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Bau eines Wohnzimmerkinos HiFi,Heimkino,Wohnzimmerkino,Einbaulautsprecher,Surroundanlage
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Elektrik/Elektronik
von Stefan31470
04.01.12 00:05
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Als ein größeres Projekt möchte ich hier einmal den Aufbau eines 7.1/7.2 Wohnzimmerkinos vorstellen, das sich in ähnlicher Form in jeder Wohnung realisieren lassen sollte. Wohlgemerkt, auch in Mietwohnungen, da die Lautsprecher in der abgehängten Decke und/oder in einer sog. „Fake Wall“ (falschen Wand) untergebracht sind. Leider schon einige Zeit her, deshalb gibt es für die Einbaulautsprecher bereits Nachfolger vom selben Hersteller.

Der Bau der Wand hat mit allen Trocknungszeiten 7 Tage gedauert, Material und spezielles Werkzeug schlugen mit 600 Euro zu Buche. Elektronik und Möbel rechne ich nicht, da individuell.

Aus meiner heutigen Sicht sollte man der Einbauvariante von Lautsprechern aus klanglichen und aus Platzgründen immer den Vorzug vor Regal- und Standlautsprechern geben. Es sei denn, es steht ein eigener, ausreichend dimensionierter Raum nur als Heimkino und/oder Musikzimmer zur Verfügung oder man verfügt über einen wirklich großen Wohnraum (mein Wohnzimmer von knapp 60 m² Fläche gilt in dieser Betrachtung als klein !). Richtig gelesen: Hochwertige Einbaulautsprecher klingen ganz hervorragend bei optimiertem Schalldruck !

Wegen des erheblichen finanziellen Aufwandes rate ich zu sorgfältiger Vorbereitung und Planung. Es sollte wirklich jeder Aspekt bedacht werden, um spätere unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Einer der ganz wenigen Nachteile einer Einbaulösung ist, dass man nur mit erheblichem Aufwand etwas ändern kann – das gilt auch für eine Erweiterung oder „größere“ Lautsprecher. Ich habe auch eine recht aufwändige Bauanleitung erstellt (PDF 1,2 MB), die ich gerne zur Verfügung stelle. Einzige Bedingung: Eine PN mit einer gültigen Email Adresse, zu der ich die Anleitung mailen kann.


HiFi, Heimkino, Wohnzimmerkino, Einbaulautsprecher, Surroundanlage
4.9 5 28

Bauanleitung

Benötigtes Material

Stk. Beschreibung Material Maße
div.  Leisten  Holz   
div.  Gipskartonplatten     
div.  Dämmstoff oder Glasfasermatte     
div.  Baukleber (Kartuschen)     
div.  Lautsprecherkabel 2,5 - 4 mm²     
div.  Steckdosen, Antennendosen     
div.  Netzwerkdosen, HDMI-Kabel     
div.  Spachtelmasse + Fugenband     

Benötigtes Werkzeug

  • Stichsäge
  • Akku-Schrauber
  • Cartuschenpresse
  • Cuttermesser
  • Schere
  • Diverse Handsägen
  • Bohrer
  • Werkzeug für Elektroinstallation, Spachtelmasse, diverse Spachtel, Schleifplatte und Werkzeug für den Innenanstrich

1 Beschreibung

VORBEMERKUNG:

Ich habe eine Surroundanlage in eine "Fake Wall" (falsche Wand) und die Decke meines Wohnzimmers eingebaut. Sämtliche Kabel sind verborgen. Der Beitrag beschreibt die Arbeitsschritte und gibt Empfehlungen für die Auswahl geeigneter Lautsprecher und der Elektronik.

Ichlebe in Südfrankreich. Hier sind die Ziegelwände innen mit dickenStyroporplatten kaschiert, die ihrerseits wieder mit Rigipsplatten verkleidetsind. Man kann leicht einen tiefen Ausschnitt bis aufs festeMauerwerk vornehmen. Es reichte aus, vor diese Rigipswand einen nur 35 mmstarken Vorbau zu setzen, der seinerseits wiederum mit Rigips (13 mm) belegtwurde. In Deutschland würde man einen ca. 110 mm starken Vorbau vor die massiveWand wählen, der wiederum mit Rigipsoder MDF Platte belegt würde. Wer sich die Option auf runde Front/hochLautsprecher (diese bauen besonders tief) erhalten will, muss einen etwasstärkeren Vorbau wählen. Ausschlaggebend sind die Datenblätter derLautsprecher. Die Bauweise ist also mit wenigen Abweichungen auf Deutschlandübertragbar.

2 Einleitung

Einleitung
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Über Einbaulautsprecherfindet man wenig an Information: In den USA überaus populär, bei uns trotz desbeeindruckenden optischen Auftritts immer noch wenig bekannt und eingesetzt. Hauptgrundfür die geringe Beachtung ist vermutlich die in Europa vorherrschendeMassivbauweise. Insbesondere in Mietwohnungen wird es selten möglich sein, dieLautsprecher in die massive Wand einzusetzen, vom Verlegen derKabel einmal ganz abgesehen. Einzige, zumeist aber durchaus ansehnliche Lösungist ein Wandvorbau aus Holz oder Rigips, der sich in den meisten Fällenunproblematisch realisieren lässt. So auch bei mir. Deckenlautsprecherwerden sich allerdings nur in fest abgehängten Decken realisieren lassen.Ist dies nicht möglich, muss man auch für die seitlichen und bei Bedarfhinteren Inwalls eine Wandlösung schaffen. Wer mit den Kabeln nicht durch dieDecke gehen kann, wird bei einer Vielzahl von Fußleisten fündig, in denen mandie Kabel problemlos verstecken kann. Wer die Möglichkeit des Einbaues in eineWand hat, sollte sie auch nutzen: Er wird es klanglich und unterPlatzgesichtspunkten nicht bereuen.

3 Hinweise zu den Lautsprechern

Hinweise zu den Lautsprechern
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(1) Bei der Auswahl der Lautsprecher sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass sie alle vom selben Hersteller stammen, tunlichst sogar aus derselben Baureihe des Herstellers.(2) Bei begrenztem Budget ist ein 5.1 System (= 3 Front- + 2 Surroundlautsprecher, 1 Subwoofer) einem 7.1 System (= 3 Front- + 4 Surroundlautsprecher, 1 Subwoofer) oder 7.2 System (= dto. mit 2 Subwoofern) immer vorzuziehen.

4 Start: Verlegung der Kabel

Start: Verlegung der Kabel
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Nun zum Einbau: Die Ausgangssituation war ein 2.0 System aus Alusäulen. Surroundklang war so natürlich nicht zu erreichen, die Optik eher mäßig.Wie auch immer man sich entscheidet, für Decken- oder Wandeinbaulautsprecher, zuerst werden die Kabel für die Effektlautsprecher verlegt. Sie enden an der späteren Montagewand dort, wo sich auch der AV Receiver befinden wird. Diese Kabel sollten alle exakt die gleiche Länge aufweisen. Ich persönlich halte preiswerte, versilberte Kupferkabel von 2,5 bis 4 mm² Durchmesser für angemessen und ausreichend. In meinem Falle also habe ich die benötigten Kabel über den (nicht benutzbaren) Dachboden verlegt.

5 Errichtung des Lattengerüstes

Errichtung des Lattengerüstes
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Auf die Wand wurde ein Leistensystem ausreichender Stärke geschraubt und (mit spaltfüllendem Baukleber) geklebt. Diese Bauweise hat sich bewährt, ebenso wie der Umstand, sämtliche (Kabel-)Durchführungen und eventuelle Lücken sorgfältig mit Mastix zu verschließen. Zusätzlich habe ich große Lücken in der Unterkonstruktion mit Bauschaum verschlossen (zu erkennen auf dem Foto) und nach Aushärtung zurechtgeschnitten. Jeder Lautsprecher erhält so seine eigene, luftdicht abgeschlossene Kammer. Bei Wandeinbaulautsprechern ist das konstruktionsbedingt zwar nicht zwingend erforderlich, es gilt jedoch, Strömungsgeräuschen vorzubeugen und zu verhindern, dass z.B. dünne Rohre oder Kabel direkt mit Schall beaufschlagt werden und zu „schnarren“ beginnen. Außerdem gibt zumindest B&W ein Mindestvolumen (20 Liter) pro Lautsprecher an – und das wollte ich respektieren in der Annahme, dass die Nennung eines Ein-bauvolumens schon seinen Grund haben werde. Ich fühle mich durch den überzeugenden Klang des Ge-samtsystems bestätigt, selbst wenn der Mehraufwand vielleicht nicht unbedingt hätte sein müssen. Auf dem Foto erkennt man weiter die Vorbereitung (eine eventuelle spätere Ausbaustufe) für die Front/oben Lautsprecher (Dolby IIz) sowie das Anschlussfeld mit dem Ausgang für die zahlreichen Kabel rechts unten neben den Steckdosen. Möglichst zahlreiche Verstrebungen sorgen dafür, dass die (Schall-)Wand auch bei 13 mm Beplankung (Rigips) nicht schwingt. Die umgekehrte Befürchtung, dass die Wand ihrerseits durch Reflektionen zum Schwingen angeregt wird, hat sich als unbegründet erwiesen. Im Gegenteil, sie wirkt eher dämpfend, was bei dem gefliesten Boden sehr vorteilhaft ist. Ich habe hier gelernt: Mit Rigips verkleidetes Ständerwerk ist ganz hervorragend für Musikzimmer geeignet.Es empfiehlt sich, sich intensiv Gedanken um sämtliche benötigten Kabel und Anschlüsse zu machen und auch an die Zukunft zu denken. Wie schon erläutert habe ich z.B. bereits die Kabel für mögliche Front/hoch Lautsprecher gelegt. Weiter legt man lieber ein Antennen-, Netzwerk- oder HDMI Kabel zu viel als zu wenig. Wenn man schon dabei ist, sollte man eine auf jeden Fall ausreichende Anzahl von Steckdosen einplanen. Es empfiehlt sich, dass auch die frontseitigen Lautsprecher jeweils mit Kabeln gleicher Länge versehen werden, und dass keine Kabel oder Leitungen durch die Lautsprecherkammern hindurch verlegt werden. Alle Kabel werden mit Heißkleber großzügig fixiert, also über ihre gesamte Länge mit der Wand verklebt (geht mit einer starken Heißklebepistole schnell und einfach), damit nichts schwingen oder klappern kann. HINWEISE: (1) Die Konstruktion ist für deutsche Verhältnisse mit massiven Wänden anzupassen (s.o.)(2) Es gibt auch Einbaulautsprecher, die hinten bereits vollständig gekapselt sind. Dann kann man sich den gesamten Aufwand mit Luftdichtem Verschließen und Dämmung natürlich schenken.

6 Ausrichtung der Lautsprecher

Ausrichtung der Lautsprecher
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Die Lautsprecher finden ihren Platz rechts und links nahe am Bildschirm, der Centerspeaker möglichst dicht darüber oder darunter (das Möbel führt bei mir zu keiner Beeinträchtigung des Höreindruckes). Die Hochtöner der seitlichen Lautsprecher befinden sich dabei auf Ohrhöhe. Die Hersteller machen hierzu detaillierte Angaben. Für die Platzierung der Lautsprecher und die Montage des TV-Wandhalters hat sich ein Kreuzlaser sehr bewährt: So wird sichergestellt, dass sich die Lautsprecher millimetergenau auf gleicher Höhe befinden, und der Wandhalter exakt in der Mitte. Wer seinen Bildschirm an einer Halterung (bei mir sogar Schwenkarm) befestigt haben will, muss dieser eine solide Befestigungsmöglichkeit bieten. Die kann man bei Holz/ MDF durch eine ausreichende Materialstärke oder Hinterfütterung erreichen, eingeschränkt geht das auch bei Rigips mit Spezialankern. Hier besteht jedoch immer das Risiko, dass der Bildschirm trotz anfangs korrekter Ausrichtung aus der Waage gerät: Eine noch so kleine Verschiebung innerhalb der engeren Libellengenauigkeit einer Wasserwaage reicht da schon, um die Aufhängung „schief“ aussehen zu lassen. Ich habe deshalb einen Zementkern bis in die Ziegelmauer gesetzt, der bündig, glatt und nach dem Spachteln unsichtbar mit der Oberfläche der Gipsplatten abschloss. Die 8 mm Haltebolzen konnte ich nach dem Aushärten des Zementkerns in 12 mm weite Bohrungen einsetzen, in denen sie mit Chemiekleber fixiert wurden, der binnen 15 Minuten vollständig aushärtet. Alles sitzt jetzt bombenfest.

7 Kabelführung und Dämmung

Kabelführung und Dämmung
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Auf diesem Foto erkennt man rechts unten im Anschlussfeld den Austritt der Lautsprecherkabel und darüber den wenig sorgfältigen Lautsprecherausschnitt für den Center. Mehr ist zu diesem Zeitpunkt auch nicht erforderlich. Die Kammern der Lautsprecher werden erst zum Schluss mit akustisch dämmendem Material verfüllt (ich habe die Dämmung nach diesem Foto wieder herausgenommen). Alle anderen Hohlräume erhalten ihre Dämmung bereits jetzt. Das kann Glaswolle sein (vorausgesetzt, sie wird so eingebaut, dass sie im späteren Betrieb und über die Zeit nicht „absacken“ kann). Ich habe mich allerdings für zwei Lagen eines biologischen und nicht irritierenden Akustik Dämmmaterials entschieden, das hautfreundlich ist und sich bequem einbauen lässt. Es weist dieselbe oder bessere Dämpfung als Glaswolle gleicher Stärke auf und ist kaum teurer.Der Vorbau wird mit den Frontplatten verschlossen, und zwar wiederum geschraubt und geklebt. Dabei empfiehlt es sich, die Position der Frontlautsprecher und des Centers bereits vor der Montage der Platte einzubringen. Da die endgültigen Ausschnitte sehr exakt vorgenommen werden, es bei der Montage aber nahezu unvermeidlich ist, dass die Wandplatten – wenn auch nur minimal – aus der Vertikalen geraten, empfiehlt es sich die Ausschnitte in diesem Stadium kleiner als später benötigt ausfallen zu lassen. Und zwar nicht nur minimal kleiner, sondern ordentlich, damit man später noch etwas zum „Anfassen“ hat. Diese vorläufigen Ausschnitte müssen noch nicht einmal gerade ausfallen.Wer die Möglichkeit hat, die Lautsprecher in eine massive (z.B. Ziegel-)Wand einzubauen, wird nur die Lautsprechervolumen aussparen und die erforderlichen Kabelkanäle legen (auf möglichst großen Durchmesser achten, um Platz für spätere Kabelergänzungen zu haben). Dann sollte die Wand wie oben beschrieben ebenfalls mit Gipsplatten beplankt werden. Da hier ein Verschrauben nicht möglich ist, ist besonderer Wert auf eine sichere und luftdichte Verklebung zu legen.

8 Exakte Ausschnitte für die Lautsprecher

Exakte Ausschnitte für die Lautsprecher
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Die exakten Ausschnitte nimmt man erst vor, wenn alle Platten endgültig fixiert und ausgehärtet sind. Hier ist Rigips von Vorteil: Man zeichnet die exakte Lautsprecherposition ein, sägt mit der Stichsäge von Ecke zu Ecke (siehe rote Linien in der Skizze), ritzt die Schnittkanten (schwarz) mehrfach ganz präzise mit einem Cuttermesser nebst Stahllineal an und bricht die Stücke mit beherztem Ruck nach innen heraus. Bei MDF Platten oder ähnlichem Material wird man sich der elektrischen Stichsäge bedienen müssen. Bitte darauf achten, dass die Ausschnitte exakt und ohne jede Toleranz eingebracht werden – und selbstverständlich darauf, die bereits verlegten Lautsprecherkabel nicht zu beschädigen. Erst dann wird auch das Lautsprechergehäuse gedämmt.

9 Test

Test
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Hier erkennt man zunächst die innen gedämmten Lautsprechergehäuse. Unmittelbar hinter den Treibern wird die schallharte Wand ungedämmt gelassen. Um vor späteren Überraschungen gefeit zu sein, setzt man vorsorglich die Einbaurahmen lose ein und prüft nach, dass sie sich ohne Widerstand (betrifft auch die Halteklammern) exakt in Waage montieren lassen. Jetzt sind Korrekturen noch problemlos möglich ! Vorsorglich werden sämtliche Kabel und Leitungen jetzt noch einmal auf Durchgang geprüft. Anschließend wird die Oberfläche des Vorbaues dem Umfeld angepasst. Die fertige Wand fällt in keiner Weise mehr störend auf. Unglücklicherweise sind die lackierfähigen Einbaurahmen der Lautsprecher von leicht unter-schiedlicher Farbe, was den Architekten oder Profi weiter nicht stören mag – sie lassen sie einfach spritzen. Schade, bei identischem Farbton hätten sie bei mir später nicht lackiert zu werden brauchen.

10 Einbau der Fronts

Einbau der Fronts
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Zum Abschluss kann installiert und aufgebaut werden. HINWEIS: Es ist ohne weiteres möglich, auch den oder die Subwoofer (gibt es von verschiedenen Herstellern) in die Wand einzubauen. Es kommt dann zu den Geräten ein weiterer Verstärker hinzu. Bei den Sub-woofern wird nicht gefordert, dass sie vom selben Hersteller wie die Frontlautsprecher stammen. Ich habe mich dennoch für einen frei aufzustellenden Subwoofer entschieden: Sind erst einmal die Lautsprecher eingesetzt, lässt sich nur noch mit großem Aufwand etwas ändern. Ich hielt die Positionierung des Subs aber für aufstellungskritisch und wollte das Risiko eines unbefriedigenden Klangbildes nicht eingehen. Zu Recht, denn die Verschiebung des Lautsprechers bereits um wenige Zentimeter führt zu einem sehr unterschiedlichen Klangbild.

11 Deckeneinbau

Deckeneinbau
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Nun werden entweder die Ausschnitte in die abgehängte Decke eingebracht oder ein entsprechender Wandvorbau für die Surround- und ggf. Rearlautsprecher erstellt. Die vorbereiteten Kabel liegen ja schon. Da ein Vorbau genau wie die frontseitige Wand aufgebaut würde, beschreibe ich hier kurz das Vorgehen bei Deckenlautsprechern. Es eignen sich fest abgehängte, „harte“ Decken, nicht solche mit nur lose eingelegten, weichen Platten. Bei geeigneten Decken besteht das eigentliche Problem darin, nicht mit der Unterkonstruktion zu kollidieren. Man platziert zunächst die Lautsprecher „theoretisch“ entsprechend der akustischen Anforderungen, aber auch dort, wo sich vermutlich keine Streben oder Schienen befinden. Zur Sicherheit prüft man mit einem guten Detektor für Metall und Holz sowie Elektro nach. Obwohl alles in Ordnung schien, habe ich zuerst nur ein 20 mm Loch in die Decke gebohrt und mit einem USB-Endoskop, das ich für wenige Euro bei Conrad Elektronik erstanden hatte, nachgeschaut. Bei dieser Gelegenheit sah ich dann tatsächlich noch einige Leerrohre direkt auf der Zwischendecke liegen, die ich beim Ausschneiden nicht verletzen wollte und so auch nicht beschädigt habe. Nachdem ich die Ausschnitte sorgfältig mit einer (Hand-) Stichsäge herausgetrennt hatte, habe ich die Lautsprecherkabel herausgeführt und die Leerrohre mit sanfter Gewalt in ungefährliche Regionen „umgebettet“.

12 Deckenlautsprecher

Deckenlautsprecher
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Die auch dort erforderliche Dämmung besteht aus mindestens 80 x 80 cm großen, 10 cm starken Dämmmatten, die eng zusammengerollt, durch die Öffnung geschoben und mittig über dem Ausschnitt ausgerollt wurden. Glaswolle geht auch hier und hat den Vorteil, dicht gepresst werden zu können. Dafür reizt sie Haut und Schleimhäute. Man will auch tunlichst vermeiden, dass feinste Schnitzel aus Glaswolle durch den rückwärtigen Luftstrom der Lautsprecher umher geblasen werden. Ich habe deshalb wieder die Bio-Matten gewählt. Die Dämmung darf nun aber nicht direkt auf den Lautsprechern zu liegen kommen. Unter die Mat-ten und über die Lautsprecheröffnungen habe ich deshalb 60 x 60 cm große Tücher aus Lautsprecher-Bespannstoff für PA Boxen (erhältlich in Shops für Lautsprecherselbstbau) geschoben. Die genannten Arbeiten wurden alle mit größter Sorgfalt ausgeführt. So wurde eine Beschädigung der Decke und damit ein Neustreichen vermieden. Dann konnten die Lautsprecher bereits eingesetzt werden. Der Kabelanschluss gelingt mit den soliden und groß dimensionierten Klemmen an den Lautsprechern sehr einfach, in keinem Falle dürfen die Kabelenden verlötet werden. Unbedingt darauf achten, dass kein einzelnes Drähtchen des Kabelstranges absteht: Das könnte zum Kurzschluss führen. Hier vergewissert man sich auch zuerst, sollte ein Lautsprecher nach dem Anschließen wider Erwarten keinen Muckser von sich geben. Der Einbau ist allemal eine Arbeit für die ruhige Hand und muss mit Überlegung und Sorgfalt vorgenommen werden. Ich weise hier schon darauf hin, dass es alles andere als einfach oder angenehm ist, so über Kopf zu arbeiten – besser einen Helfer bereit haben.Die Deckenlautsprecher sind nach dem Einbau fast unsichtbar. Damit ist die Montage beendet, die Elektronik kann angeschlossen und eingerichtet werden.

13 Klang und Lautsprecherauswahl

Klang und Lautsprecherauswahl
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Die ganze Geschichte war einschließlich Trocknungszeiten innerhalb einer guten Woche beendet und sieht, denke ich, recht ordentlich aus. Stellt sich nur die Frage: Wie klingt das denn ? Meine persönliche Antwort: Gut, ergreifend gut, und zwar sowohl, was Kinosound als auch reine Musik-CDs betrifft. Gute Einbaulautsprecher können mit guten Standlautsprechern problemlos mithalten und auch im Profi- (Studio-) Bereich wird eingebaut: Einbaulautsprecher haben gegenüber Regal- und Standlautsprechern einige prinzipielle Vorteile: So fällt wegen der „unendlich großen“ Schallwand die Kantenbrechung und damit der sog. Bafflestep weg, die Ortung und Tiefenstaffelung wird verbessert und die Frequenzweichen können einfacher ausfallen. Weil zudem kein Schall nach hinten abgestrahlt wird und nicht „verlorengeht“, ist der Schalldruck vor allem im Bassbereich auch höher als bei vergleichbaren Standlautsprechern. Insgesamt sind viele Einbaulautsprecher vollwertige Lautsprecher, die bis tief in den Bassbereich hinein abstrahlen, setzen sich also positiv von den gesamten Satellitensystemen einschließlich der Bose Systeme ab, bei denen auch der (ortbare) Grundtonbereich an den Subwoofer abgegeben wird. Bei dem hier vorgestellten System arbeitet der Subwoofer im Bereich von 80 Hz abwärts und ist deshalb vom menschlichen Gehör nicht zu orten. Eine ganz andere Frage ist, ob man ein oder zwei Subwoofer einsetzen sollte. Mir reicht ein einziger (mit integriertem 500 W Verstärker) vollkommen, ich höre aber auch keine Pegel von 120 dB. Mir reicht es, wenn das Geschirr in den Schränken scheppert und ab und an Bücher aus dem Regal fallen. Einbaulautsprecher gibt es in den verschiedensten Preiskategorien. Wer einen wirklich ordentlichen Klang anstrebt, sollte nicht zu sehr geizen, sondern in etwa das ausgeben, was er in hochwertige Standboxen nebst Rearlautsprechern investieren würde. Man muss immer daran denken, dass es normalerweise nicht ganz einfach ist, auf hochwertigere Lautsprecher „upzugraden“ und deshalb vielleicht etwas höher greifen, als man es beim Lautsprecherkauf normalerweise tun würde. Im-merhin ist es eher unwahrscheinlich, dass man vorschnell erneut Geld für Lautsprecher ausgibt. Bei hoch-preisigen Lautsprechen kann man allerdings durchaus 30% unter diesem Limit bleiben, denn Einbaulaut-sprecher sind in dieser Region normalerweise günstiger als klanglich gleichwertige Stand- oder Regalbo-xen: Der Hersteller spart ja die teuren Gehäuse. Obwohl man noch die „Fake Wall“ bauen muss, bieten Einbaulautsprecher üblicherweise das bessere Preis-/Leistungsverhältnis. Man kann allerdings Einbaulautsprecher nicht überall probehören und sollte deshalb die Hersteller kontaktieren. Alternativ hört man sich am besten ähnlich aufgebaute Lautsprecher desselben Herstellers mit ähnlichem Preis an: Alle Hersteller neigen dazu, ihre Lautsprecher ähnlich abzustimmen.

14 Wandhalterung

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Wandhalterung
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Die Wandhalterung verfügt über die Option, den Bildschirm um volle 90° anzuwinkeln. So kann man auch schon einmal Nachrichten oder eine Sendung, die man nicht verpassen will, vom Esstisch aus ansehen.Wenn ich ganz zum Schluss noch gefragt werde, welche Lautsprecher ich empfehle. Ich selbst habe Lautsprecher von Bowers & Wilkins verbaut, war aber auch von KEF (eventuell dann doch mit zwei Subs und einer Grenzfrequenz für diese von 100 Hz) und Klipsch sehr angetan. Als Verstärker reichen auch preiswerte AV Receiver vollkommen aus, sie müssen bei den aktiven Subwoofern nicht besonders leistungsstark sein.

32 Kommentare

zu „Bau eines Wohnzimmerkinos“

Eine klasse Idee und wie es angeordnet ist genial durchdacht. Für Idee, deren Umsetzung
und der guten Beschreibung meine volle Punktzahl.
2012-01-04 00:21:43

Das ist mal ein Wohnzimmer nach meinem Geschmack. Das mit der Bauanleitung ist eher ungewöhnlich.
2012-01-04 00:51:30

Fände es schön, wenn Du die Bauanleitung einfach hier einarbeitest. So könnte jeder hier sehen wie Du es gemacht hast. Ist eigentlich das Prinzip dieser Projekteinstellungen.
2012-01-04 02:01:47

Das sieht schick aus. Könne ich mir in meinem Wohnzimmer auch gut vorstellen.
Ist es wirklich nötig das die Platten mit sooooo vielen Schrauben verschraubt werden?
2012-01-04 07:33:24

klasse gemacht, sieht gut aus
2012-01-04 07:49:15

Das ist nicht die Krönung - das ist der HAMMER ;) - sieht wirklich extrem gut aus. wie sieht das mit Vibrationsübertragung der Lautsprecher auf die Wand aus - hast du da noch etwas zwischen Rahmen und Wand/ Rigipsplatte gemacht? Vornweg schon dicke 5 Daumen
2012-01-04 08:29:28

Hallo, das ist eine tolle Geschichte, 5 Daumen dafür.
Auch toll erklärt, gefällt mir.

In meinem "Haus - Büro und Multimediacenter" habe ich im Jahr 2000 in Verbindung mit einem Beamer eine ähnliche Freude gegönnt.
Eine Dolby 5.1 Tonanlage, das war auch Kinofeeling.
Leider gab der Beamer unlängst für immer seinen Geist auf.
Gruß vom Daniel
2012-01-04 09:51:44

mein traum ist war geworden hammerrrrrrr das habe ich auch mal vor wenn ich ein eigenheim habe
2012-01-04 09:53:30

Das darf ich nicht meinem Mann zeigen, dann will er es bestimmt sofort haben. Aber auch mir gefällt die Idee gut. Zumal ist mir unser Wohnzimmerschrank einfach zu groß, mir gefallen die filigranen TV-Möbel inzwischen besser.
2012-01-04 10:09:19

Sehr schön, so ein WZ hätte ich auch gern, super gemacht..
2012-01-04 10:29:58

super Arbeit,
so kann man das bekannte Problem mit dem Kabelsalat hinter den Geräten lösen
2012-01-04 13:32:34

Klasse gemacht... noch ein Surrounf-Freak.... 5 Lautsprecher gibts obendrein.
2012-01-04 14:44:25

Toll beschrieben, toll gemacht, tolle Bilder. Einfach nur Klasse.
5D
2012-01-04 15:20:31

nicht schlecht ...klasse
2012-01-04 16:09:55

OK, Ihr habt mich überzeugt - ich stricke die Bauanleitung um ;-). Macht nur ziemlich viel Arbeit, da die Wandkonstruktion die eine Seite ist, ein paar Infos über die Lautsprecherauswahl (allgemein, nicht zwingend die von mir gewählten) die andere. Ich gebe Gas !

Danke für die freundlichen Kommentare !

Beste Grüße
Stefan
2012-01-04 19:08:24

Ist ja genial. Da kommt direkt ein bisschen Neid auf. Bin auf die Bauanleitung gespannt.
2012-01-04 20:34:33

So, Bauanleitung ist up - die Forensoftware akzeptiert aber wohl nur sehr eingeschränkt Absätze und Formatierungen. Ich bitte um Verständnis, habe mir alle Mühe gegeben: Mehr an Übersichtlickeit war nicht drin.
Gruss
Stefan
2012-01-05 00:23:16

Super gemacht und beschrieben
2012-01-05 00:29:21

Sehr toll deine Änderung der Anleitung. Leider verhunzelt die Software gerne Absätze und andere Formatierungen. Ich löse das dann mit >/br> >/br> ( erstes Zeichen Umgedreht <)
2012-01-05 08:03:09

Ist wirklich super geworden.
5 Daumen von mir dafür ;)
2012-01-05 08:15:33

da kann man sich den ganzen Vorschreibern nur anschließen.
5 d Daumen.
BABA
2012-01-05 10:43:27

Klasse dein Wohnzimmerkino
2012-01-05 16:18:23

wow.... wieso hab ich nur 5 daumen???

sehr geil!
2012-01-05 21:47:33

Seeeeeeeeehr cooooooool :) Fünf Daumen auch von mir!
2012-01-05 21:57:50

Absolut fett. Super genial umgesetzt.
Fünfe gibts von mir.
2012-01-06 19:46:22

Super Bauanleitung und eine Tolle Idee.
2012-02-17 11:37:16

das ist doch mal ein Wohnzimmer nach meinem Geschmack
toll gemacht
2012-03-04 19:02:15

Super gemacht im Wohnzimmer bin auf die Anleitung gespannt.
2015-12-31 10:11:10

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