Ursache und Wirkung
1/1 Ursache und Wirkung
Holz
von Ottomar
25.10.16 10:59
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Wie jeder weiß, kann ein Bogen noch so schön oder technisch gelungen oder beides sein, ohne richtig gute Pfeile ist er gar nichts. Außerdem haben Holzpfeile, die man beim traditionellen Bogenschießen verwendet, die dumme Eigenschaft, dass sie nur zu gerne zerbrechen, wenn man nicht ordentlich mit ihnen umgeht.
Daher war ich letzte Woche fleißig und habe einen Satz Pfeile gebaut (Bild).

Doch dies ist nicht das Projekt, sondern die Beantwortung der Frage: Wohin damit? In einen Köcher, na klar. Aber in welche Art von Köcher?
Das war leicht zu beantworten. Wenn man schon traditionelle Bögen baut, wie etwa diesen oder besonders jenen, dann auch entsprechende Köcher. Und es ging nicht um diesen, sondern um jenen Bogen, gebaut aus amerikanischem Osage-Orange-Holz, benannt nach den Erfindern dieser Bogenart, nämlich den Indianern vom Stamme der Osage, einem Stamm der Plains-Indianer aus der großen Familie der Sioux.

Damit war aber auch festgelegt, dass (weitgehend) natürliche Materialien verwendet werden sollten und die Optik entsprechend ausfallen muss.


Leder, Pfeile, Köcher
4.9 5 26

Bauanleitung

Benötigtes Material

Stk. Beschreibung Material Maße
  Rindsleder     
  Lederschnüre     
Nieten     
  Klebstoff     
  schmückendes Material     

Benötigtes Werkzeug

  • Scharfes Messer
  • Lochpfeife

1 Schärfen der Außenhülle

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Rindsleder
1/4 Rindsleder
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Da man Büffelleder bei uns eher selten erjagen kann, wird ein Stück Rindsleder als Ersatz genommen (Bild 1). Vor der Weiterverarbeitung muss das 3-4 mm dicke Leder an den Kanten mit einem scharfen Messer schräg beschnitten werden, da es sonst nach dem Zusammenfügen zu stark auftragen würde (Bild 2 und 3).

Man nennt dies Schärfen und das Endergebnis sieht dann so aus: (Bild 4).


2 Der Boden

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Die Spreekönigin ...
1/6 Die Spreekönigin ...
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Nun taucht plötzlich die Spreekönigin als dienstbarer Geist auf (Bild 1).
Aber wozu?
Sie will als Vorlage für den Boden dienen (Bild 2).

 Es gehört zur Natur von Pfeilen, am vorderen Ende sehr spitz zu sein, doch dem kann abgeholfen werden.In gleicher Größe wird ein Kreis aus Holz gesägt, der als Verstärkung dem Lederkringel aufgeleimt werden soll.

Aber: bei einer ersten Probe erweist sich der Radius des Bodens als zu klein. Also wird gestückelt (Bild 3 und 4). Im zweiten Anlauf erhält der Boden seine endgültige Form (Bild 5) und kann ohne viel Aufhebens in die Hülle eingeleimt werden (Bild 6).


3 Fertigstellen der Röhre

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Leder zu Köcher
1/4 Leder zu Köcher
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Aus einem flachen Stück Leder wird nun schrittweise eine Röhre (Bild 1).
Bevor die Form aber gänzlich geschlossen wird, bekommt sie noch eine Aufhängung in Gestalt von Gürtelschlaufen verpasst.

 Diese müssen die Röhre so halten, dass deren unteres Ende beim Gehen nicht ständig gegen das rechte Knie klopft. Auf Dauer wäre das zu lästig, und außerdem sollen Schützin oder Schütze die Pfeile bequem entnehmen können - also Schrägstellung des Ganzen (Bild 2 und 3).
Natürlich verfügten die Indianer nicht über Nietenzangen, aber dies ist ein erster Kompromiss, der um der Stabilität willen geschlossen wurde.
Oder vielleicht sogar ein zweiter, denn ob die Verklebung von Boden und Röhre mit Birkenpech erfolgte, wird nicht verraten.

Die Aufhängung wird (zur Zierde) noch mit zwei Lederriemen verstärkt.

Das Zwischenergebnis sieht jedenfalls so aus, wie Bild 4 es zeigt. Die Schrägstellung am Gürtel möge man sich vorstellen.

4 Verzierungen sind Geschmackssache ...

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Löcher werden gepfiffen
1/3 Löcher werden gepfiffen
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Was noch fehlt, ist eine zünftige Naht längsseits und einige Verzierungen, die den Ursprung des Köchers unterstreichen.

Mit einer Lochpfeife werden also Löcher gehämmert (Bild 1) und diese mit einer Lederschnur durchflochten (Bild 2).

Ein freundlicher Waschbär stiftet seinen Schwanz, eine nicht minder freundliche Indianerin zwei Perlenstickereien - und fertig ist der Köcher - jedenfalls für den Moment (Bild 3).
 
Wer weiß, was sich noch an stilechten Zierelementen finden wird.

Und die Pfeile haben jetzt endlich eine Heimat gefunden.

33 Kommentare

zu „Holzpfeile - wohin damit?“

He, das ist Großartig. Sehr nah am Original. Das ist handwerklich sehr gute Arbeit, das möchte ich auch gerne so können. 5 Pfeile von mir
2016-10-25 11:26:55

eine tolle Arbeit
2016-10-25 13:46:18

Mach nur so weiter dann steh ich eines Tages vor deiner Tür.

5 Pfeile für den Kocher.
2016-10-25 14:59:31

Wow, wow, und noch eimal wos. Das sieht ja echt grandios aus. Sauber Arbeit, und super beschrieben. Gefällt mir absolut
2016-10-25 15:50:11

Super Bauanleitung ist echt gut geworden 5 Pfeile von mir
2016-10-25 16:43:25

Mein weißer Bruder hat gute Arbeit geleistet. Howgh.
2016-10-25 17:15:02

Einfach nur COOL, gefällt mir sehr sehr GUT
2016-10-25 18:19:26

Ich muss schnurzi nachahmen: einfach nur COOL
2016-10-25 18:51:26

Klasse Arbeit! Alle ins Gold!
2016-10-25 19:59:44

@3radfahrer

Mein weißer Bruder fährt auf einem stählernen Ross? Moderne Zeiten ...

@alle
Vielen Dank für Lob und Pfeile. Freut mich, dass Euch der Köcher gefällt. Es ist ja immer ein Risiko, dass man bei solchen Sachen nicht ausgelacht wird: Jetzt spielt der alte Esel Indianer.
Ich versichere, dass ich keine Feder im schütteren Haar trage und auch sonst ganz normal bin.
2016-10-25 20:01:30

Das sieht richtig gut aus und würde mir auch gefallen für Pfeile.
2016-10-25 22:12:05

Hallo Ottomar,
eine echt tolle Bauanleitung. Deine Beschreibung ist top, und deine Pfeile werden sich sicherlich sehr wohlfühlen. Dafür 5 d.
Folgendes ist mir aufgefallen:
Bei deiner Einleitung (ich habe den Satz kopiert: Das war leicht zu beantworten. Wenn man schon traditionelle Bögen baut, wie etwa diesen oder besonders jenen, dann) kann man die Wörter diese und jenen nicht anklicken.
2016-10-25 22:26:58

Samir, vielen Dank für den Hinweis. Ich hatte die Links nicht überprüft.
2016-10-25 22:29:12

Was ist das denn? - Erst ein Bogen, jetzt ein Köcher und als nächstes dann ein Kopfschmuck aus Federn oder ein Holzpferd. Ich bin jedenfalls gespannt.
Top gebaut und beschrieben.
2016-10-25 22:55:50

Echt toll gebaut und super beschrieben!
2016-10-25 23:09:42

Jan, mein weißer Bruder,
jetzt muss ich mich doch tatsächlich selbst zitieren:

" Es ist ja immer ein Risiko, dass man bei solchen Sachen nicht ausgelacht wird: Jetzt spielt der alte Esel Indianer.
Ich versichere, dass ich keine Feder im schütteren Haar trage und auch sonst ganz normal bin."

Ein Schaukelpferd werde ich nicht bauen, aber über kurz oder lang eine Schaukelharley, denn Hubraum ist durch nichts zu ersetzen ... Howgh!
2016-10-25 23:17:01

Was spricht dagegen, auch mal Kostümparty zu veranstalten und den Regentanz zu tanzen? Oder auch gerne mal die Sonne hervor zu holen? Dazu ist man nie zu grau!

Feine Beschreibung und man erkennt, dass dort mit Sinn, Verstand, Wissen und Können ein unkaufbares Unikat hergestellt hat.
2016-10-26 07:23:58

Nicht ganz richtig was du schreibst @Ottomar
Hubraum kannst du ersetzen, und zwar mit noch mehr Hubraum.
2016-10-26 08:08:53

Ein sehr schöne Handwerksarbeit, auf immer gefüllten Köcher mit min 5 Pfeilen
2016-10-26 09:17:43

Klasse gemacht, top Arbeit
2016-10-26 10:09:57

@Toby,
da hast Du mal recht, je Hubraum, desto gut ... oder so. Und auf jeden Fall besser als das Holzpferd, auf das mich Kaosqlco setzen möchte. Bei uns auf der Weide stehen übrigens Pferdchen aus der Endurozucht: Ducati, Honda und Beta.

@Ruesay
Tanze, weißer Bruder, tanze die Sonne herbei!
Im Ernst, Kostümieren. ist meine Sache nicht. Mir geht es wirklich nur um´s Bogenschießen und das Drumherum, ethnologische Basteleien inklusive.
2016-10-26 10:37:39

Ja, ich habe den Eindruck, dass Du recht eigentlich normal bist ... hast eben nur ein paar ausgefallene Hobbies! Bei Deinem Wissen und Geschick und Deinen vielfältigen vorgestellten Projekten würde ich Dir auch ein zünftigen Indianer-Kopfschmuck oder ein selbstfahrendes Holzpferd, ggf. mit einem Moped drunter, zutrauen.
2016-10-26 13:33:36

prima gemacht, sieht auch Indianermäßig aus
.. und wer Spreewaldgurken isst - spart den Zirkel :-))))
2016-10-26 17:49:08

@Muldenboy
"und wer Spreewaldgurken isst ..."
isst die besten!

Meine feste Überzeugung! :-)
2016-10-26 19:37:31

Sehr interessant zu sehen wie ein Köcher entsteht . Kenne den Köcher nur von der Körherfliegenlarve in meinem Teich , aber er sieht so ähnlich aus :)
Webst du die Perlenbänder auch alleine ? Tollen Gesamtbild mit den Schnüren , Feder und Perlenband . 5 Pfeile dazu
2016-10-26 21:53:36

Super geworden. Fünf Daumen dafür.
2016-10-27 07:32:41

Absolut handwerklich top
2016-10-27 12:33:40

Gute Handwerkskunst.Bist auf dem Kriegspfad?5D
2016-10-27 15:19:03

Freut mich, dass es Euch gefällt.

@Bundschuh
Ja! Und wer frech fragt, kommt an den Marterpfahl ...
2016-10-27 18:45:27

Bitte nein.Bin eh schon 42 Jahre verheiratet.
2016-10-28 12:55:19

Ein schönes Hobby hast du hier mit einem anderen verbunden , ausgezeichnet .
Mit einer interessanten Anleitung hast du uns erfreut.
Da bin ich gespannt, was du uns mit den Pfeilen noch zeigen wirst .
Fünf Daumen von mir dafür .
2016-10-28 21:49:59

erstklassige Arbeit und das Endergebnis kann sich echt sehen lassen
Daumen hoch
2016-10-29 18:52:08

toller Köcher! Als Kind war ich auch Indianer :-)
2016-10-30 22:20:57

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