Stanzen: Krischan-Gesenk härten,Langloch,Stanze,Gesenk
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Technik
von Ekaat
19.05.10 23:58
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  • 1-2 TageSchwer
  • 1-2 Tage1-2 Tage
  • 2020,00 €

Ich hatte mal mehrere Quadrate (so um die 50 Stück) von gleicher Größe in ein 0,5mm-Stahlblech zu bringen. Bohren und ausfeilen war mir zu mühselig und zu ungenau. Ich verfiel auf die Idee, die Löcher auszustanzen. Nach dem dritten Werkzeug kam mir die Erleuchtung. Das Ergebnis habe ich hier, in abgewandelter Form, beschrieben.


härten, Langloch, Stanze, Gesenk
5.0 5 4

Bauanleitung

Benötigtes Material

Stk. Beschreibung Material Maße
Flachstahl  C45  mind. 50 x 10 
Rundstahl  Silberstahl  Ø 3mm 
Senkkopf-Gewindeschrauben  Stahl  M 3 x 18 

Benötigtes Werkzeug

  • Schlagbohrmaschine
  • Winkelschleifer
  • Heißluftgebläse
  • Scheiblehre
  • Bohrer
  • Feile
  • Brenner
  • Backofen
  • Polierleinen
  • Polierpaste

1 Stanzen

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EineStanze besteht aus einem Ober- und einem Untergesenk, die ineinander passen. DasObergesenk ist das Positiv, das Untergesenk das Negativ. Das dazwischenliegende Werkstück (Blech in unserem Falle) wird durch das Obergesenk in das Untergesenk gedrückt und damit das gewünschte Loch erzeugt. Die Herstellung des Stanzwerkzeuges lohnt sich nicht bei geringen Stückzahlen; da gibt es andere Möglichkeiten (Fräsen, Feilen, Bohren).

2 Gesenke

Indiesem Falle soll ein Langloch zur Führung einer Schraube in der Abmessung M4 hergestellt werden; die Länge des Loches beträgt 25mm. Um die M4-Schraube sauber in dem Loch bewegen zu können, sollte das Loch eine Weite von +0,5mm haben, also 4,5mm. Da man als Heimwerker im allgemeinen keine Hydraulikpresse zur Verfügung hat, ist hier der Schraubstock gefragt. Man muß also das Obergesenk zu dem Untergesenk so führen können, daß sie auch ineinander passen. Dazu fertigt man Führungsstifte,die in die Löcher, im richtigen Abstand und richtiger Position im Blech gebohrt werden. Die beiden Gesenke werden nun mittels der Stifte an das Blech gebracht,in den Schraubstock eingespannt. Die Gesenke werden zusammengepreßt und das Langlochentsteht.

3 Herstelung der Gesenke

Das Material der Gesenke muß ein härtbarer Stahl sein. In meinem Fall nahm ich 90MnCrV8 (WSt 1.2842), weil ich Stahl stanzen wollte. Bei Aluminium reicht auch ein Kohlenstoffstahl der Güte C45. Diesen gibt es bei Stahlhändlern z. B. alsKeilstahl oder blankgezogenem Flachstahl. Es gibt natürlich auch gewalzten C45, jedoch ist dieser schwerer zu erhalten; der Preis pro Kilo für eine Stange Keilstahl ist etwa das dreifache eines gewalzten Stabes, jedoch ist erstere nur3m lang, die zweite 6m lang, so daß sich die Kosten relativieren, weil man nurein paar Zentimeter des Materials benötigt und sich das Putzen des Walzstahls gegenüber Blankstahl erübrigt.Mansägt drei Stücke von mind. 15 x 50mm. In ein Stück wird das Langloch eingebracht, etwa 1mm kleiner, als das Fertigmaß von 4,5 x 25mm. Danach wird es auf Fertigmaß 4,6 x 25,1mm gefeilt. (Entsprechend wird später das kleine Teil auf 4,4 x 24,9mm gefertigt. ) Der Spalt von umlaufend 0,1mm ist wichtig, damit das Werkzeug beim Stanzennicht klemmt.Die drei Stücke werden aufeinandergelegt und mittig mit einem Abstand von ca. 18mm mit Ø3mm gebohrt, so daß das untere Stück nicht durchgebohrt wird. Die 3mm-Löcher bilden später die Führung durch eingesteckte Stifte von 3mm Durchmesser (Es empfiehlt sich, die Stifte vor dem Herstellen der Gewindelöcher zum Fixieren einzustecken). Desgleichen werden zwei Löcher mit 2,4-2,5mm Ø in die Platte mit dem Langloch und der mit den Sacklöchern gebohrt.. In die Platte, die nicht durchgebohrt wurde, wird Gewinde von M3 geschnitten. in der Platte mit Langloch wird das Loch auf 3mm aufgebohrt und für Schrauben M3 angesenkt. Jetz twird das kleine Teil auf die obigen Maße gefertigt. Die beiden Platten werden miteinander verschraubt - bilden das Untergesenk -und mit den Stiften auf Paßgenauigkeit mit dem Obergesenk überprüft. Danach wird das Obergesenk mit einer Kehlung versehen, um die Schnittkanten besser ausuzbilden.

4 Härten der Gesenke

Man stellt eine mit Öl (Motoröl o. ä.)gefüllte Konservendose bereit. Mit einem Brenner erhitzt (technisch gesprochen:erwärmt) man ein Gesenk, bis sie hellrot scheinen, hält diesen Zustand noch 3-4 Minuten aufrecht (Haltezeit) und schreckt sie dann in dem Öl ab, indem man das Teil rasch im Öl bewegt. Schnell eintauchen und schnell bewegen, dann kann das Öl nicht brennen, habe es mit größeren Teilen mit Erfolg gemacht. Danach ist Mutters Backofen gefragt: Teile hinein und auf 200-250°C stellen und etwa 1Std. nach Erreichen der Temperatur »anlassen«. Den Ofen öffnen, Temperatur ausschalten und erkalten lassen. Wenn man die Teile anfassen kann, die Prozedur wiederholen.(Für Fachleute: Durch das zweite Anlassen wird der Restaustenit verringert, und man erhält eine bessere Härtung.) Es empfiehlt sich, auch die Stifte zu härten, bzw, zu vergüten. Die Anlaßtemperatur schafft allerdings kein Backofen, sondern ein Muffelofen bei 650°C - mit einem Heißluftfön und entsprechender Geduld - 2 x etwa 10 Minuten anblasen - erreicht man ähnliche Resultate, und die Stifte verbiegen hinterher nicht so leicht.

5 Schleifen

Ober-und Untergesenk werden gem. Zeichnung angeschliffen.

6 Produktion

DieTeile werden zusammengeschraubt und in das Untergesenk (mit den Sacklöchern) die Stifte eingesteckt. Die Stifte passen - hoffentlich - in die Löcher des zu verarbeitenden Blechs (es empfiehlt sich die Herstellung einer Bohrlehre); auf der anderen Seite wird das Obergesenk in die Stifte geschoben und imSchraubstock alles zusammmengepreßt. Das war das erste Loch...

14 Kommentare

zu „Stanzen: Krischan-Gesenk“

Lieber Ekaat, dass Du ein großer Metall-Freak bist, ahnten wir ja wohl schon alle. Aber mit diesem Projekt stößt Du noch einmal in eine neue Dimension vor. Ich habe – ehrlich gesagt – die einzelnen Arbeitsschritte nur nach Rücksprache und auch dann nur zum Teil verstanden.
2010-05-20 11:22:51

Fortsetung Kommentar: Deshalb vielleicht hier ein Hinweis für alle Gelegenheitsbesucher unseres Forums: Für das Herstellen der beschriebenen Gesenke in ausreichender Präzision braucht man viel Erfahrung, die über das normale Heimwerken deutlich hinausgeht. Ebenso ist das Härten von Stahl eigentlich nur eine Arbeit für Metall-Profis, für die man auch gewisse Werkstattvoraussetzungen benötigt. Wie im Projekttext angedeutet wird, muss man u.a. auf die nicht ganz kleine Brandgefahr achten!
2010-05-20 11:24:08

Fortsetzung Kommentar:Das Projekt ist insofern nicht zum Nachmachen für jedermann und jederfrau. Lieber Ekaat, bitte sei wegen dieser einschränkenden Bemerkungen nicht böse. Aber wir wollen ja hier keine abgebrannten Hobbyräume produzieren und auch keine Hobbybastler, die an ihren Fähigkeiten zweifeln, weil sie Dein anspruchsvolles Projekt nicht nachvollziehen können. Ich finde deine Idee jedenfalls sehr gut, auch wenn ich es mir selbst nicht zutrauen würde. Gruß Petra
2010-05-20 11:26:30

Petra1-2-do: Dieses Projekt habt Ihr der Tatsache zu verdanken, daß man in den PNs keine Bilder einstellen kann. Krischan fragte mich, ob ich ihm weiterhelfen könnte. Meine Gegenfrage war, inwieweit er sich im Werkzeugbau und der Metallverarbeitung auskennt, da ich mir sonst nicht die Mühe gemacht hätte, dieses einzustellen. Er bejahte und so stellte ich dies hier ein.
n.B.: bevor es zum Härten kommt, müssen die Dinger erst zueinander passen, und da liegt der Haken. Das kann nicht jeder!
Gruß E.
2010-05-20 17:52:03

Die Leute die nicht vom Fach sind staunen vielleicht welcher Aufwand es bedarf um ein viereckiges Loch herzustellen und der vom Fach schmunzelt...
2010-05-20 19:17:51

Bonsai: Das finde ich doof. Soo 'ne schööne Stanze. Habe aber ja geschrieben, warum als Projekt, und nicht als PN an den Adressaten, weil dort keine Zeichnungen »funzen«. Kann ich nur immer wieder wiederholen, habe es auch auf dem Grillfest gesagt - man gelobte Besserung.
2010-05-20 23:36:35

Ich finde das super: Gerade für den Laien, der mal sehen kann, was es unter Usmtänden für einen Aufwand bedeuted, ein einfaches langloch zu machen. Mit solchen Dingen bringt man immer wieder mal einen neuen Blick auf scheinbar Simple Dinge....

weiter so!
2010-05-21 09:26:33

Huhu, also erstmal danke ich hier nochmal Ekaat das er sich die mühe wegen MIR! gemacht hat wie er schon beschrieben hat.
Echt super beschrieben, hoffe das ich es mal in naher zukunft testen kann würde mich sehr weiter bringen.
Davon abgesehen wenn man die Stanze nicht so lang macht sondern nur 30-40mm und einfach mehrmals hintereinander somit stellt sich dann die flexibilität herraus um diese dann öffters zu benutzen ;)

misst Akku vom Lappy gleich leer^^

Also nochmals Danke für deine Hilfe
2010-05-21 17:47:19

Die Arbeit ist gleich, bedenke aber, daß das Stanzmesser gehärtet ist und es passieren kann, daß es, wenn die Führungslöcher zu dicht zusammenliegen, brechen könnte. Vermeide auf jeden Fall Riefen, schon vor dem Härten. Die Temperaturführung und die Abschreckgeschwindigkeit ist halt nicht professionell, sondern nur Hobby-mäßig. Also, keine scharfen Kanten machen, bis das Teil gehärtet ist. Industriell wird das Obergesenk härter ausgebildet, ein anderer Werkstoff genommen, als das Untergesenk.
2010-05-21 17:57:46

ich dank Dir auch für diese Beschreibung !!! damit lassen sich die unterschiedlichsten Stanzformen herstellen und für Bleche bis 1mm dürfte die Stanze schaffen!!
...sag ich mal als Blechprofi (gelernter Isolierer)
2010-05-26 08:26:41

Super Anleitung, da leuchten meine Augen. 5 Daumen
2012-12-21 15:50:45

Tolle Anleitung. 5 Daumen
2012-12-21 15:55:39

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