Schwalbenschwänze richtig ausrichten

Schwalbenschwänze richtig ausrichten Holz,Schwalbenschwanz,Holzverbindung,Zinken
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Werkstatthelfer
von EggMan
25.08.13 22:06
4193 Aufrufe
  • Unter 1 TagLeicht
  • Unter 1 TagUnter 1 Tag
  • 55,00 €

Wer schon einmal eine Schwalbenschwanzzinkung hergestellt hat, weiß, wie wichtig das genaue Ausrichten der zu verbindenden Holzstücke ist. Als kleine Hilfe hierfür habe ich mir ein Hilfsbrett gebaut, mit dem das Ausrichten und Anzeichnen vereinfacht wird.


Holz, Schwalbenschwanz, Holzverbindung, Zinken
4.8 5 39

Bauanleitung

Benötigtes Material

Stk. Beschreibung Material Maße
Holzplatte  Kiefernleimholz 18 mm dick  15 * 25 cm 
Rahmenleste  Kiefer, Fichte  3,5 * 50 cm 

Benötigtes Werkzeug

  • säge
  • Schmiege
  • Winkel
  • Stechbeitel
  • Holzhammer

1 Materialstärke anreißen

Materialstärke anreißen
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Los geht’s mit dem Anreißen der Materialstärke. Hierfür verwende ich ein Streichmaß. Auch wenn das Messer ins Holz schneidet, ziehe ich es in diesem Fall einem Stift vor, denn die Schnitte werden später verdeckt bzw. beim Verputzen entfernt und die angerissene Linie verläuft exakt parallel zur Holzkante, und zwar auf allen vier Seiten. Der wichtigste Grund ist aber, dass man später den Stechbeitel in die Schnittlinie setzen kann.

2 Schwalbenschwänze einteilen

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Schwalbenschwänze einteilen
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Als nächstes geht es an die Einteilung der Schwalbenschwänze. Es gibt eine Formel, mit der die Anzahl der Schwalben berechnet werden kann:
Anzahl der Schwalben = Holzbreite geteilt durch dreimal die halbe Holzstärke
Das würde in diesem Fall bedeuten: Das Holz ist 150mm breit und 18mm stark. Die Anzahl der Zinken wäre also 150 geteilt durch 27, also 6 Schwalbenschwänze. Das ist mir für ein erstes Übungsprojet aber zu viel. Außerdem wurde das früher so gemacht, um eine optimale Stabilität der Verbindung hinzukriegen; da heutige Leime allerdings sehr stabil sind, ist die Gestaltung eher Geschmackssache. Ich lege daher fest, dass die Schwalben drei Zentimeter breit sein sollen. Bei drei Schwalben gehen dafür dann neun Zentimeter drauf. Für die Zwischenräume lege ich zwei Zentimeter fest, das sind dann insgesamt 13cm. An den Rändern bleibt dann noch ein Zentimeter übrig.
Ich reiße also 1 – 3 – 2 – 3 – 2 – 3 – 1 Zentimeter an. Als Steigung wähle ich 6:1 (das sind 9,42°, ich runde hierauf 10° auf) und stelle die Schmiege entsprechend ein.
Das ganze wird dann umgewinkelt und auf alle drei Seiten übertragen. Außerdem markiere ich noch die Stellen, die später verschwinden sollen.

3 Aussägen

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Aussägen
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Ist alles markiert, geht’s ans Aussägen. Sie Stücke an den Seiten werden komplett ausgesägt, bei den inneren Stücken werden nur die Schrägen ausgesägt. Um den Winkel zu treffen, habe ich mir aus einem Rest Spanplatte und Sperrholz eine kleine Schablone (siehe dieses Projekt) gebastelt, die ich nicht nur zum Einstellen der Schmiege benutzen kann, sondern auch als Führung für die Säge.
Beim Aussägen habe ich darauf geachtet, die Säge auf der Abfallseite des Strichs anzusetzen – es ist leichter, hinterher ein wenig mehr Holz abzunehmen, als es wieder dran zu kleben…

4 Ausstemmen

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Ausstemmen
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Nach dem Aussägen wird gebeitelt. Hier zeigt sich, dass es richtig war, die Linien mit dem Streichmaß anzureißen: Der Stechbeitel passt genau in die Schnittlinie.
Ich habe immer nur wenig Holz auf einmal weggenommen – hätte ich den Beitel zu kräftig ins Holz getrieben, wären leichte Verformungen entstanden, die man später hätte sehen können. Nach ungefähr der halben Tiefe habe ich das Brett umgedreht und von der anderen Seite weiter gemacht – irgendwann ist das Holz so dünn, dass es ausbricht, und in der Mitte stört diese Bruchkante nicht so sehr wie am Rand. Um zu vermeiden, dass das Holz allzu stark bricht, habe ich am Rand ein wenig stehen lassen.
Das fertige Brett sah nach einiger Zeit so aus:

5 Übertragen

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Übertragen
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Jetzt ist der heikle Teil an der Reihe: Das Übertragen auf die andere Platte. Hierbei ist wichtig, dass die Platten nicht verrutschen und im rechten Winkel zueinander liegen. Mit einem Hilfsbrett wäre das viel einfacher, aber das wollen wir ja erst bauen…
Also wird die Platte, auf die die Zinken übertragen werden sollen, senkrecht an die Werkbank geklemmt und die fertig ausgebeitelte Platte bündig darüber gelegt. Das Übertragen der Zinken habe ich in Ermangelung eines Anreißmessers mit einem Cutter erledigt. Hierbei ist essentiell, dass die Platten nicht gegeneinander verrutschen.
Ist alles übertragen, werden wieder die Abfallstücke markiert und ausgesägt.

6 Ausstemmen, korrigieren und zusammensetzen

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Ausstemmen, korrigieren und zusammensetzen
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Danach wurde wieder zum Stechbeitel gegriffen und die Abfallstücke ausgestochen. Achtung: Da die Stücke trapezförmig sind, muss man darauf achten, nicht zu tief zu stechen, denn sonst würde man die Zinken beschädigen.
Ist alles fertig ausgestemmt, können wir die Teile zusammen stecken – natürlich erst einmal ohne Leim, denn es kann ja sein, dass wir an der einen oder anderen Stelle noch nacharbeiten müssen.
Für den ersten Versuch sieht das schon mal gar nicht schlecht aus; ein paar kleine Stellen müssen mit dem Beitel nachbearbeitet werden, aber im Großen und Ganzen passt es schon sehr gut zusammen. Und das Beste: Es ist rechtwinklig!
Sind die letzten Korrekturen erfolgt, kann Leim auf die Innenseiten der Zinken gegeben und die beiden Bretter zusammengesteckt und verpresst werden.
Ist der Leim ausgehärtet, wird das Brett eingespannt und verputzt.
 

7 Die Seitenleiste

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Die Seitenleiste
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Damit ist der erste Teil erledigt – wir haben jetzt ein rechtwinkliges Brett. Damit können wir nun Bretter gegeneinander ausrichten. Das konnten wir allerdings vorher auch schon, also müssen wir dieses Brett noch ein wenig erweitern: Mit einer Leiste auf einer Seite. Ich habe für ein anderes Projekt Esche-Leimholz benötigt; davon war noch eine 18mm dicke und knapp 80cm lange Leiste übrig. Die habe ich mit der Kappsäge im 45°-Winkel durchgeschnitten und dann auf die Länge der Seiten des Bretts abgelängt.
Auf der Rückseite dieser beiden Leisten habe ich drei Markierungen aufgezeichnet, an diesen Stellen Löcher vorgebohrt und diese von der Vorderseite aus angesenkt.
Dann habe ich die Leisten auf die rechte Seite des Bretts geschraubt (ich hätte die Leisten auch anleimen können, aber falls ich sie mal – aus welchen Gründen auch immer – abnehmen muss, wäre ich mit Leim nicht weit gekommen).
Damit sind wir fertig! Wir haben ein Brett, an dem wir Hölzer für Schwalbenschwanzzinkungen bündig ausrichten können.

34 Kommentare

zu „Schwalbenschwänze richtig ausrichten“

Coole Idee, ich werde mich demnächst ein paar Reststücken von Sperrholz annehmen, und auch einla Schwalbenschwänze zu probieren, als Verbindungen, möchte zumindest beim Projekt Nußknacker soetwas einbauen!
2013-08-25 22:09:40

Gutes Hilfsmittel, saubere Ausführung.
2013-08-25 22:38:37

buhh!
da hast du dir aber echt viel mühe gemacht. sehr saubere arbeit, aber ich denke, das hätte man auch einfacher haben können (auch ohne die zusätzliche leiste wäre schon ein gerader anschlag zum ausrichten der teile gegeben) ;-)
2013-08-25 23:04:38

Alle Achtung, das du die Schwalbenschwänze von Hand machst. Ich kann das höchstens mit der Fräsmaschine, und das hab ich bisher auch eher selten gemacht. Ich weiß das Können aber durchaus zu schätzen. Das Werkstatthelferlein ist eine gut Hilfe. 5Daumen
2013-08-25 23:39:09

Ein toller Werkstatthelfer, 5 Daumen von Pedder
2013-08-26 02:13:10

Es geht sicher auch einfacher, vor allem braucht das Helferlein ja keine Schwalbenschwänze. Aber - eine so genaue Anleitung hab ich bisher noch selten gesehen. Hut ab und vielen Dank für deine Mühe. Ich glaub, ich werd das doch auch mal versuchen, dank deiner präzisen Arbeitsschritte und Warnhinweise kann ja kaum mehr was schiefgehen.

5 Zinken
2013-08-26 07:23:15

Klasse gemacht und geworden ....
2013-08-26 08:23:36

klassisch und gut, zeigt von handwerklichen Geschick.
Vorrichtung ist OK.
2013-08-26 08:30:11

Meine Güte diese Anleitung Schwalbenschwänze per Hand zu fertigen ist ja schon enorm, hast viele kleine Tipps reingepackt und sehr gut beschrieben (obwohl Du ja eigentlich Dein Helferlein vorstellen wolltest, aber mir hat die Schwalbenschwanzherstellung am Besten gefallen)
2013-08-26 08:33:59

Puh, das ist ja ein ganzes Stück Arbeit, solche Schwalbenschwänze anzufertigen.
Herzlichen Dank für die ausführliche Beschreibung und Bebilderung, ganz toll gemacht.
5D
2013-08-26 09:04:58

Gute Idee und Ausführung!

@Hoizbastla: Bei Schwalben/Zinken wirst Du mit Sperrholz keine Freude haben.
2013-08-26 09:53:19

Gute Beschreibung zum Projekt. Vielleicht braucht man das doch einmal. Auch die Formel. 5 Daumen
2013-08-26 13:11:25

Deine Tipps sind Prima
2013-08-26 13:23:02

Jetzt weiss auch ich, wie Schwalbenschwanz verbindungen gemacht werden - im muss gestehen bisher verband ich mit dem Begriff Schwalbenschwanz nur den größten heimischen Schmetterling. -> 5D
2013-08-26 13:29:17

Ein sehr schöne Beschreibung zur Herstellung einer Schwalbenschwanz Verbindung. Das ist mir 5D wert - Ich aber hätte gerne die Ausrichthilfe noch in Aktion gesehen.
2013-08-26 14:13:32

saubere Arbeit, schön auf den Bildern zu sehen, Du weißt wie es geht!! 5D
2013-08-26 18:10:59

toller helfer, tolle beschreibung 5d
2013-08-26 19:24:47

Super Arbeit und sehr gut erklärt. 5 Schwalben.
Gustav
2013-08-26 19:50:43

Das ist echt nachahmungswert. Bin gespannt, ob ich das bei der nächsen Schubslade auch hinbekomme.
2013-08-26 20:29:15

Das nenn ich mal eine sehr schöne Anleitung wie man Schwalbenschwänze richtig macht . Nicht zuletzt dein cooler Werkstatthelfer.
Vielen Dank und top Arbeit !!!!
5 Schwalbenschwänze dazu
2013-08-26 21:35:05

saubere Arbeit, prima erklärt
2013-08-27 12:29:07

Ich danke euch allen für die positiven Rückmeldungen.
dass ich hier ein Henne-Ei-Problem heraufbeschworen habe, ist mir klar - ich hätte die Bretter auch rechtwinklig verschrauben können, aber das wollte ich nicht...
@Holzopa: Genau wegen der zusätzlichen Leiste habe ich dieses Brett gebaut. Es geht ja nicht nur darum, dieBretter bündig auszurichten, sondern auch im rechten Winkel - sonst wird die Kiste, Schublade oder was auch immer du baust, schief.
@dausien: Deinen Wunsch werde ich dir erfüllen - Weihnachten steht ja vor der Tür, und da fällt sicher das eine oder andere Bastelprojekt an (Brotkasen für die Schwiegermutter, Schmuckschatulle für die Frau...).
2013-08-28 06:43:36

Endlich plaudert mal jemand aus dem Nähkästchen. Ich wußte bis zum heutigen Tage nicht, wie man (händisch) diese Schwalbenschwanzzinkung herstellt.

Ich habe mir ein Bookmark gelegt. Das wird auf jeden Fall ausprobiert.
Für die Preisgabe des Geheimnisses schon mal fünf Däumchen
2013-08-28 21:56:46

gute Anleitung, schließe mich gerne Elektrodummy an, inkl. der Däumchen
2013-08-29 13:23:32

Prima Anleitung zur klassischen Handarbeit. 5D
2013-09-01 23:00:20

Schön erklärt, ich kann mir nun gut vorstellen auch solche Verbindungen per Hand zu machen.

Dafür 5 Daumen.
Aber mach doch einen Wissensartikel daraus.
2013-09-03 10:09:09

Tolle Anleitung/Tipps
2013-09-10 13:56:30

Klasse umgesetzt 5d
2014-04-24 12:26:14

Schöne Beschreibung – unabhängig davon, ob's nun notwendig ist, ein Hilfsbrett mit Schwalbenschwanzzinken zu fertigen, oder halt nicht. 5D von mir!
2014-04-24 21:19:43

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