Hirnholz-Brett: von der rohen Diele zum fertigen Küchenbrett

Hirnholz-Brett: von der rohen Diele zum fertigen Küchenbrett Küche,Brett,Hirnholz,Stirnholz,hackbrett
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Küche und Bad
von lizzard77
31.05.13 20:04
4311 Aufrufe
  • Unter 1 TagLeicht
  • Unter 1 TagUnter 1 Tag
  • 5050,00 €

Das Thema des Projekts ist altbekannt und schon häufig dokumentiert - ich möchte Euch dennoch den kompletten "Workflow" vorstellen von der rohen Diele bis zum Ergebnis. Viel Spaß - ich freue mich auf Euer Feedback.

Anmerkung zu den Projektkosten: das kann von 0 bis 200 EUR alles sein, je nachdem, was für Holz verwendet wird. Das Projekt kann man perfekt auch mit Restholz umsetzen, es sollte nur ein Hartholz sein.

Warum Hirnholzbrett? Ganz einfach: es schon die Messer, weil die Schneide nicht ständig auf die Längsfasern des Holzes trifft, kurz gesagt. Und außerdem sieht's gut aus :-)


KücheBrett, Hirnholz, Stirnholz, hackbrett
4.9 5 40

Bauanleitung

Benötigtes Material

Stk. Beschreibung Material Maße
Diele  Nussbaum Vollholz   
Diele  Weißbuche/Hainbuche Vollholz   
Leim     

Benötigtes Werkzeug

  • Tischkreissäge
  • Tauchsäge
  • Exzenterschleifer
  • Handhobel (Raubank, Putzhobel)
  • Schraubzwingen

1 Diele hobeln, besäumen

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Diele hobeln, besäumen
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Die rohen Dielen habe ich zunächst ausgehobelt, dann besäumt. Wer einen Dicken-/Abrichthobel sein Eigen nennt, kann das natürlich viel schneller mit der Maschine erledigen - mit einer großen Raubank geht's aber auch ziemlich flott. Ich hoble immer zuerst aus und besäume dann, das gibt besseren Halt beim Hobel und verhindert evtl. Ausrisse. 

Die Diele in den Bildern hier ist Walnuss-Holz, 33mm dick, 3m lang. Dasselbe habe ich auch noch mit einer Weißbuchen-Diele gemacht, die war ca. 52mm dick. Der Hobel ist übrigens ein Stanley Nr. 5 von 1922, frisch aufgearbeitet, der hier seinen ersten Einsatz in meiner Werkstatt hatte.

2 Kanteln schneiden

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Kanteln schneiden
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Die Dielen werden dann in Streifen geschnitten - die Nuss habe ich hier auf ca. 3x5cm Endformat gebracht, die Buche auf 5x5cm. Nach dem Sägen sollten die Bretter noch gehobelt werden, damit sie wirklich plan sind - das verhindert später Lücken und Risse im Leimholz.

Die langen Streifen habe ich dann auf ca. 30cm abgelängt, das exakte Maß spielt hier aber noch keine so große Rolle. Ideal ist es, eine Länge zu wählen, die einem Vielfachen der späteren Brettdicke entspricht - mehr dazu in Schritt 4.

Je länger die Streifen, desto schwieriger finde ich es, im nächsten Schritt das Leimholz herzustellen, außerdem braucht man auch entsprechend große Zwingen in größeren Mengen.

3 Leimholz herstellen

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Leimholz herstellen
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Als erstes die Zwingen vorbereiten: ich klebe auf die Stangen und die Backen transparentes Paketklebeband - dann klebt die Zwinge nicht am Holz und der Leim versaut nicht die schönen Zwingen. 

Dann wird das Holz ausgelegt, wie es am Ende aussehen soll. Ich drehe dann die Kanteln um 90° nach links, damit die Seite oben liegt, die den Leim bekommt, verteile den Leim und drehe wieder zurück - so kommt alles genau in der richtigen Anordnung zu liegen.

Als Leim verwende ich übrigens Titebond II, der ist wasserfest und (in den USA) für den indirekten Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen - da habe ich noch keine Alternativen gefunden.

Zuletzt wird alles verzwungen - erst die unteren Zwingen, dann darauf Beilagen. Die Beilagen müssen etwas kürzer sein als das Leimholz breit ist und sollten auch mit Paketklebeband vor dem Verkleben geschützt werden (siehe Bild 3 und 4). Alles ordentlich verpacken, verzwingen, verschrauben - siehe Bilder 5 und 6.

4 Leimholz fertigmachen und teilen

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Leimholz fertigmachen und teilen
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Dann alles sehr, sehr gut durchtrocknen lassen - 24 Stunden etwa. Zum Schluss wird das Leimholz dann von Leimresten befreit und glattgehobelt.

Eigentlich haben wir ja jetzt schon ein ganz nettes Brett. Um aber ein Hirnholzbrett zu machen, müssen wir das Leimholz jetzt wieder auftrennen. Dazu wird es wieder in Streifen geschnitten, nur diesmal quer zur Faser.
 
Jetzt kommt die vorhin schon genannte Rechnung ins Spiel: bei 35mm Dicke des endgültigen Brettes kriegt man aus 30cm langem Leimholz 8 Streifen (mit ein bisschen Puffer für den Verschnitt). Ich habe also meine 30cm-Leimholzbretter in entsprechende Streifen geschnitten - das Nussbaum-Leimholz ist dünner als das Buchenleimholz, das ist aber egal, weil wir ja nur das Hirnholz verwenden - die Streifen müssen lediglich gleich dick sein. 

Bild 3 zeigt das geschnittene Leimholz, um 90° gedreht. Das Hirnholz zeigt jetzt nach oben, man ahnt schon, wie das ausschauen wird.

5 Und nochmal: verleimen, putzen, hobeln

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Und nochmal: verleimen, putzen, hobeln
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Jetzt werden die einzelnen Streifen arrangiert und wieder verleimt - dran denken: das Hirnholz zeigt jetzt nach oben! Auch hier wieder mit Klebeband und Zulagen arbeiten, verleimen, 24 Stunden trocknen lassen und danach putzen und aushobeln.

6 Schleifen, schleifen, schleifen

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Schleifen, schleifen, schleifen
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Wenn alles plan ist, wird geschliffen - ich fange mit P40 an, dann über 80, 120 und 180 bis 240er Körnung hoch. Dann sieht's schonmal ziemlich gut aus - es wird. Aber noch sind wir nicht am Ziel...

7 Besäumen, fasen

Der vorletzte Schritt: das Brett wird auf Endformat geschnitten, eventuelle Überstände und Unregelmäßigkeiten werden dabei entfernt. Ich habe außerdem mit der Tischkreissäge eine 35°-Fase rundum angebracht, damit man es besser hochnehmen kann (sieht man im nächsten Schritt). 

8 Ölen

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Ölen
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Hier scheiden sich die Geister: manche sagen, Küchenbretter sollte man nicht ölen, andere behaupten, es geht nicht ohne. Ich öle alle Bretter, die ich mache, mit einem leichten (billigen) Olivenöl - das wird definitiv nicht ranzig, schützt das Holz und gibt einfach eine tolle Optik. 

Auf Bild 2 sieht man die Fase, auf Bild 3 den Vergleich zwischen geöltem und ungeöltem Brett.

Beim Ölen gehe ich ganz einfach vor: das Brett wird großzügig mit Öl geflutet, bis es einen Überstand gibt. Gerade die ersten Gaben von Öl kann man innerhalb von Sekunden ins Hirnholz einziehen sehen. Wenn das Holz soweit gesättigt ist, den Überstand mit einem Küchentuch abnehmen und das Brett mindestens 24 Stunden "trocknen" lassen - wobei Olivenöl streng genommen nicht trocknet, aber es zieht vollständig ein.

Zum Trocknen stelle ich die Bretter auf einen Topfdeckelhalter - dann haben sie kaum Kontakt mit irgend einer anderen Oberfläche.

Ganz zum Schluss wird das Brett noch poliert - ich benutze dazu den Exzenterschleifer mit Schleifvlies, so dass das Brett eine ganz glatte, feine und leicht glänzende Oberfläche bekommt.

42 Kommentare

zu „Hirnholz-Brett: von der rohen Diele zum fertigen Küchenbrett“

Wie du richtig schreibst, die Idee ist nicht neu - aber: ich bin jedesmal davon fasziniert. Klasse find ich die Idee mit dem abgeschrägten Rand. Sehr innovativ und praxisnah.

Hast du wunderschön gemacht, sehr ausführlich beschrieben und bebildert.
Volle Punktzahl!
2013-05-31 20:09:37

prima gebaut und ausführlich beschrieben
2013-05-31 20:26:21

Sieht geil aus. Ist ein schönes Geschenk
5D
2013-05-31 20:44:36

Tolle Bretter! Jetzt die Frage: Ich habe mir vor Jahren aus Wenge und Kiefer ein Schachbrett ebenfalls mit Stirn-(bzw.Hirn-)holzstücken zusammengeleimt, so und jetzt ist mit der Zeit das Kieferholz geschrumpft und stellenweise eingerissen. Kommt durch Ölen das Holz wieder (gedehnt) zusammen, oder sollte ich es lieber mit Holzkitt füllen?
2013-05-31 20:48:24

Hallo Stromer - Kiefer ist für diesen Zweck genau deshalb (und weil es recht weich ist) nicht so gut geeignet, ja. Ich glaube nicht, dass Ölen da hilft - und Kitt würde ich persönlich bei einem Küchenbrett nicht so gerne verwenden, weiß nicht, ob das lebensmittelecht ist. Je nachdem, wie das aussieht, würde ich eher das ganze Brett wieder in Streifen auftrennen, die dann aushobeln und das ganze neu verleimen - das ist halt richtig Arbeit. Hattest Du das Brett denn von Anfang an regelmäßig geölt?
2013-05-31 20:52:23

super arbeit gemacht 5d
2013-05-31 20:59:36

wow, die Bretter sehen ja richtig stark aus......würde ich mir auch in die Küche stellen.....volle Punktzahl
2013-05-31 21:04:54

Sieht super aus, tolle Arbeit :-)
2013-05-31 22:23:49

Find ich Klasse -top Arbeit. 5 D
2013-05-31 23:06:51

Sehr schönes Ergebnis. Toll beschrieben.
2013-05-31 23:13:39

@geölt, nein. Auf das Schachbrett hatte ich Porenfüller und anschließend Klarlack gegeben.
Öl wollte ich da nicht drauf haben.
2013-06-01 00:26:36

Da hast du aber volles Handwerkergeschick gezeigt. Gut bebildert, und klasse beschrieben. Auch von mir volle Punktzahl
2013-06-01 00:32:53

Eine wirklich tolle Arbeit hast Du abgeliefert. Pedder vergibt hierfür 5 Daumen.
2013-06-01 02:19:55

Nachdem man entweder zu kurz, oder zu pauschal kommentiert, oder gar nix schreibt oder nur bewertet, oder doch nur schreibt und die Bewertung vergisst... egal wie man es macht... ich einige mich auf tolles Projekt und 5 Daumen von mir :)

Und glaube mir, wenn auch das mein Standardtext wird (die Prügel bekomme ich), ich finde es klasse das du (noch) Projekte einstellst. Danke dir...
2013-06-01 02:29:23

Toll beschrieben und bebildert. Das hast du dir richtig viel Mühe gegeben.
Ich würde mir so ein Schneidbrett auch ohne "Wenn und Aber" in die Küche stellen. Es ist aber schon fast zu edel. um darauf "nur" zu schneiden.

5 Daumen, was sonst ?
2013-06-01 06:18:21

eine hervorragende arbeit, daher 5 daumen, weiter so.
2013-06-01 07:59:38

sieht echt klasse aus
2013-06-01 08:40:55

Klasse gemacht und geworden ....
2013-06-01 08:50:53

Echt schön geworden , da hast du dir richtig viel Arbeit mit gemacht . Nicht nur mit deiner Handarbeit , auch mit der super Bauanleitung . Sehr gut nachvollziehbar und aussagekräftige Bilder das man es auch leicht nachbauen könnte
5 Daumen von mir
2013-06-01 11:01:39

Ich habe mal ..geklaut.. gschafft möge mir verzeihen !
Nachdem man entweder zu kurz, oder zu pauschal kommentiert, oder gar nix schreibt oder nur bewertet, oder doch nur schreibt und die Bewertung vergisst... egal wie man es macht... ich einige mich auf tolles Projekt und 5 Daumen von mir :)

so sehe ich das auch ..Super Arbeit
2013-06-01 11:15:47

Super Arbeit
2013-06-01 11:31:48

alle Achtung,Perfekt 5
2013-06-01 11:32:29

Ein gelungenes Projekt!
5D von mir
2013-06-01 12:48:39

Klasse Arbeit 5d
2013-06-01 20:27:07

Super Arbeit . Sieht Klasse aus.
2013-06-01 21:50:26

Du hast eine Top-Bauanleitung hingelegt. Als Laie würde ich mich jetzt auch an so eine anspruchsvolle Aufgabe heranwagen. Ich habe mir ein Bookmark gelegt. Und kann mich jetzt auf die Suche nach so einem Holz machen... Klare 5
2013-06-02 09:54:32

Leimholz selber herstellen ist für mich ganz hohe Kunst. Dann noch toll beschrieben => Super Arbeit.

Eine Frage zum Leimholz: Hast du Dich an irgendwelche Regeln gehalten um Verzug zu verhindern oder ist das bei so kurzen Streifen/Stücken und der Art der Verleimung kein Problem?
2013-06-02 20:37:55

Sehr schönes Holz, schönes Projekt, schöne Bauanleitung - schöne 5D!
2013-06-03 13:45:38

Danke für Eure Blumen, freut mich sehr :)

@MoritzLange: Heiko Rech beschreibt auf seiner Website (http://www.heiko-rech.de/grundlagen/leimholz .php) ganz toll, wie man das machen sollte für längsverleimtes Leimholz. Daran habe ich mich allerdings bei meinen Brettern nicht gehalten - dadurch, dass am Ende nur eine sehr kurze Längsfaser übrigbleibt, sollte das vermutlich egal sein. Bisher (nach etwa 12 Brettern dieser Bauart) hatte ich jedenfalls noch keine Probleme mit dem Verzug.
2013-06-03 13:59:32

eine wahnsinns Arbeit und optisch mal wieder ein ganz anderes Holzbrett. Ich hab beim Durchlesen mal wieder einiges gelernt.
2013-06-03 21:49:38

@lizzard77: Danke für die Info. Sowas habe ich mir schon gedacht.

Auf jeden Fall ne tolle Arbeit, auch wenn es optisch nicht 100% meinen Geschmack trifft. Handwerklich dagegen voll mein Fall!
2013-06-04 01:23:18

Tolle arbeit und schön beschrieben
2013-06-06 10:15:49

Beschreibung wie auch Arbeit, tipp topp und sieht echt gut aus ;O) 5 D
2013-06-11 21:40:51

Super gemacht.
2013-06-20 15:58:41

Eben erst gesehen, super Arbeit. Sehr schön, würde ich mir auch in die Küche stellen. :-)
2013-09-07 22:42:17

Wau, hab solche Bretter schon öfter gesehen und immer gemeint man klebt da 100 Würfel zusammen, was für ein Gefiesel.
Dank deiner Anleitung weiß ich endlich wie das fachmännisch gelöst wird.
Top! auch die 35° Fase rundrum ist eine SpitzenIdee.
Da schmeckt das Essen gleich noch besser, das Auge isst bekanntlich mit. 5 Holzwürfel
2015-10-30 09:10:11

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