PBD 40 – neue Maßstäbe in Präzision und Handhabung

Mitglieder der 1-2-do.com stellen Bosch
Elektrowerkzeuge auf die Probe

PBD 40 - Neue Dimensionen beim Bohren 2 Kommentare
Vom 11.01.12 Geändert 2012-01-11 18:11:22
Vor dem Test ist vor dem Test
Mein Test fing bereits vor dem Test an: Ich stellte die Maschine zunächst auf die Küchenarbeitsplatte, weil in meiner Werkstatt es an dem Platz, der vorgesehen war, keinen Platz gab. Ich mußte eine neue Arbeitsplatte fertigen. Dabei sollte die Platte an einer Stelle an die Wand befestigt werden, wo dafür eigentlich kein Platz war: zu viele Leitungen (Öl, Strom, Druckluft...). In einem gesonderten Projekt werde ich beschreiben, wie ich das Problem gelöst habe. Egal, die Löcher, die ich zu bohren hatte, wollte ich eigentlich mit meinem Bohrständer und der Handbohrmaschine fertigen. Leider waren die Abstandshalter zu hoch, um mit meinem Bohrer in eins hindurchzukommen. Ich mußte also von beiden Seiten bohren. Nach Leidvoller Erfahrung bei solchen Unternehmen entschied ich mich, die Neue zu verwenden. Auf beiden Seiten die Punkte angezeichnet, durch die die Bohrung gehen sollte, und ich spannte einen 6mm-Holzbohrer in das Futter. Damit bohrte ich, soweit es ging, drehte das Stück um und bohrte wieder. Ausrichtung mit dem Laser problemlos bei diesem Durchmesser, und die Bohrung fluchtete anschließend. Mit einem Spiralbohrer 11mm setzte ich das Loch ab, damit die Schraube noch 30mm in die Grundplatte greifen konnte.
So genau konnte ich noch nie bohren (mit meinen bisherigen Werkzeugen)! Ich benutzte den Laser, den Tiefenanschlag und die digitale Tiefenanzeige. Alles optimal gelöst vom Konstrukteur. Zu der Strichbreite und der Genauigkeit des Lasers komme ich später. (Bilder »Durchgangsloch 1-3)

Die Betriebsanleitung
Wie schon so oft bemängelt - nicht nur von mir - ist dieser Wälzer geradezu überdimensioniert. Ich habe den deutschen Teil abgeschnitten (siehe Bild) und dann mal gewogen. 25g deutsch - 242g andere Sprachen. Bedeutet, daß Bosch bei 1000 Maschinen fast ¼ Tonne Papier für nix und wieder nix produziert. Umweltfreundlich? (Bild »Betriebs-anleitung«)
In der Anleitung vermisse ich den Hinweis, wie Bohrfutter abmontiert werden kann. Ich setzte einen SW16mm Gabelschlüssel an die Spindel und drehte zunächst mit der Hand, dann mit einer Wasserpumpenzange am Futter. Gewalt wollte ich nicht anwenden, und so bekam ich es nicht los. Außerdem fehlt der Hinweis, wie die Laser ggf. nachjustiert werden können. Bosch kann es sich vielleicht nicht vorstellen, aber es soll doch unter ihren Kunden einige geben, die soviel technisches Verständnis mitbringen, daß sie diese Aufgaben lösen könnten.

Das Bohren:
Zunächst bohrte ich das in Absatz 1 Genannte. Abgesehen von der Präzision - die ich nicht hoch genug bewerten kann - ist die Anforderung an Bohren im Holz nichts Besonderes. Es bohrt eben. Punkt.
Bohren in Stahl:
Beim Bohren in Stahl kam die Herausforderung: Da die Grundplatte nach unten offen ist, werden sich dort Späne sammeln, die ab und zu entfernt werden müssen. Um hier nicht mit großen Unterlegscheiben hantieren zu müssen, verzichtete ich auf die M8 Muttern und fertigte aus Flachstahl 30 x 30 x 5mm mit einem M8 Gewinde in der Mitte. Das Loch von 6,5mm (eigentlich 6,4mm, aber solch einen Bohrer hatte ich nicht) bohrte ich, ohne vorzubohren, wie ich es sonst gewohnt war, natürlich aber vorher angekörnt. Drehzahl eingestellt und anstandslos ging der Bohrer durch den Stahl. (Bilder »Bohren 1-3«)
Nun wurde ich übermütig: Den größten Bohrer, den ich habe, Ø12mm, spannte ich ein, körnte einen Stahl von 15mm Dicke und bohrte drauflos. Ich mußte an dem Stellrad zwar gehörig Kraft aufwenden, aber das Loch wurde sauber geschnitten. Natürlich widerspricht dies der Betriebsanleitung, und ich würde bei späteren Arbeiten dieses Kalibers doch vorbohren - aber es zeigt, daß die Maschine solches schafft; auch das Schnittbild ist glatt und fast ohne Rattermarken - was zwar auch an der Schärfe des Bohrers liegt, aber nicht zuletzt auch an der Durchzugskraft der Maschine, die kaum um 10 U/min herunterging. Ich benutzte zunächst kein Schneidöl (dazu Bild »Bohren 4«), gab dann aber etwas Schneidöl dazu, was das Bohren doch sehr erleichterte. Die ununterbrochenen Späne zeigen, daß die Schneidleistung konstant war - übrigens bei dem zu zerspanenden Material (St37/S235JR) auch keine Überraschung (Bild »Bohren 5«); bohrt man mit kleineren Durchmessern bei höherer Drehzahl, brechen die Späne kurz weg, weil das Material keine Zeit hat, sich plastisch zu verformen.
Beim Einsatz eines 1,5mm-Bohrers stieß ich an die Grenzen des Laserkreuzes. Die Striche sind fast 2mm breit und eignen sich nicht zum punktgenauen Ausrichten des Werkstückes (Bild »Bohren 6«). Schaltet man allerdings die Arbeitsplatzbeleuchtung dazu, verschwinden die Ränder des Laserkreuzes und es geht etwas genauer. Aber auch bei der massiven Kraft der Maschine, drang der dünne Bohrer problemlos in den Stahl ein. Da es mein letzter 1,5mm-Bohrer war, wollte ich das Risiko des Durchbruches durch das Material (Durchgangsloch) nicht eingehen; ich beließ es bei 10mm Tiefe. Es ist ja ein Test, und in der Praxis wird es kaum vorkommen, daß man solch ein dünnes Loch in eine 15mm-Stahlplatte bohren muß. (Bilder »Bohren 6+7«) Aber, daß es geht, hat der Versuch gezeigt. Freundlicherweise legte man mir noch je einen 6, 8 und 10mm-Spiralbohrer der Serie HSS-G TOP-Line dazu. Diese unterscheiden sich von normalen Bohrern dadurch, daß sie eine dünnere Seele und einen Hinterschliff haben, d. h. die Fläche des Freiwinkels ist nicht so groß. (Bilder »Bohrervergleich 2-4«) Das erleichtert das Eindringen in das Material, ergibt aber durch das aggressivere Schneiden ein Bohrbild mit Rattermarken. (Bild »Bohrervergleich 1«) Geringfügig mindern kann man das durch reichliche Zugabe von Schneidmittel, hat jedoch durch die nach unten offene Grundplatte die Schmiererei auf dem Arbeitstisch.
Bohren in Aluminium:
Hier sind die Schnittgeschwindigkeiten wesentlich höher und stellen keinerlei Probleme für die Maschine dar. Ich entschloß mich zu einem Härtetest, indem ich in ein 6mm starkes Alu-U-Profil (AlMgSi 0,5) eine Bohrung von 30mm einbrachte. Vorgebohrt wurde mit einem 8mm-Spiralbohrer bei max. Drehzahl. Danach spannte ich den Schälbohrer Ø 50mm mit der Hand sehr fest ein, damit dieser später im Futter nicht rutschte und die Spannbacken stumpf machen konnte. Drehzahl 200U/min (=Minimum) Los ging's, und auf den ersten Millimetern griff der Bohrer auch problemlos. Danach fraß sich der Bohrer fest, die angezeigte Drehzahl ging auf Null, was ich durch Nachlassen des Vorschubes sofort wieder verhinderte. Der Bohrer rutschte nicht im Futter. Zugeben muß ich, daß ich die Bohrung nicht mit Spiritus als Schneidmittel benetzte, weil ich die Leistungsgrenze der Maschine austesten wollte. Mit Spiritus hätte ich sicherlich auch die 50mm geschafft und die Aufbauschneide (Bild »Schälbohrer 4«) an der Flanke des Bohrers vermieden, wollte mir aber den Gestank ersparen. (Bilder »Schälbohrer 1-4«)
Bohren in Holz:
Bis auf die Bohrung, die eingangs beschrieben wurde, habe ich keine weiteren Versuche unternommen, da die von mir gemachten Versuche mit Stahl und Aluminium aussagekräftiger erschienen. Wenn das Gerät 30-50mm in 6mm Alu schafft, sollte es auch den gleichen Durchmesser in jeder Holzart bringen.

Das Laserkreuz:
Wie oben bereits erwähnt, sind die beiden sich kreuzenden Laserstrahlen etwas grob, d. h. zu breit. Bei hellerem Licht (interne Arbeitsplatzbeleuchtung oder externe Lampe) verringert sich die vom Auge wahrgenommene Breite. Ein etwas genaueres Einstellen ist dann möglich. Wenn man die Höhe der Maschine verstellt, ergibt sich durch das zwangsläufige Spiel der Führung ein Verschieben des Laserkreuzes. Man sollte also zunächst die Höhe wählen, die Maschine arretieren und erst dann das Werkstück ausrichten. Wenn man das weiß, ist es kein Nachteil.

Schlußbewertung:
+:

Gute konstante Arbeitsleistung
Exaktes Einstellen der Bohrung
Sehr gute Sicherung durch die Pratze
Eindeutige Beschriftung der Bedienelemente macht die Bedienungsanleitung fast überflüssig
Gute Einstellbarkeit der Drehzahl durch digitale Anzeige
Höhenverstellbarkeit gut gelöst, da es nicht passieren kann, daß die Maschine mit dem eingespannten Werkzeug auf das Werkstück fällt
Exakte Positionierung des mechanischen Tiefenanschlages
Große Laufruhe
-:
Laserkreuz ist zu grob für feine Bohrungen
Nachjustieren des Laserkreuzes nicht möglich bzw. nicht beschrieben
Der Wechsel des Bohrfutters ist nicht in der Anleitung beschrieben
Empfindlicher Tisch aus Aluminium - einer aus Stahlguß wäre besser gewesen und hätte das Gewicht der gesamten Maschine nur unwesentlich erhöht (Bild »Tische« oben 35 Jahre Alt aus Stahlguß, unten 3,5 Tage alt)
Elektronische Lastbegrenzung (wie bei meiner Handbohrmaschine) fehlt
Kein Linkslauf (Gewindeschneiden oder Ausreiben von Bohrungen mit einer Nadelfeile nicht möglich)
Bei tiefer Einstellung der Maschine behindern sich Feststeller der Maschine und Feststeller der Pratze

Fazit:
Eine schöne Maschine, die allerdings nicht alle Wünsche eines Standgerätes erfüllt. Löcher werde ich zukünftig damit herstellen; trotzdem gebe ich meinen Bohrständer für meine Handbohrmaschine nicht weg (Linkslauf!). Das Gerät lohnt sich m. E. allerdings nur für Solche, die damit sehr oft arbeiten und auf Genauigkeit Wert legen. Für reine Holzarbeiten reicht auch ein Bohrständer mit einer robusten Handbohrmaschine (Habe ja auch 40 Jahre nichts Anderes besessen und gute Ergebnisse erzielt). Für Metallbearbeitung ist das Gerät allerdings wesentlich besser geeignet, als Handmaschine und Ständer, schon allein wegen des geringeren Kraftaufwandes und der geringeren Geräuschentwicklung.

Anmerkung zum Einstellen des Testberichtes:
Es wäre schön, wenn man die Bilder, wie in den Wissens-Artikeln, in den Text einbetten könnte. Das erleichtert das Lesen des Interessierten.
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Hallo Zusammen,

den Thread zur Diskussion über diesen Testbericht findet Ihr unter http://www.1-2-do.com/forum/showthread.php?p= 158431#post158431.
2012-02-08 11:14:03

Hallo Ekaat,
vielen Dank für Deinen Testbericht sowie Dein Feedback. Dies haben wir gerne aufgenommen.
Deine Carina
2012-02-23 10:25:08

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