Holzwachs im Eigenbau - Kleinprojekt

mein erstes Eigenbau-Holzwachs
1/1 mein erstes Eigenbau-Holzwachs
Holz
von Holzopa
30.03.13 22:13
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  • Unter 1 TagLeicht
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  • 44,00 €

Jeder Holzwerker hat so seinen Liebling wenn es um das Thema Holzschutz geht. Da schwört der eine auf Lasuren (durchaus in diversen Farben), der andere auf Lack, der nächste auf Öl (egal ob Tung-, Lein-, Mohn-, Walnuss- oder sonst ein Öl) und wieder ein anderer auf Holzwachs (fest oder flüssig). Ich selbst bin da eher sprunghaft und verwende mal dies mal das.

Im Netz finden sich ungezählte Tipps und Rezepte zur Herstellung diverser Holzpflegemittel. Aber Vorsicht!
Die einen verwenden leicht (oder gar selbst-)entzündliche, die anderen recht teure Zutaten. Die nächsten sind so kompliziert dass ohne Chemiestudium (und möglichst zugehörigem Labor) kaum was zu machen ist. Ich habe mir sehr viele Vorschläge durchgelesen, meine eigenen Überlegungen angestellt und mich entschlossen, einen Versuch zu starten.

Im Folgenden eine Anleitung wie du in wenigen Minuten dein eigenes Holzwachs  machen kannst. Dieses ist dann ungefährlich, ungiftig, Lebensmittelecht, leicht anzuwenden und verleiht dem Holz eine seidigglatte und wohlriechende Oberfläche.


Holz, Holzpflege, HolzschutzHolzwachs
4.8 5 47

Bauanleitung

Benötigtes Material

Stk. Beschreibung Material Maße
Holzöl  Mineralöl  0,5 l Gebinde 
Wabenplatte, Wachsblock  Bienenwachs  mind. 250 g 

Benötigtes Werkzeug

  • Kochplatte
  • alter Kochtopf
  • alte Schöpfkelle
  • geeignete Abfüllgefäße (möglichst große Einfüllöffnung)

1 Was man zur Herstellung benötigt

Bedarfsmaterial
1/1 Bedarfsmaterial

Man benötigt nur zwei Zutaten:

  • Mineralöl (Paraffinöl), ich habe mich für das Öl "Skydd" von Ikea entschieden da dieses nicht leicht entzündlich, Lebensmittelecht und ungiftig ist. Außerdem ist es mit 4,00 Euro je 0,5 l sehr günstig
  • Bienenwachs (vom Imker meines Vertrauens, gut 1 kg Wabenplatten um 10,00 Euro)

Zur Herstellung braucht man:
  • Herd oder Kochplatte
  • ausgedienten Kochtopf
  • Schöpfkelle
  • Gefäße zur Aufbewahrung (gut verschließbar und Hitzefest)

2 Zubereitung

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Wachs abwiegen
1/3 Wachs abwiegen
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Vor Jahren - ehe wir die Küche neu machten und im Zuge dessen auf einen Induktionsherd umgestiegen sind - kaufte ich eine Induktionsplatte um den Umgang damit zu erproben (so ein Herd ist ja nicht gerade billig und ich wollte keinen Fehlkauf tätigen).
Um es kurz zu machen: Induktionsplatte ist super, also wurde ein entsprechender Herd angeschafft. Die "Testkochplatte" lag seitdem im Keller. Für mein Holzwachs wurde sie nun aus dem Winterschlaf reaktiviert.

Ich hatte eine Flasche Öl (Inhalt 0,5 l) und 1 kg Bienenwachs besorgt. Die Hälfte des Öls kam in den Topf. Dann wog ich 1/4 kg vom Wachs ab (die Wabenplatten lassen sich leicht und sauber brechen) (Bild 1). Für meinen ersten Versuch wollte ich keine zu große Menge machen. Sollte etwas schief gehen kann ich mit dem Restmaterial locker einen weiteren Versuch starten.

Die Platte hat den Vorteil, dass man nicht nur diverse Kochstufen einstellen kann, sondern auch einfach eine gewünschte Temperatur. In den meisten Tipps wird geschrieben, dass man keinesfalls über 150° erhitzen sollte um eine Selbstentzünung des Öls zu vermeiden. Also stellte ich die Induktionsplatte auf 140° C (Bild 2) und gab nach und nach das kleingebrochene Wachs dazu (Bild 3).
Die Induktionsplatte schaffte es, das ganze Wachs innert nicht einmal zwei Minuten zu schmelzen. Ich rührte dabei ständig um.

Wie sich zeigte waren die 140° für meine verwendeten Zutaten fast zuviel. Gerade noch konnte ich die Temperatur zurückdrehen ehe die Mischung schwarz wurde. Beim nächsten Mal werde ich auf max. 100° C gehen. Es muss ja nur das Wachs schmelzen.

3 Abfüllen

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Abfüllen
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Die fertige Mischung wurde vorsichtig umgefüllt (Achtung heiß!). Ein Teil kam in ein ausgedientes Marmeladenglas (mit Schraubdeckel), der Großteil in ein Luftdicht schließendes Plastikgefäß (natürlich Hitzefest) mit großer Öffnung.

Meine Gedanken dazu:
Aus dem eher tiefen Marmeladenglas hole ich das Wachs mit einem Borstenpinsel um damit schwer zugängliche Stellen zu wachsen. Aus dem Gefäß mit der großen Öffnung kann ich das Wachs leicht mit einem Schwamm/Tuch/Küchenrolle entnehmen und auf größere Flächen auftragen. Außerdem hab eich so einen Vergleich, ob sich über einen längeren Zeitraum das Wachs im Glas- und Plastikbehälter unterschiedlich verhält.

Nachdem die ganze Flüssigkeit umgefüllt war wischte ich den noch heißen Topf mit einem Papiertuch aus und hängte ihn zum Abkühlen aus dem Fenster (Bild 1).

Wenn das Wachs erkaltet ist (Bild 2) werden die Gefäße verschlossen.
 

4 Anwendung

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Wachs auftragen
1/2 Wachs auftragen
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Das Wachs wird mittels geeignetem Medium (Tuch, Schwamm, Küchen-/Werkstattrolle, Borstenpinsel ...) entnommen und ins Holz eingerieben (Bild 1). Nach einer Einwirkzeit wird mit einem weichen Tuch (ausgediente Stoffwindeln sind dafür super geeignet) nachpoliert.

Sollte es zu dick sein (meine Werkstatt ist ja unbeheizt, ich muss aber erst noch diesbezügliche Erfahrungen sammeln) kann ich mir vorstellen, dass ich es nach dem Auftragen kurz mit einem Fön oder Heißluftgebläse erwärme um ein besseres Eindringen ins Holz zu gewährleisten.

Das Holz wird etwas dunkler (Bild 2), fühlt sich seidenglatt an und duftet leicht nach Bienenwachs.

5 Anmerkungen

Die meisten werden eine alte Kochplatte in der Werkstatt haben oder auf dem Küchenherd schmelzen. Da empfiehlt sich der Einsatz eines Thermometers oder man beginnt mit niedrigster Stufe und dreht langsam höher, gerade soweit, dass das Wachs schmilzt.

Wenn jemand ein eher flüssiges Wachs haben will einfach mit dem Mischverhältnis experimentieren. Ich nehme mal an, dass bei Erhöhung des Ölanteils das fertige Holzwachs entsprechend flüssiger wird. Man kann die Mischung gerade so am Schmelzpunkt halten und zwischendurch immer wieder eine kleine Probe auf einem Teller erkalten lassen (die Damen kennen das von der Gelierprobe beim Marmelade kochen). Dann gibt man solange Öl dazu bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.

Allerdings geht dann nach und nach der gute Duft verloren. Man könnte aber durch Zugabe einiger Tropfen Orangenöl (Menge muss man herausfinden) wieder ein gut duftendes Holzwachs schaffen.

Also, frisch ans Werk und ich würde mich über eure Erfahrungen mit diversen Mischungen freuen).

Ach ja, natürlich erfolgt der "Nachbau" auf eigenes Risiko. Ich habe keinerlei Langzeiterfahrungen mit meiner Mischung (auch wenn ich einmal davon ausgehe dass nicht viel Schlimmes passieren kann).

55 Kommentare

zu „Holzwachs im Eigenbau - Kleinprojekt“

Dass das so einfach geht hätt ich nicht gedacht. Muss ich bei Gelegenheit unbedingt mal ausprobieren.
2013-03-30 22:16:46

Gute Anleitung. 5 Daumen
Verwende das auch für Drechselarbeiten
2013-03-30 22:43:54

Hallo Holzopa
immer wieder schön deine Bauanleitungen zu lesen , sie sind so lebendig geschrieben und vor allem für jeden verständlich .
Werde es auch mal testen wobei ich erst mal schauen muss wo ich hier einen Imker auftun kann.
5 Daumen
2013-03-30 22:58:33

Das ist eine super Bauanleitung. Super Idee sowas hier vorzustellen.
2013-03-30 23:02:10

Ich glaube, günstiger kommt man sicher nicht an so ein hochwertiges Bienenwachsöl ...
2013-03-30 23:23:35

Klasse, vielen Dank für diesen Tipp :-)
2013-03-30 23:36:37

Einfach klasse, das sind 5 Waben
2013-03-31 07:38:53

klasse Idee den Wachs selber zu machen
2013-03-31 08:09:03

Eine sehr gute Idee und prima beschrieben. Von mir kommen 5 D.
2013-03-31 08:44:57

Einfach und schnell zu einer tollen Holzpflege - was will man(n) mehr?
2013-03-31 09:50:45

Klasse, das muss ich auch mal probieren. Die to-do-Liste wird immer länger.....
2013-03-31 10:10:06

eine super Idee, bin auf Deine Langzeitinfo dann mal gespannt (noch besser die Idee den Topf abzukühlen....grins)
2013-03-31 10:39:12

Werde ich mal abspeichern,kann man bestimmt mal gebrauchen. Für die klasse Idee 5D
2013-03-31 10:47:34

sehr schöne ausführliche Anleitung für eine faszinierende "Kleinigkeit". Ab in die Bookmarks damit!
2013-03-31 10:56:48

@Janinez: eine super Idee, bin auf Deine Langzeitinfo dann mal gespannt (noch besser die Idee den Topf abzukühlen....grins)

das ist eh einfach, man stellt ihn in den Schnee hinaus :D
2013-03-31 11:06:35

5 Bienchen von mir für die schöne Anleitung. mit einer Induktionsplatte liebäugele ich ja auch schon lange für die Küche, so hab ich einen doppelten Grund mir eine zu besorgen ***grins***
2013-03-31 11:21:34

@all
danke fürs lob
werde den projekteintrag natürlich zu gegebener zeit um meine erfahrungen ergänzen
2013-03-31 11:48:21

Klasse gemacht !!!
2013-03-31 11:50:57

Super Idee und gut beschrieben!!!!
5D
2013-03-31 12:00:29

super Idee. gefällt mir.
2013-03-31 12:20:26

Gute Idee. Noch einen Tipp von mir das Wachs immer im Wasserbad erhitzen, sonst besteht Brandgefahr!

Aber sonst 5 Daumen.
2013-03-31 12:33:40

Tolle Idee und sehr gut beschrieben. Das werde ich mir merken. 5xD
2013-03-31 12:34:57

tolle idee
2013-03-31 13:15:31

ja da hat man doch was natürliches und es duftet auch noch angenehm....tolle Anleitung
2013-03-31 13:24:11

interessant, was man dazulernen kann
2013-03-31 14:23:13

Super Idee und gut beschrieben.
Gerade wenn man Kinderspielzeug herstellt, ist es ja besonders wichtig ungiftige materialien zu verwenden.
Ist es auch möglich irgendwelche Farben hinzuzufügen?
2013-03-31 14:24:06

wenn meine frau auf arbeit ist,werd ich 2 töpfe umlagern,perfekt
PS;(4 Tage Hausarest)du warst schuld sag ich denn ;0)5D
2013-03-31 16:18:27

Tolle Idee. Werde ich mir mal merken. 5D
2013-03-31 18:45:00

bekommt man das auch als hochglanzwachs? wäre für mich dann auch was
trotzdem 5D
2013-03-31 18:48:12

Klasse erklärt ......
2013-03-31 18:54:04

@charly forever
das mit der farbzugabe hab ich nicht probiert. würde aber eher dazu tendieren vorher farbe aufzbringen (etwa mit einer wasserverdünnbaren lasur)

aber vllt hat jmd anderer eine idee dazu?
2013-03-31 19:37:13

Klasse lösung. Sehr gut erklärt
2013-04-01 11:12:33

Super beschrieben!
2013-04-01 16:25:38

Vielen Dank! Werde ich mal testen!
2013-04-02 09:53:43

bin immer wieder erstaunt was man alles so selbst herstellen kann, Toll
2013-04-02 13:16:44

Klasse gemacht, super Idee. --- gefällt mir, hab´s als Lesezeichen abgelegt.
2013-04-02 16:06:32

sehr schöne beschreiben mich würde jetzt mal ein langzeit test interessieren da ich das von ikea kenn und sagen kann das ist schnell ausgewaschen wenn ich es auf mein schneide brett aufgetragen habe
2013-04-02 19:27:44

@klaustrophopie
man muss anfangs gerade bei schneidbrettern ausreichend und in kurzen abständen ölen.

ich verwende mein wachs aber für gürtelhalter uä, da gibt es keinerlei beanspruchung (weder mechanisch noch chemisch), so dass ich von dauerhaftem schutz ausgehe
2013-04-02 20:01:14

Interessantes Projekt, werde ich mir mal merken - 5D!
2013-04-03 14:17:38

Also das muss ich auch mal probieren... tolle Anleitung... 5 D
2013-04-29 20:30:58

nachbau lohnt auf alle fälle

habe das wachs nun knapp 10 monate in verwendung. kann berichten, dass es funktioniert wie am ersten tag. es hat sich in keinster weise verändert (aussehen, konsistenz, geruch, farbe...). auch die anwendung ist gleich einfach geblieben: auftragen, erwärmen (zum tieferen eindringen), auspolieren, fertig. die ergebnisse sind auch wie am ersten tag (seidig glatte oberfläche, die sich ganz weich anfühlt)
2014-01-17 11:13:07

Gute Idee! So weiß man wenigstens was wirklich drin ist. 5D
2014-05-03 21:10:13

hallo , DANKE f. die einfache Beschreibung ,
zu IKEA : " skydd " bedeutet Schutz , sprich : schü,d ( war längere zeit in schweden )
frage : wie soll man zb lärchenholz dauerhaft behandeln , im aussenbereich , damit es den schönen Rotton beibehällt ? habe gehört man soll altes Speiseöl warm auftragen ?
freue mich auf deine antwort , lg vom Holzwurm anton
2014-08-15 23:53:27

da kann ich dir leider nicht helfen. habe keine erfahrungen mit anderen ölen. bei meiner terrasse (douglasie) verwende ich alle 2 jahre douglasienöl. trotzdem vergrauen die bretter etwas
2014-08-16 18:07:30

Das ist mittlerweile meine Lieblingspolitur für jegliche Holzarbeiten (außer Arbeitsplatten). Ich schleife das Holz immer ganz fein und glatt (600er Papier) und beschichte es dann mit deiner "Tinktur". Das Ergebnis gefällt mir immer wieder. Vielen Dank dafür...
2015-03-09 23:26:35

Finde ich spitze
Danke
5D
2015-05-18 05:43:43

habe das wachs nun schon über zwei(!) jahre in verwendung. nicht nur, dass es sehr ergiebig ist, kann ich bis jetzt auch keinerlei veränderung daran feststellen (geruch, konsistenz, anwendungsfreundlichkeit...).
es ist noch so wie am ersten tag - mein vorrat geht allerdings langsam zur neige und im laufe des jahres wird wohl eine neue charge fällig werden ;-)
2015-05-18 11:57:48

Hallo, ich habe mich gerade hier angemeldet und mehrere Fragen zu dem Holzwachs.
Also das Paraffinöl wo bekomme ich das noch?! Und kann ich evtl auch ein anderes Öl nehmen? weil ich nicht unbedingt eine Mineralölbasis habe, besonders im Bezug auf Nachhaltigkeit und weg von Mineralölen.
Aber sonst werde ich definitiv mir erstmal Bienenwachs besorgen.
freundliche Grüße
thomas
2016-01-18 23:27:15

das öl gibt es, wie oben beschrieben, unter dem genannten namen im genannten möbelhaus ;-)

sicher kann man auch andere (holz)öle verwenden, ich hab aber keinerlei erfahrungen damit und kann daher nichts zu deren verarbeitung, haltbarkeit.... sagen
2016-01-18 23:45:14

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