Ein Schmuckkasten für die Gattin

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Holz
von Fussel
20.09.13 10:35
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  • 8080,00 €

Da die Schmucksammlung meiner Frau in stetigem Wachstum begriffen ist und ein unordentliches Blechbäumchen zur Aufbewahrung wenig taugt, musste etwas anderes her. Schmuckkoffer im Geschäft kosten gut und gerne 200 € und haben nur vorgefertigte Fächer, in die manches gar nicht hineinpasst.
Also ran an den Zeichenblock und selbst was ausgedacht.
Gebeiztes Sperrholz mit patinierten Messingbeschlägen verleiht dem Kasten zusammen mit grünem Samtausschlag eine edle Erscheinung.


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4.9 5 25

Bauanleitung

Benötigtes Material

Stk. Beschreibung Material Maße
Holzbeize (z.B. Clou)     
Holzleim (Ponal)     
Sperrholzplatten  Pappel  350 x 250 x 8 
Sperrholzplatten  Pappel  250 x 250 x 8 
Sperrholzplatten  Pappel  350 x 250 x 4 
Sperrholzplatten  Pappel  250 x 250 x 4 
Sperrholzstreifen  Pappel  950 x 50 x 4 
Griffbeschlag  Messing, patiniert   
Muschelgriff  Messing, patiniert  70 x 30 
15  Schlitzschrauben    M2 x 16 
Schaumstoffmatten    350 x 250 x 0,4 
Samtstoff    ca. 1 m2 
Holzlack, klar     
Leiste  Kiefer  1000 x 6 x 6 
10  Scheibenmagnete  Neodym  10 x 2 
Schaumstoffmatten    350 x 250 
Sprühkleber     

Benötigtes Werkzeug

  • Akku-Bohrschrauber
  • 2 Schraubzwingen (min. 350 mm Spannweite)
  • Pinsel
  • Wasserglas
  • Eisensäge
  • Schraubstock
  • Holzbohrer Größe 10
  • Rundfeile
  • Schiebelehre
  • Holzbohrer Größe 1,5
  • Bleistift
  • Holzsäge
  • Schleifpapier
  • Raspel

1 Materialbeschaffung

Die meisten Dinge sollten klar sein, hier noch einige Tipps zum Material:
Dünne Schaumstoffmatten gibt's beim Modellbauladen, die schneiden auch auf Maß zu.
Magnetscheiben in der Größe sind meines Wissens nach nur im Versandhandel erhältlich. Auf jeden Fall nicht die Selbstklebenden benutzen, da ist der Kleber schwächer als der Magnet und alles reißt ab!
Die Beschläge und Antikschrauben gibt's beim Restaurierungsbedarf zum Spottpreis.

2 Beizen der äußeren Platten

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Beizen der äußeren Platten
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Los geht's mit dem Beizen. Man kann natürlich auch erst alles zusammenleimen und dann beizen, dann hat man aber vielleicht die schöne Seite mit den Maserungen innen. Deshalb beize ich vorher und wähle die Außenseiten danach aus.
Zuerst wird natürlich das Sperrholz mit 180er Körnung abgeschliffen und entstaubt, damit sich später keine Fasern aufstellen.

3 Die Schubladenführungen zusägen und verleimen

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Die Schubladenführungen zusägen und verleimen
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Jetzt nehmen wir uns die Kiefernleisten, sägen sie auf 25 cm zu und verleimen sie in entsprechender Höhe als Schubladenführungen. Bei 4 cm Schubladenhöhe und 0,8 cm Plattendicke fangen wir von unten mit 5,05 cm an und arbeiten uns in Schritten von 4,85 cm bis zur vierten Leiste hoch. Die letzte Leiste liegt demnach bei 19,6 cm.
Die Striche von der ersten Seitenwand wie gezeigt auf die zweite übertragen.
Dann vorsichtig mit Holzleim bestreichen und unter Pressdruck trocknen lassen.
Messt die Abstände vor dem Verleimen ruhig nochmal mit der Schiebelehre nach, die Toleranz beträgt hier nur 5 mm!

4 Verleimen der 4 Grundplatten

Verleimen der 4 Grundplatten
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Jetzt wo die Seitenwände fertig sind, können sie mit der Boden- und Deckenplatte verleimt werden. Die Verleimung erfolgt so, dass die vollen 35 cm Schubladenbreite erhalten bleiben.
Die ganze Angelegenheit ist sehr wackelig, deshalb sollten die Platten innen mit Winkeln und außen nach Möglichkeit mit schweren Werkzeugkoffern oder ähnlichem abgestützt werden.

5 Bohrungen in der Rückwand für die Magnete

Bohrungen in der Rückwand für die Magnete
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Jetzt kommen die Löcher für die 10 mm-Neodym-Magnete in die Rückwand. Das ist notwendig, weil sonst die Schubladen vorn rausstehen, das sieht ja nicht aus.
Angezeichnet wird über eine Hilfslinie bei 17,5 cm von der Seite, dann könnt ihr die Rückwand an die verleimten Seitenwände halten und grob die Mitte anpeilen (4 mm für den Schubladenboden berücksichtigen!).
Die Kreuze werden zunächst mit einem 10er Holzbohrer angestochen und langsam mit leichtem Druck ausgehoben, bis das helle Holz zum Vorschein kommt. Dann mit einem 10er Steinbohrer nachbohren, bis ihr ca. 4 mm tief drinnen seid. Die Vertiefung in der Mitte nimmt später den Kleber auf, damit nicht alles ander Seite heraussuppt. Zum Abschluss noch die Ränder mit der Rundfeile begradigen.

6 Schubladen zusammenleimen

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Schubladen zusammenleimen
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Dieser Schritt ist für jede Schublade gleich.
Die Sperrholzplatten müssen mit Raspel oder grobem Schleifpapier leicht angepasst werden, bis sie leichtgängig auf den Führungen im Gehäuse gleiten. Am besten eine Platte als Muster bearbeiten, dann auf den anderen mit Bleistift anzeichnen und raspeln/schleifen, bis der Strich weg ist.
Dann werden die kleinen Seiten, die natürlich vorher zugeschitten wurden (3,5 cm Höhe), mit dem Schubladenboden verklebt. Unbedingt mit Winkel innen und außen Stützen und mit Schreinerwinkel sicherstellen, dass der Winkel 90° beträgt. Sonst klemmt nachher die Schublade im Kasten...
Die Rückleiste ist ebenfalls 3,5 cm hoch und wird quer verleimt und mit einer Schraubzwinge an die Seiten gepresst.
Die Vorderfront wird aus einer der vorgebeizten 8mm-Platten erstellt und wird ca. 4,6 cm breit. Die Front wird unten bündig mit dem Schubladenboden verleimt, der Überstand oben verdeckt die Führung der jeweils folgenden Lade.

7 Die Magnete verkleben und die Rückwand einleimen

Die Magnete verkleben und die Rückwand einleimen
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Beim Kleben der Magnete ist ein starker Kleber zu verwenden (z.B. 2K), weil Neodym wirklich eine Mords-Magnetkraft hat. Zuerst wird jeweils ein Magnet im vorgebohrten, mit einem Klecks 2K gefüllten Loch versenkt und angedrückt.
Danach wird die Rückwand mit dem Gehäuse verleimt. Wenn ihr sauber gearbeitet habt, könnt ihr auch einen Klecks Leim auf die Führungen geben, das hält dann noch besser.
Dann nehmt ihr den 10er Holzbohrer und bappt ihn an einen Magneten. Das klappt natürlich nur, wenn der Magnet richtig herum gepolt verklebt wurde. Dann die entsprechende Schublade einschieben, der Holzbohrer markiert euch die Klebestelle für den Magneten an der Schublade. Dann auch auf dieser Seite alles schön verkleben.
Wenn alles klappt sitzen die Schubladen bündig an der Rückwand, wackeln können sie dank dem Magneten nicht.

8 Die Schubladen aufteilen, Fächergestaltung

Die Fächer habe ich vollkommen individuell und entsprechend dem Schmuck meiner Frau gestaltet, Bild 1 und 2 zeigen die ersten beiden "Etagen".
Ganz oben kommt eine Schublade nur für Ringe hin, auf deren Bau ich in den nächsten Schritten etwas näher eingehen werde.

9 Bretter für die Fächer zuschneiden

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Bretter für die Fächer zuschneiden
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Für die Ringe wird die komplette Schublade, d.h. 25 x 35 cm genutzt.
Insgesamt brauchen wir hier 6 Leisten längs und 9 Leisten quer, die aus einem Sperrholzbrett geschnitten war.
Hier hatte mein kleiner Stichsägetisch Premiere, der sich erstaunlich gut geschlagen hat.
Mit dem gut fixierbaren Anschlag gelingen alle Zuschnitte problemlos.

10 Schlitze für die Steckverbindung anzeichnen und ausarbeiten

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Schlitze für die Steckverbindung anzeichnen und ausarbeiten
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Das gesamte Raster wird als Steckverbindung ausgeführt, d.h. wir brauchen VIELE Schlitze. Man könnte die Leisten auch einfach stumpf aneinander kleben, aber das war mir dann doch zu blöd.
Erstmal werden mit einem Meterstab an einer langen Leiste (35 cm) die Abstände angetragen und mit einem Schreinerwinkel als Strich über die ganze Breite gezogen. Dann legt man wie auf dem ersten Bild gezeigt alle Leisten bündig untereinander, verspannt sie und überträgt die Striche auf alle Leisten.
Dann alle Leisten zusammenspannen und die Hälfte der Breite jeweils an der Seite anzeichnen. Diese Markierung sagt uns beim Sägen später, wo wir aufhören müssen ;-)
Wenn das erledigt wurde, könnt ihr die Leisten im Bündel in eine Gehrungslade einspannen. Mit minimalem Versatz werden mithilfe dieser Lade und einer Feinsäge ca. 4 mm breite Schlitze ausgesägt (im Zweifelsfall etwas schmaler).
Orientiert euch beim Sägen am Mittelstrich, damit ihr nicht zu tief kommt.
Nachdem das erledigt wurde, nehme ich einen 16er Stechbeitel und weite ggf. die Schlitzbreite und feile die Tiefe nach, damit ein sauberer Abschluss entsteht.
Wenn jetzt jemand sagt, dass man alle Schlitze mit dem Stechbeitel hätte ausarbeiten können, hat a) zu viel Zeit und b) noch nie einen Stechbeitel in 4mm starkes Sperrholz gehauen :-D
Die Breite könnt ihr mit einem Sperrholzspan wie in Bild 6 gezeigt überprüfen.

11 Die Steckverbindung zusammenstecken und einleimen

Jetzt wird alles zusammengesteckt eingeleimt.
Mit genügend Leim auf der Bodenseite der Rasterleisten hält es auch bombenfest, da muss man sich keine Sorgen machen. Von Leim an den Seiten würde ich absehen, wenn ihr wirklich bündig gearbeitet habt wird der nur wieder rausgequetscht.

12 Die Kanten brechen und alles beizen und lackieren

Jetzt noch oben die Kanten brechen, damit sich nachher niemand verletzt, dann könnt ihr zum Pinsel greifen und Beize und Lack auftragen!

13 Anbringen der Griffe

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Anbringen der Griffe
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Jetzt wird's antik, ran mit den Beschlägen!
Vorher müssen die Messingschrauben allerdings noch mit der Eisensäge oder einem Dremel auf ca. 6mm gestutzt werden, damit sie nicht durch die Schubladenfronten schießen. Dann wird mit Schablone in jede Front mit dem 1,5er Bohrer vorgebohrt (mit Tiefenanschlag versteht sich) und die Muschelgriffe angebracht.
Der Griff oben wird von innen verschraubt, zumindest wenn man genug Platz unten hat.
Ich hatte ihn nicht, deshalb fungierten die Gewindestangen nur als Führung zum Kleben.
Die Griffplatte wurde hier mit 2K-Kleber befestigt und auf ca. 90° erhitzt, was die Stabilität nochmals erhöht.
Hatte ich erwähnt, dass 2K-Kleber eine fabelhafte Sache ist? :-)

14 Fütterungszeit

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Fütterungszeit
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So ganz ohne Einlage sieht so ein Schmuckkasten natürlich bescheiden aus, deswegen wird er jetzt mit Samt und Schaumstoff gefüttert.
Dazu braucht ihr einen knappen laufenden Meter Samt und die bereits besprochenen Schaumstoffmatten.
Zuerst die Schaumstoffmatten passend zuschneiden und probeliegen lassen.
Dann schneidet den Samt passend (ca. 0,5 cm Draufgabe für den Randabschluss) zu und behandelt ihn mit Haarspray, damit die Kanten nicht fusseln.
Dann legt man den Samt mit der Stoffseite nach oben auf eine Zeitung, sprüht ihn mit Sprühkleber ein und drückt den Schaumstoff mittig drauf.
Nach etwa 10 Minuten kann die Einlage dann ins Fach.
An dieser Stelle muss ich den UHU Sprühkleber loben, der sich wirklich idiotensicher auftragen lässt und kein bisschen durchschlägt.
Das Ganze gefühlte 100 Mal wiederholen, und der Schmuckkasten ist fertig.
Das letzte Bild zeigt eine fertig mit Schmuck bestückte Schublade.

21 Kommentare

zu „Ein Schmuckkasten für die Gattin“

Sieht super aus und gut beschrieben 5d
2013-09-20 10:52:12

Sehr schön gemacht und prima beschrieben!!!
5D
2013-09-20 11:45:59

prima Arbeit und gute Beschreibung
2013-09-20 12:20:41

aufwändige arbeit, die sich aber gelohnt hat. ist schön geworden
2013-09-20 12:42:14

Klasse gemacht und geworden .......
2013-09-20 13:08:38

Mein lieber Schollie, ach nein, mein lieber Fussel,
da hast Du ein richtiges Schmuckkästchen gebaut und die Beschreibung ist allerersts Sahne.

Natürlich bekommst Du von mir 5 Daumen für diese Arbeit und liebe Grüße übersandt.
2013-09-20 13:59:29

Sieht toll aus, wirklich gelungen. 5D
2013-09-20 15:22:10

Sieht gut aus
2013-09-20 16:01:03

Schöne Arbeit und gute Beschreibung - 5 Heringe!

Da kann Deine Frau sich aber nicht beklagen, oder?
2013-09-20 16:12:21

Sehr gut beschrieben und sieht toll aus.
2013-09-20 16:25:33

Super gei** Arbeit. Ist dir wirklich super gelungen. Da wird sich dein Schatz aber gefreut haben oder? 5 Daumen
2013-09-20 18:23:10

Ganz toll angefertigt und beschrieben - 5 Ringe
2013-09-20 18:24:27

Schönes Stück! Super beschrieben, dass kann nur 5 Diamantringe geben.
2013-09-21 06:48:03

Sehr gut gemacht. 5 D
2013-09-21 09:22:12

Danke für eure Kommentare und Bewertungen!
Schatz hat sich sehr drüber gefreut, mal schauen wie lange es dauert, bis die zwei Reserverschubladen gefüllt sind.
Oben passen 70 Ringe rein, das sollte eine Weile reichen ^^
2013-09-21 16:02:38

waaas nur 70 Ringe und was nimmt Deine Frau an den restlichen Tagen??? war nur Spaß - hast einen wunderschönen Schmuckkasten gebaut
2013-09-23 07:59:32

Toll gebaut
Ist schön geworden
2013-09-23 12:05:36

Naja, wenn man bedenkt das der Ring zum Kleid, zu den Schuhen und zur Frisur passen muss, kommt da schon was zusammen ;D
Vielen Dank an dieser Stelle auch noch für die Meisterstimmen in Zusammenhang mit diesem Projekt!
2013-09-23 12:46:24

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