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Abdruck nehmen
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Ideen und Projekte für Kinder
von Holzopa
16.02.16 00:46
594 Aufrufe
  • Unter 1 TagLeicht
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  • 55,00 €

In einer Szene unserer Sci-Fi-Serie müssen von einem Agenten Fingerabdrücke genommen werden. Bisher habe ich schon den Verhörraum und einen Handabdruckscanner als Türöffner gebaut, nun kam ein Fingerprint-Set dazu.

Klar, man könnte dieses auch kaufen. Aber eines in wirklich guter Qualität kostet von 70,00 Euro aufwärts (Geld, dass wir lieber für die Sprengung eines Autos ausgeben werden) und die Billigsets, wie sie zuhauf angeboten werden taugen nicht wirklich was.
Also mal überlegen und dann um wenig Geld selbst was machen - geht schnell und einfach.

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Fingerabdruck, fingerprint, Detektiv, Spurensicherung, c.s.i
4.6 5 19

Bauanleitung

Benötigtes Material

Stk. Beschreibung Material Maße
Kartonpapier, weiß    A4 
Buchfolie  fest   
Kunststoffbehälter     
Lidschatten, schwarz     
Rouge- oder Puderpinsel     

Benötigtes Werkzeug

1 Vorarbeiten

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Vorlage drucken
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Da ich echte Fingerabdrucksets ja von meinen oftmaligen Einsätzen als Spurensicherer (Spusi) bei Soko Wien kenne, weiß ich, wie sie aufgebaut sind. Daher war es mir ein Leichtes, entsprechende Überlegungen anzustellen um sie nachzubauen.

Was braucht man um Fingerabdrücke zu nehmen? Im Wesentlichen nicht wirklich viel:
* Pulver
* Pinsel
* Abziehfolie mit Karton (ich nenn sie einfach mal "Briefchen")

Davon selbst machen musste ich nur die Briefchen. Passend zum Film habe ich mir also eine entsprechende Vorlage gebastelt. Natürlich mit Corel Draw.

Die einzelnen Briefchen haben eine Größe von 6x8 cm. Am oberen Ende habe ich einen Strichcode mit einem Schriftzug eingepasst - der Code lässt sich mit Corel Draw leicht generieren (Bild 1).
Die Vorlage habe ich mir dreimal auf weißem Kartonpapier ausgedruckt, was insgesamt 24 Briefchen ergab.

2 Briefchen

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Längsschnitte
1/16 Längsschnitte
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Mit eine Papierschneidemaschine habe ich die einzelnen Briefchen zugeschnitten. Erst die Längs- (Bild 2), dann die Querschnitte (Bild 3).

Von der Buchfolie (hier ist unbedingt die etwas stärkere Folie anzuraten, da sich diese viel einfacher handeln lässt - vor allem, wenn man alleine arbeitet) wird ein Stück des Papieres abgezogen. Dann etwa 1 cm auf eine glatte Unterlage geklebt. Ich verwende hier eine große Schneidunterlage mit Linien, so dass ich die Folige möglichst gearde ankleben kann. An der Kante richte ich dann die Kartonplättchen nebeneinander aus (Bild 4). Diese dabei möglichst bündig nebeneinanderlegen.

Die Folie wird nun soweit am oberen Rand auf die Kartons geklebt, dass der Aufdruck komplett verdeckt ist. Das Deckpapier scharf knicken und die Folie über die Briefchen legen (Bild 5).

Nun mit einem scharfen Cuttermesser entlang der Kanten des Kartons die einzelnen Briefchen auschneiden (Bild 6). Zum Schluss wird das umgeknickte Deckpapier an der Rückseite etwas eingekürzt (Bild 7) und die Briefchen sind fertig (Bild 8).

Es empfiehlt sich, die Briefchen über Nacht zu pressen. Ein alter Medizinwälzer leistete da gute Dienste (Bild 9).

3 Weitere Utensilien

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weiteres Zubehör
1/3 weiteres Zubehör
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Beim Bipa besorgte ich zwei schwarze Lidschatten Nr. 12. Alles weitere - wie einen kleinen Plastikbehälter mit dicht schließendem Deckel, einen Rougepinsel (versenkbar) und einen Staubpinsel mit Blasebalg - hatte ich daheim (Bild 10).

Den Lidschatten gab ich in den Plastikbehälter und habe ihn zu Pulver zerrieben (Bild 11).

Soweit war nun alles bereit um den ersten Testabdruck zu nehmen.

4 Abdruck nehmen

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einstäuben
1/4 einstäuben
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Mit dem Rougepinsel habe ich etwas "Fingerabdruckpulver" aufgenommen, den Pinsel abgeklopft und das Pulver auf der Oberfläche aufgetragen (Bild 12).
Ich habe dazu ein Stück Kastenrückwand verwendet. Zum einen, da dieses eine nicht ganz glatte Oberfläche hat (um zu sehen, obs auch da funktioniert) und zum anderen, da ich erst Erfahrungen sammeln musste, wie leicht (oder schwer) sich das Pulver hinterher von der Oberfläche entfernen lässt.

Überschüssiges Pulver habe ich mit einem Staubpinsel (den ich in der Kameratasche meiner alten Canon A1 gefunden habe) weggeblasen (Bild 13). Da es nicht um DNA-Spuren geht könnte man Pulver das auch mit dem Mund wegblasen, das schaut aber wenig professionell aus ;-)

Jetzt wird das Deckpapier von der Folie abgezogen, diese über den eingestaubten Abdruck gelegt und glattgestrichen (Bild 14). Die Folie von der Oberfläche abheben und auf dem Trägerpapier glattstreichen (Bild 15). Dabei wird von der Kante mit dem Code nach vorne gestrichen.
Nun ist der Fingerabdruck gesichert und kann weiterbearbeitet (gescannt, fotografiert, mit der Lupe betrachtet...) werden ohne dass er beschädigt werden kann.

5 Anmerkungen

Bleistiftabdruck
1/1 Bleistiftabdruck

Bei meinem ersten Versuch mit dem Abdruckpulver habe ich - wie es oft im Netz zu lesen ist - zerriebene Bleistiftminen (in unterschiedlicher Härte) verwendet.
Abgesehen von der Mehrarbeit wurden die Abdrücke damit nicht wirklich schön sondern verwischten beim Glattstreichen und waren so nicht mehr zu erkennen (Bild 16).

Der Lidschatten lässt sich mittels Fensterreiniger sehr einfach und rückstandsfrei von allen möglichen Oberflächen entfernen.

Eine kleine Bastelei, mit der man mit den Kinder/Enkeln/Neffen... auch mal gut einen verregneten Nachmittag beim Detektiv spielen verbringen kann.

6 Zugabe

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Verhörszene1
1/3 Verhörszene1
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Weils zum Thema passt hier noch ein paar Bilder der Verhörszene im selbst gebauten Verhörraum.

Freu mich schon, wenns im Frühjahr endlich mit den Außendrehs weitergeht ;-)

25 Kommentare

zu „Fingerabdruckset - Filmrequisite“

Echt cool, was man hier auf der Heimwerkerseite alles lernen kann...

Also sollte mal jemand bei mir einbrechen werde ich die Fingerabdrücke nehmen.

2016-02-16 05:45:59

Kleines aber lehrreiches Projekt. Gleich ab in die Werkstatt und schauen, wer heimlich mit meinem Werkzeug arbeitet :-)
2016-02-16 07:52:23

Coole Idee. Danke fürs zeigen, Herr Kommissar Holzopa. ;-)
2016-02-16 08:58:17

Ich finde dieses Projekt überaus interessant. Ich habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht wie so etwas von Statten geht. Danke für ein schöner Einblick hinter den Kulissen.
2016-02-16 09:28:39

Cool! Das Spektrum möglicher Heimwerkerprojekte wird hier wirklich immer weiter ausgedehnt.
2016-02-16 09:59:51

Spannenende Angelegenheit - das wird aus purem Spieltrieb nachgemacht :-)

Hatte schon das (unerfreuliche) Vergnügen einen Profi über die Schulter zu schauen - dieser bewerkstelligte dies wie folgt:
- Pulver mit einem sehr weichen Staubpinsel (meine das waren sogar irgendwelche Maraboufedern an dem Ding) auftragen
- Abdruck abfotografieren (zur Sicherheit fals der nächste Schritt schiefgeht)
-ein Stück transparentes Klebeband (meine das war vom 3M) auf den Abdruck kleben, vorsichtig wieder abziehen (nimmt die Staubpartikel auf) und auf eine weiße Karte kleben.

Die Prozedur fand ich äußerst spannend/beeindruckend da damit sogar Spuren von Handschuhen, die der/die Täter benutzt haben gesichert werden konnten.
2016-02-16 10:34:39

danke

ja, das mit dem "paketband" kenn ich auch. aber mit dem vorgefertigten karterl mit der etwas stärkeren folie wird ein unbeabsichtigtes zusammenkleben der folie (was den abdruck unbrauchbar machen würde) verhindert.. jeder weiß, wie schnell so ein dünnes klebeband sich mal "verwurschtelt".
2016-02-16 11:09:24

Ich finde es richtig Spannen, wenn du solche Projekte für das Theater einstellst. Ich weiß ja, das du solche Sachen schon öfters gemacht hast. Und auch hier wieder alles super improvisiert. Gefällt mir echt gut.
2016-02-16 11:22:33

cool
2016-02-16 12:08:45

ich schau sehr gerne die Soko Wien, aber der Wolfahrt bist du wohl nicht? Wie kann man bei diesem lautem Klassikgedöns arbeiten :D

dein Projekt ist wieder klein, aber fein
2016-02-16 13:35:39

@woody
nein, der helmut bin ich nicht. nur einer seiner "gehilfen" ;-)
2016-02-16 14:37:14

Auf was man so kommt, Cool
2016-02-16 14:41:16

@Holzopa: der Wolfahrt heißt aber Franz mit Vornamen, der Helmut ist einer der drei Ermittler. Dass ich dir das erklären muss, tzz ;)
2016-02-16 16:46:46

ja, aber ich meinte seinen realnamen ;-)
der schauspieler heißt Helmut Bohatsch
2016-02-16 18:37:10

achso, das wußte ich nicht :D
2016-02-16 20:04:56

Klasse gemacht 5d
2016-02-17 11:48:54

Wann fängst du bei James Bond an . Geile Sache.
2016-02-17 16:48:57

Wieder mal schön zu sehen was du immer an Requisiten selbst bastelst! Klasse!
2016-02-17 19:05:31

Coole Sache.
2016-02-18 23:35:55

Mal was ganz anderes. Aber mit Idee und Pfiff Requisiten selber machen, das ist cool!
2016-02-19 08:00:01

das ist wirklich mal was anderes.
2016-02-21 12:33:02

danke
heute haben wir die szene gedreht, bei welcher das fp-set zum einsatz kam. hat super funktioniert! :-)
2016-02-21 15:32:18

Das ist ja mal was ganz anderes und richtig spannend erklärt. (Ich komme in Versuchung meinen Lidschatten zu pulverisieren.)
2016-02-22 06:36:16

Interessant! Was man mit ein wenig nachdenken nicht alles selbst herstellen kann.
2016-03-05 07:33:19

wie cool ist denn das?
2016-11-25 21:13:43

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