Der Schleifroller PRR 250 ES

Mitglieder der 1-2-do.com stellen Bosch
Elektrowerkzeuge auf die Probe

Testbericht PRR 250 ES 4 Kommentare
Vom 01.10.13 Geändert 2013-10-01 18:01:59
Zuerst möchte ich mich beim 1-2-do Team für die Überlassung des Bosch PRR 250 ES Schleifrollers nebst umfangreichem Zubehör bedanken.

Ich habe meinen Testbericht versucht sinnvoll zu gliedern um die Lesbarkeit zu erhöhen:
• Lieferumfang
• Ausstattung, Handhabung & Haptik
• praktischer Einsatz
• Persönliches Fazit
• Was ich mir wünschen würde

Natürlich ist es ein Test der meine subjektiven Erkenntnisse widerspiegelt und keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit hat. Da ich im Besitz verschiedener Schleifgeräte bin (Multi-, Band- und Exzenterschleifer, sowie verschiedene Drahtaufsätze für Bohrmaschinen und Winkelschleifer), habe ich den PRR 250 ES immer dann zum Einsatz gebracht, wenn ich das Gefühl hatte, dass der PRR 250 ES den Job (sehr viel) besser erledigen kann.


Lieferumfang

Der Lieferumfang enthält neben dem Schleifroller mit Absaughaube auch drei Einsatzwerkzeuge die so gewählt wurden um die besonderen Einsatzgebiete dieses Schleifgerätes herauszustellen und Lust auf "mehr" zu machen.
Natürlich ist auch ein Standardkoffer im Lieferumfang enthalten, der auch groß genug ausgefallen ist um noch weiterem Zubehör ausreichenden Platz zu bieten.


Ausstattung, Handhabung & Haptik

Der Schleifroller ist relativ schlank, liegt gut in der Hand und erscheint mir gut ausbalanciert. Mein erster Gedanke, das ein anschraubbarer Zusatzgriff (ähnlich einem Winkelschleifer) in manchen Situationen vielleicht hilfreich sein könnte, hat sich im praktischen Einsatz absolut NICHT bestätigt.

Die Schutzhaube mit Absauganschluss wirkt etwas labil und vor allem die Fummelei mit der Feststellschraube nervt etwas. Das SDS-System zum Wechseln der Einsatzwerkzeuge funktioniert umso besser und ist eine tolle Sache wenn unterschiedliche Schleifmittel zum Einsatz kommen sollen.

Ein bisschen ärgerlich empfinde ich die Ausführung des Netzkabels. Es ist mit einer Länge von ~2,5m hart an der Grenze aber das große Ärgernis ist der angeschweißte Eurostecker.

Ich verstehe nicht, warum kein SchuKo-Stecker verbaut wird der auch wirklich fest in einer Steckdose sitzt und bei Zug an dem "knappen" Kabel nicht sofort „die Haltung“ verliert. Sorry, aber das geht für ein paar Cent mehr deutlich besser ...

Die verfügbaren Einsatzwerkzeuge stehen sowohl in der Art (Schleifhülsen, Schleifwalzen, Schleiflamellen usw.) wie auch in der Ausführung (Körnung) in ausreichender Auswahl zur Verfügung und decken ein breites Spektrum von Anwendungsmöglichkeiten ab.

Auch wenn die Einsatzwerkzeuge relativ klein aussehen, haben Sie mit einer Oberfläche von mindestens 84qcm (60mm Schleifhülsen) zwar nur 2/3 der Fläche einer 125mm Exzenter-Scheibe, aber auch knapp 50% mehr Oberfläche als ein Multischleifer (PSM 18 LI).

Das lässt für die Schleifhülsen auf Standzeiten schließen, die irgendwo in der Mitte zwischen Multischleifer und 125er Exzenterschleifer liegen. Die Standzeiten für Lamellenrollen und Schleifwalzen sollten aufgrund der Konstruktion und der wesentlich größeren Oberfläche deutlich darüber liegen.

Der Praxistest wird zeigen, dass sich diese beiden Einsatzwerkzeuge als echte Dauerläufer und als fast unkaputtbar herausstellen.

Das wechseln der Einsatzwerkzeuge geht dank SDS in Sekundenschnelle und auch die Schleifhülsen lassen sich relativ einfach vom Aufnahmeschaft ab- und wieder aufziehen.


Praktischer Einsatz

Das ursprüngliche Projekt (Holztreppe im Hausflur über 3 Etagen) konnte aufgrund der späten Zubehörlieferung nicht umgesetzt werden und wurde auf die Wintermonate verschoben …
… aber mit meiner Werkstatttür habe ich eine adäquate Spielwiese für den PRR 250 ES gefunden, denn eigentlich wollte ich neben einem neuen Fenster auch eine neue (Nebeneingangs-)Tür in meine Werkstatt einbauen.

Dummerweise ist die alte Tür "nicht Normgerecht" (weil zu breit) und der Preis einer Spezialanfertigung von >450€ machte mir die Entscheidung zum Sanieren und Aufarbeiten der alten Tür dann doch recht einfach.
Türen (und speziell diese) und Türrahmen haben jede Menge kleine Flächen, Ecken, Kanten und Rundungen, für die der Schleifroller schlichtweg prädestiniert ist. (Bild-01 bis Bild-05)

Die Aufarbeitung der Tür (und Zarge) im Schnelldurchgang:
• Entfernen aller maroden Holzteile die nicht mehr benötigt oder ersetzt werden (Bild-06)
• Entfernen der Lackschichten mit Heissluftgebläse und Ziehspachtel, da das abschleifen mehrerer Farbschichten unmöglich war. Die Schleifmittel setzten sich trotz Absaugung ruckzuck voll und wurden unbrauchbar (Bild-07 & Bild-08).
• Schleifen der großen Flächen mit Bandschleifer und Exzenter
• Schleifen der kleinen Flächen, Ecken und Rundungen mit dem Schleifroller (Bild-09 bis Bild-12)
• Beidseitiges aufdoppeln der Türfüllung, spachteln der Risse.
• bündig schleifen der Spachtelmasse und auftragen der Grundierung und der 1. Farbschicht
• feines schleifen der 1. Farbschicht und auftragen der finalen Farbschicht
• Zuschnitt der Tränenbleche mit Mini-Handkreissäge und entgraten der Schnittkanten mit dem Schleifroller und Lamellenrolle
• Aufkleben der Tränenbleche im Fuß und Griffbereich (Innen und Außen)
• Neues Schloß und Drückergarnitur montieren.
• Fertig (Bild-17 & Bild-18)

Zeitdauer 1 Woche.


Meine persönlichen Erkenntnisse in der Anwendung des Schleifrollers PRR 250 ES:

• Wenn es die Umgebung zulässt, erscheint es mir sinnvoll ohne Schutzhaube zu arbeiten weil die Sicht auf das Werkstück sehr viel besser ist.

Dazu kommt, dass ohne Schutzhaube der Schleifroller sehr leicht/schnell um 180° gedreht und somit den Erfordernissen des Werkstückes angepasst werden kann.

Beim Einsatz der Messingbürste sollte allerdings von einer Demontage der Schutzhaube abgesehen werden und natürlich ist in JEDEM FALL eine Schutzbrille unabdingbar.

• Der einstellbare Drehzahlbereich ist ausreichend groß um einen sehr feinen, gefühlvollen Materialabtrag zu erreichen. Grobmotoriker können aber auch mit Vollgas, grober Körnung und entsprechendem Anpressdruck, wahre Wellenberge in eine ehemals plane Fläche schleifen, und zwar RuckiZucki ! ;-)
• Der Schleifroller lässt sich sehr gut mit einer Hand führen. Es ist je nach Einsatzwerkzeug und Werkstück kein großer Anpressdruck notwendig (und meistens auch nicht empfehlenswert).
• Arbeiten an Stellen die ich sonst mit der Hand schleifen müsste/würde, sind schnell und vor allem sehr sauber abgearbeitet.
• Auch für schmale, ebene Flächen wie z.Bsp. die Türzarge, ist der Schleifroller ein perfektes Werkzeug. Wenn man(n/frau) ein bisschen Routine im Umgang mit dem PRR gesammelt hat, lassen sich auch in diesen Bereichen hervorragende Ergebnisse erzielen ohne dauernd das Werkzeug wechseln zu müssen. (Bild-12 bis Bild-15)
• Die Standzeit der Lamellenrolle ist unglaublich.
Auf Bild-16 (kurz vor Projektende) ist sie eindeutig ein Fall für den Restmüll ...
... dachte ich zuerst auch, habe sie aber doch nicht weggeschmissen sondern noch schnell die Schnittkanten der Tränenbleche damit entgratet.

Weil das so schön und einfach funktionierte, habe ich auch keine Metallbürste auf meinen Akkuschrauber montiert, sondern mit der gleichen Rolle direkt noch die Fitschen an der Tür und der Zarge von den lästigen Farbschichten entfernt und diese wieder in ihren ursprünglichen, metallischen Glanz versetzt.

Ob ich die Rolle danach weggeworfen habe?

Seid Ihr verrückt, natürlich nicht, die ist immer noch gut für ein paar andere (grobe) Sachen, außerdem frisst die kein Brot und im Koffer ist genug Platz! 


Ansonsten:

• das Kabel könnte gerne 1,5m länger sein, oder der Eurostecker strammer sitzen.
• je nachdem wie der Schleifroller gehalten/geführt werden muss, verdecken (meine) Hände die Lüftungs- bzw. die Gebläseöffnungen ...
... im Prinzip kein großes Problem zumal man an der "Lufttemperatur" deutlich spürt, wie es dem PRR 250 ES gerade so geht ... ;-)
• Je nach Anwendungszweck erscheint es mir ratsam, ein paar "Testrunden" mit dem Schleifroller zu drehen und sich anzufreunden, bevor wertvolle Oberflächen in Wellenberge oder Dekorleisten bis zur Fläche eingeebnet werden.


Mein persönliches Fazit:

F: Kann ich den Schleifroller empfehlen?
A: UNDEDINGT. Wenn ich ihn nicht schon hätte würde ich ihn sofort kaufen!

F: Für wen ist der Schleifroller geeignet?
A: Nicht unbedingt für den Anwender der noch über KEIN ANDERES Schleifgerät verfügt. Der Schleifrolle ist das perfekte 2., 3. oder X. Gerät, je nach Anforderung bzw. Projekt.

F: Wie empfinde ich die Preis-Gegenwert-Relation?
A: Ich persönlich finde den Preis angemessen. Die Vielseitigkeit bei den möglichen Anwendungen und die damit einhergehende Arbeitserleichterung ist schon einiges Wert.

F: Wie ist der Preis der Einsatzwerkzeuge?
A: Ich habe nicht alle verfügbaren Einsatzwerkzeuge ausprobiert, aber die ich bisher im Einsatz hatte haben mich überzeugt (s.o.) und scheinen den Preis- wert zu sein.

F: Was würde ich mir wünschen?
A: Einen Blauen GRR 300 EC, idealerweise mit Konstantelekronik und in einer L-BOXX.

F: Sie haben noch nicht probiert ob der PRR 250 ES in eine L-Boxx passt?
A: Nein, das habe ich vergessen und seit mehr als 2 Wochen hat mein Freund (ein Schreinermeister) den PRR und ich habe so langsam das Gefühl: Der will mir den nicht wieder zurückgeben!

30.09.2013
Jörg Weller

Appendix:
Es macht großen Spass mit dem PRR 250 ES zu arbeiten und ich möchte mich nochmals für das Testgerät und das Zubehör bedanken!  
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Klasse Testbericht!
2013-10-26 10:47:48

Ich kann mich Santschik bedingungslos anschließen... ein Testbericht wie ich ihn mag... 5 D
2013-10-28 20:44:51

Sehr angenehm zu lesender und ausführlich gestalteter Testbericht.
Mittlerweile hab ich den Schleifroller auch und bin gespannt, ob er auch bei mir die hoch gesetzten Erwartungen erfüllt.
2014-03-01 18:01:59

Prima Bericht. Danke! :)
2015-02-12 15:18:09

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