muss sich die Maße wieder zusammensuchen, an Reststücken probieren, bis es passt und dann könnte man ein Projekt damit wagen.
Das soweit off-topic...
Dein Projekt ist klasse geworden. Die Materialauswahl spricht für sich. Wahrscheinlich hätte ich auch erst die Nuten gesetzt und dann die Leisten geschnitten.
2012-06-24 14:12:52

Tolle Arbeit und sehr guter Maschinenpark. 5 Daumen
2012-06-24 15:46:19

Gut beschrieben... sauber gearbeitet... 5 D
2012-06-24 17:28:26

das original kenne ich nicht, aber dieses TAblett finde ich zu schade um nur ein tablett zu sein !!
2012-06-24 17:56:00

ich bin restlos begeistert, das sieht einfach super toll aus und die beschriebenen Arbeitsschritte wow.....schön Dich hier bei uns zu haben
2012-06-24 22:20:30

Tolles Projekt und eine sehr schöne idee!
2012-06-25 06:10:39

Super tolles Tablett, Klasse.
2012-06-25 13:33:16

Sehr schönes Tablett, was in Buche sicher nicht so toll wäre. Mir gefällt dunkles Holz besser als helles. Tolle Anleitung. 5D
2012-06-25 22:22:04

Schönes Projekt! Den ganzen Arbeitsaufwand sieht man dem Tablett auf dem ersten Blick gar nicht an.
Das Du etwas für den privaten Gebrauch nachbaust ist völlig in Ordnung, mache ich auch mal. Alles daran rummäkeln ist nur rumtrollen, Du verkaufst die ja nicht als Original auf dem Basar ;-)
2012-06-26 21:41:36

Wow, das ist eine super Idee und eine tolle Umsetzung!!!
2012-06-28 19:15:14

Nicht nur ein Tablett, sondern auch ein schönes Dekostück. Gefällt mir sehr gut.
2012-06-29 11:16:54

Saustark gemacht. Sieht sehr edel aus!
5D
2012-07-03 10:05:36

Schönes Holz und toll verarbeitet.
2012-07-05 11:41:03

Super Projekt, tolle Beschreibung und Ausführung. Erstklassige Materialauswahl.

Was soll man denn da bitte rummeckern ?

Von mir 5 Daumen, aber nur, weil nicht mehr möglich ist
2012-07-21 07:12:02

Viele (auch gute) Maschinen. Und dennoch eine sehr gute handwerkliche Leistung. Und wie immer ein sehr hochwertiges Endprodukt. Dazu noch eine tolle Beschreibung. 5 Daumen.
2012-12-23 11:44:05

Saubere Arbeit, gute Beschreibung - ist sehr gut geworden. Respekt - gefällt mir.
2013-01-31 09:39:57

1A gebaut. Sieht super aus
2013-02-28 08:52:19

gut gemacht 5d
2013-04-01 17:35:12

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