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Diedl-Box mit Tastatur und Zigarettenschachtel zum Größenvergleich
1/5 Diedl-Box mit Tastatur und Zigarettenschachtel zum Größenvergleich
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Elektrik/Elektronik
von Rincewind70
19.12.11 04:13
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Seit 2006 schon steht in unserem Wohnzimmer ein Multimedia-PC auf dem Linux installiert ist. Darauf sitzt „linvdr“, eine Mediacenter-Software, die aus dem PC mit TV-Karte ein echtes Multimediacenter machen. Zudem kann man auch das PC-Bild auf den 50-Zoll TV übertragen, was auch eine schöne Sache ist. Was 2006 spektakulär war, ist heute fast schon Standard. Mein Panasonic-TV hat zwar ein Media-Center eingebaut, aber mit vielen Einschränkungen und Kinderkrankheiten. Das System ist in den Jahren immer mehr gewachsen und erweitert worden. So liefen dann in einem recht ansehnlichen Bach-Gehäuse 4 Festplatten, ein nie genutzter DVD-Multibrenner und sonstiger Schnickschnack, der das System teuer (Stromverbrauch!), laut und warm machten. Es sollte eine andere Lösung her – die Diedl-Box 2.0


PC, PC-Gehäuse, PC-Gehäuse, Multimediacenter, Diedl-Box, Diedlbox
4.6 5 27

Bauanleitung

Benötigtes Material

Stk. Beschreibung Material Maße
Mini-ITX-Board mit 1,6GHz Atom     
GB RAM     
DVB-S Empfänger intern     
DVB-S Empfänger USB     
Netzteil extern     
Plexiglasplatten     
  jede Menge Plexireste     

Benötigtes Werkzeug

  • Handkreissäge
  • Oberfräse
  • Schleifer
  • Schraubenzieher

1 Planung

Das alte Gehäuse: Thermaltake Bach - edel, aber klotzig
1/1 Das alte Gehäuse: Thermaltake Bach - edel, aber klotzig

Mein heimisches Netzwerk ist komplex und für mich ein Buch mit 7 Siegeln! Zum Glück gibt es „Diedl“! Er kann handwerklich fast alles und ist darüber hinaus ein echtes Technik-Genie! Er hat mir auch den Multimedia-PC eingerichtet – die von uns nur „Diedl-Box“genannt wird. Mit ihm startete ich die Planung. Ziel: ein möglichst kleines, lüfterloses Gehäuse, das man zu Hause nachbauen kann. Es sollte Platz für eine Festplatte bieten und ein Display haben. AlsAusgangspunkt hatten wir ein für unser Vorhaben geeignetes Mini-ITX-Board mit 1,6GHz Atom-Prozessor. Darauf muss eine Full-Feature-TV-Karte passen. Da ich schon immer 2 TV-Karten laufen hatte, haben wir uns für eine zusätzliche USB-Lösung entschieden.Mit 2 Karten lässt sich ein beliebiges Programm schauen, während die 2. Karte ein Weiteres aufzeichnet. Da die Karte alle Sender einesTransponders aufzeichnen kann, ist es mit der Diedl-Box möglich,z.B. an Weihnachten auch 5 Programme parallel aufzuzeichnen und ein 6. zu schauen.Auch das Netzteil sollte extern sein. Somit waren die Mindestanforderungen an die Gehäusegröße gegeben.

2 Schablonenbau

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Schablonenbau
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Das Gehäuse sollte ein Plexiglas-Gehäuse werden, da man Plexiglas wunderbar thermisch verformen kann. Dazu wollten wir mit Hilfe einer Schablone sicher stellen, dass alle Winkel stimmen und die Platte nicht verrutschen kann. Das Gehäuse besteht aus zwei Hälften, die in der Mitte der Seiten aufeinander treffen. Jede Gehäusehälfte muss also zwei 90°-Winkel bekommen. Sinnvollerweise spannt man die Platte einmal ein und biegt dann beide Winkel, um sicher zu gehen,dass die Winkel auch wirklich parallel sind. Die Schablone besteht also aus 2x3 Teilen – Boden (bzw. Deckel) und 2 schmaleren Seiten.
Das Hauptelement wird mit je 2 starken Winkeln mit den Seitenteilen verbunden. Die Platten müssen länger als die geplante Gehäusetiefe sein, weil im Überstand jeweils eine zusätzliche Platte mitSchlossschrauben und Mutter befestigt wird, die die Plexiglasplatte unverrückbar festhält. Die Löcher für die Schrauben werden mit eingespannten Plexiplatten durch MdF und Plexi gebohrt.Vier Stoppklötzchen und eine 45°-Fase an den Längskanten sorgen für einen satten 90°-Sitz in eingeklapptem Zustand.

3 Gehäusebiegen

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Bohren durch Platte und Schablone
1/5 Bohren durch Platte und Schablone
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Vor dem Biegen muss in beide Plexiplatten eine Nut für die Rückwand mit der Mini-Handkreissäge gesägt werden.Die Plexiglasplatte wird genau auf die Grundplatte der Schablone gelegt und mit den Zusatzplatten verschraubt. Nach 1,5 Minuten mit dem Heißluftfön wurde die Platte schon spürbar weich und nach knapp 2 Minuten wagten wir das Biegen – zügig in einem Rutsch in die Endposition. Die zweite Gehäusehälfte wird genauso erstellt.

4 Kantenbearbeitung

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Auf der PTS10 haben wir die Bohrlöcher entfernt...
1/5 Auf der PTS10 haben wir die Bohrlöcher entfernt...
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Jetzt wird das Gehäuse auf der Tischkreissäge aufs Endmaß zugeschnitten und damit auch die Bohrlöcher für die Schablone mit weg geschnitten. Die Kanten haben wir erst grob mit der Powerfeile geglättet und dann mit Feile bzw. Schleifklotz nachgearbeitet.

5 Gehäusebau

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Vorbohren zum Gewindeschneiden
1/3 Vorbohren zum Gewindeschneiden
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Inzwei dicke Plexiglasplattenreste wird je ein Gewinde geschnitten unddiese dann an den Rand des Gehäusedeckels geklebt. Die Gewindestäbesollten knapp kürzer als die Gehäusehöhe sein. In den Gehäusebodenwerden genau gegenüber Löcher gebohrt in die Möbelverbinderhülsenpassen. So lässt sich das Gehäuse fest miteinander verbinden –aber es zeigte sich, dass die Kanten nicht exakt aufeinander liegenwollten.

6 Zapfen

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Im Bohrständer gebohrt
1/5 Im Bohrständer gebohrt
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Also mussten an vier Plexistücke Zapfen gedreht werden und in die vier Gegenstücke die entsprechenden Löcher. Mit diesen Führungshilfen sitzen die Gehäusekanten nun absolut genau aufeinander.

7 Frontkante 0mm und Mainboardhalter

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Fräsen der Fase an der Front
1/2 Fräsen der Fase an der Front
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Anschließend haben wir an der Frontkante auf der in einen (grottenschlechten) Tisch eingespannten Oberfräse eine Fase gefräst. Die Blickkante läuft so auf 0mm aus!Mit einer aufgelegten und eingefrästen Plexiglasplatte kann das Gehäuse sicher ohne Lücke auf dem Frästisch geführt werden.Zur Montage des Mainboards im Gehäuse haben wir in kleine Plexiglasklötze Gewinde geschnitten. Am einfachsten ist es, die Klötze am Board festzuschrauben, auszurichten und dann mit Plexikleber (noch dünner als dünnflüssig...) am Gehäuseboden festzukleben. So sitzen die Klötze perfekt.

8 Frontplatte und Rückwand

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Frontplatte und Rückwand
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Da hinter die Frontplatte ein Display kommt musste es eine klare Platte sein. Nach dem exakten, spielfreien Einpassen der Platte haben wir die exakte Position des Displays abgeklebt und den Rest der Platte rückseitig schwarz lackiert.Die Platte sitzt so satt im Gehäuse, dass sie gar nicht befestigt ist. Lediglich ein Reststück Plexi oben und unten als Stopper kleben im Gehäuse.Die Display Befestigung haben wir zunächst aus 6mm Plexiglas c-förmig ausgeschnitten und genau eingepasst. Dann haben wir die 4 Kernbohrungen von der Platine als Schablone in dieBefestigung selber abgenommen, gebohrt und anschließend M3-Gewinde geschnitten. Jetzt wurde das Display mit den zwei Teilen verschraubt (M3x6), so das eine Einheit entstand. Der Trick dabei ist, dass die Scheibe des Displays in der Höhe jetzt ca. 2mm über dem Niveau der Befestigung liegt. Denn jetzt brauchte man nur noch einen dicken Tropfen Bausilikon links und rechts neben das lackierte Fenster der vorbereiteten Frontscheibe zu setzen und die montierte Einheit aufzusetzen. Beim Andrücken verteilte sich das Silikon schön gleichmäßig in dem 2mm Spalt und die Präzision ergab sich automatisch, da dieScheibe des Displays jetzt bündig auf der Frontscheibe sitzt. Jetzt schaute man von vorne auf die Frontscheibe und konnte das Display genau in aller Ruhe ausrichten.Einmal getrocknet kann jetzt jederzeit die Verschraubung gelöst werden und bei Wiedermontage sitzt das gute Stück an exakt der gleichen Position. Die Rückwand besteht aus einem Lochblech in das die passenden Öffnungen für die Anschlüsse gedremelt werden. Die Rückwand sitzt in der anfangs gesägten Nut bombenfest.

9 Festplatte

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Festplatte
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In den Gehäusedeckel haben wir eine 2TB Festplatte montiert. Da eben nicht viel Platz im Gehäuse ist, ist die Aufhängung asymmetrisch. Auf einer Seite ein durchgehender Winkel, auf der anderen Seite zwei Winkel wegen der Gehäuseverbindung. Die Winkel bestehen aus thermisch gebogenem Plexiglas.Eine handelsübliche Festplatte wird mit vier Schrauben in einem Rahmen befestigt. Neben den Lüftern ist das die häufigste Ursache für störende Geräusche. Denn die schnell drehende Festplatte gibt ihre Vibrationen ans Gehäuse weiter und es scheppert. Um das zu verhindern, haben wir die Festplatte hängend montiert. Dazu muss zu jeder Festplattenschraube ein passendes Lochpaar in die Plexiwinkel gebohrt werden. Je zwei Kabelbinder werden verbunden und durch einen Kabelringschuh gefädelt. An diesem Kabelschuh wird die Festplatte festgeschraubt. Die Kabelbinder werden durch den Plexiwinkel gefädelt und festgezogen, wenn alle vier sitzen.Die Festplatte sitzt nun gut akustisch entkoppelt und gesichert im Gehäuse.Für ein durchsichtiges Gehäuse ist diese Lösung natürlich nix – da kann man dann in einen dicken (verklebten) Plexiblock ein Gewinde schneiden und mit Stahlseil arbeiten.

10 Schlussspurt

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Dank Display kann der VDR auch ohne TV programmiert werden
1/3 Dank Display kann der VDR auch ohne TV programmiert werden
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Als Füße haben wir Holzräder mit Rille genommen, in die ein Gummi eingelegt wird. Gold lackiert und mit schwarzem Gummi geben sie das richtige Wohnzimmer-Flair.

Der Fernseher ist mit dem TV- und auch mit dem Monitor-Ausgang verbunden.So kann man durch Wechsel der Signalquelle per Tastendruck auch am Computer arbeiten oder im Internet surfen. Hierfür haben wir uns für die Rii-Tastatur entschieden – eine kleine, beleuchtete Tastatur mit guten Tasten und Touchpad. Als Fernbedienung dienen momentan die Iphones und Ipods. Die App „vdrRemote live“ ist dabei nicht nur eine Fernbedienung, sondern man kann auch das Fernsehbild auf iPad, iPod oder iPhone übertragen (dank der zweiten TV-Karte auch einanderes als aktuell auf dem TV läuft). Das funktioniert natürlich noch besser auf dem Tablet-PC. Überall im Haus und Garten kann man mit den Geräten fernsehen.
Ich möchte mir aber noch eine Logitech Harmony One zulegen – die allerdings keine Farbtasten hat. Die können aber per eigener Programmierung aufs Touchdisplay gelegt werden. Es wäre endlich der Traum erfüllt, nur noch eine Fernbedienung auf dem Tisch liegen zu haben. Aber noch scheue ich den Programmieraufwand, der sich auf mehrere Abende erstrecken wird...

Die Diedl-Box ist ein sehr großes Projekt, so dass ich mich jetzt schon dafür entschuldige, wichtige Details und Infos vergessen zu haben. Wenn ihr etwas wissen wollt, fragt einfach!

24 Kommentare

zu „Diedl-Box Multimedia-PC“

Coole Sache - habt ihr prima hinbekommen - was habt ihr da für ein Display verbaut ?

5 TB als Speicher für dich ;)

2011-12-19 06:34:33

Suuuper Coole Sache, gut erklärt.....von mir auch 5D
2011-12-19 07:51:58

Lob, Neid und Anerkennung
Sehr hübsch geworden.
2011-12-19 08:17:03

Hallo, das ist ja eine geniale Lösung und macht sicher irre Spaß.

Ich arbeite seit 2000 mit Linuxboxen und muss mich im Frühjahr neu orientieren.

Daher wüsste ich gerne mehr über die Linuxkarte - bzw. Linuxbox.

Ansonsten toll gemacht, gut erklärt, aber wie schon erwähnt ein wenig schwierig nach zu bauen, weil man nicht in der Materie steckt.

Dennoch ein großen Lob für die Mühe das Projekt hier zu präsentieren .

Grüße und 5 Daumen vom Daniel
2011-12-19 09:03:20

Davon verstehe ich leider nix, aber ich werds meinen Männern zeigen, die beide technikverrückt sind.
2011-12-19 09:24:11

Tolles Projekt. Werd ich mir merken.

Kannst du vielleicht noch ein anderes Bild von der fertigen Box einstellen? Das Haupt-Projekt-Bild ist leider sehr dunkel geworden.
2011-12-19 10:55:38

Prima prima -gibt alle fünfe von mir!
2011-12-19 10:56:17

habe absolut keine ahnung davon, sieht aber gut aus
2011-12-19 11:06:33

Absolut meinen Geschmack getroffen damit. Gute Erklärung und Fotos. Von mir auch 5 Festplatten dafür.
2011-12-19 11:39:21

Auch von mir 5 Bits dafür ;)
2011-12-19 16:53:50

Tolles Projekt. Mit sehr viel Details umgesetzt und ein wohnzimmertauglichrs Endergebnis. Kann ich mir gut zwischen den restlichen TV-Komponenten vorstellen. Top!!!
2011-12-19 17:12:22

Eine sehr gute Idee. Für diese als sehr aufwändige Arbeit, die Idee dazu, und der guten Beschreibung die volle Punktzahl von mir
2011-12-19 18:23:08

ich kenne diese box und sie sieht echt wahnsinn aus!
2011-12-19 20:25:53

schicke lösung für dienen rechner!
2011-12-19 22:44:12

Tolles Projekt
2011-12-20 01:14:44

Schad würd gerne mehr über das Display erfahren :/
2011-12-20 07:09:20

gudd gemacht ...

für die Festplatten gibt's aber Aufhänger
http://www.kabelmeister.de/product_info.php? products_id=123157
2011-12-20 21:42:09

alle Achtung
super gemacht
2012-03-04 16:11:41

Sieht echt stark aus. vor allem mit dem Display.
5 Festplatten
2013-04-05 14:32:41

Klasse gelöst 5d
2013-12-23 19:41:54

Echt cool wie du das Plexiglas bearbeitet hast. 5D*
Hoffe ich denke an dein Projekt falls ich ncohmal mit plexiglas arbeite.
2014-07-13 03:43:09

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