Der Schleifroller PRR 250 ES

Mitglieder der 1-2-do.com stellen Bosch
Elektrowerkzeuge auf die Probe

Der Spezialist 4 Kommentare
Vom 18.08.13 Geändert 2013-08-18 01:13:11
Ich habe mich sehr gefreut, als die Email kam, dass ich am Test teilnehmen darf und noch größer war die Freude, als gleich am nächsten Tag das Paket kam.

Erster Eindruck
Beim Auspacken die erste Überraschung: es ist ein ziemlich großer Koffer. Zum Einen hatte ich nicht mit der Größe gerechnet und endlich wieder mal ein Gerät in einem Koffer statt im Karton.
Der Koffer ist stabil und hat noch einiges an Platz für Zubehör. Im Lieferumfang enthalten waren:
- 1 Schleifhülse mit P80 und passendem Aufnahmeschaft
- 1 Lamellenrolle, Breite 10mm, P80
- 1 Lamellenrolle, Breite 60mm, P10
Der Schleifer ist eigentlich selbsterklärend, die Anleitung ist klar strukturiert und leicht verständlich.
Durch das SDS-System ist der Wechsel der Schleifaufsätze sehr einfach. Allerdings muss man bei dem Einsetzen auf die Richtung achten. Im der Anleitung steht „Halten Sie das Schleifwerkzeug so, dass die SDS-Aufnahmefedern von der Schleifspindel weg zeigen“. Diese Aufnahmefedern sind etwas schwer zu erkennen und auch wenn die Schleifwerkzeuge gar nicht verkehrt herum auf die Spindel passen, wäre eine Markierung (z.B. Farbringe oder -punkte) eine gute Idee.
Beim Abnehmen der Absaughaube sind mir 2 Dinge aufgefallen:
  1. Das Rechtsgewinde der Klemmschraube läuft entgegengesetzt zur Nut. Das heißt beim Lösen dreht sich die Absaughaube in die Fixierungsstellung und beim Anziehen der Schraube dreht sich die Absaughaube in die Stellung zum Abziehen. Dadurch ist das Aufsetzen und Abnehmen etwas fummelig.
  2. Eine der Nasen an der Absaughaube war schon bei der Lieferung beschädigt. Vielleicht ein Einzelfall, vielleicht sollte die Montage überprüft werden (1). Nach den ersten Meldungen darüber hat Bosch sofort eine Ersatzabsaughaube geschickt (TOP-Service). Da auch die zweite eine etwas deformierte Nase hat, wird gerade geklärt, ob ich Pech hatte, es ein Fehler ist oder die Nase so gehört.
Der Schleifer hält sich im Stillstand gut in der Hand, wie es im Betrieb ist wird sich später zeigen :)

Im Einsatz
Mein Testfeld war die Aufbereitung unseres Kinderhauses (2). Ursprünglich hatte es mein Vater vor 20 Jahren gebaut und leider nie richtig gestrichen oder geölt. Vor 15 Jahren musste er seinen Garten aufgeben und ich habe es für unsere Kinder in unseren Garten gestellt. Bis auf die Außenwände (Ständerwerk mit Nut- und Federbretter) habe ich damals alles neu gemacht (Dach, Grundplatte, etc.). Entsprechend verwittert waren auch die Wände. Die flachen Bretterstücke hatte ich mehrfach mit Hilfe von Schwing- und Bandschleifergeschliffen und geölt. Die Nuten konnten nie geschliffen werden und schon hatte der PRR 250 ES eine Aufgabe:
Das Entfernen der 20 Jahre alten Öl-, Lack- und Moderschichten.
Als Schleifmittel wählte ich den 10x60 P80 Lamellenaufsatz und los ging es. Der Abtrag ging gut und wenn sich die Lamellen mal zu sehr mit Lackresten zugesetzt hatten, reinigte ich sie mit einer Drahtbürste.1.5 Std später, war ich (bei 32°C im Schatten) klitsch nass geschwitzt, eine Seite des Kinderhauses geschliffen und der Lamellenaufsatz am Ende (6). Toll war, dass man wirklich an Stellen kommt die bisher unerreichbar gewesen waren. So steht das Haus eng an einer Teppichstange. Solange der Abstand größer als der Schleifaufsatz (60mm) ist, kommt man gut hin.
Schnell noch geölt und aus der Biene-Maya-Optik wurde wieder ein helles Maisgelb (5).
Rein zum Testen, habe ich im Keller noch eine Dachlatte mit dem 60x60 Lamellenaufsatz und der Schleifhülse bearbeitet. Beides klappt wunderbar und man kommt perfekt in Ecken und Winkel und Rundungen.
Pro und Contra während des Arbeitens.
+ Die Maschine liegt gut in der Hand, sowohl links wie rechts.
+ Es steckt genug Power dahinter
+ Die Drehzahl lässt sich einfach vorwählen und bleibt stabil
+ Der Schleifer wird im Koffer geliefert
+ man kommt perfekt an Stellen, die herkömmlichen Schleifern (Band-, Exzenter- oder Schwingschleifer versagen.
O Der Werkzeugwechsel geht schnell und einfach, eine Markierung wäre trotzdem toll.
  • Das Getriebe fing nach ca 40 Minuten bei festerem Druck an etwas zu ächzen und pfeifen.
  • Bei meinen Händen (Handschuhgröße 10/11) wird manchmal ein Teil des Lüfterauslasses durch die Hand verdeckt. Ein Arbeiten ohne Handschuhe ist unangenehm, weil heiß. Ob die Kühlwirkung noch ausreichend ist, kann ich nicht beantworten. Dies passiert nur wenn man vertikal arbeitet, die Schleifachse also senkrecht ist. Dann verdeckt der Handballen die Auslässe.
Betriebskosten und Zubehör
Im Moment ist das Angebot an Zubehör noch recht übersichtlich. Auf der Boschhomepage ist nur Arbeitsschutzzubehör angeboten, keine Schleifmittel.
Im Internet fand ich:
  • zylindrische Schleifhülsen P80/120/240
  • konische Schleifhülsen P80/120
  • Lamellen 5mm P80/120
  • Lamellen 10mm P80/120
  • Lamellen 60mm P80/120
  • Flexible Walze 15mm P80/120
  • Flexible Walze 60mm P80/120
  • Messingbürste
Körnungen P40/60/180/240 sucht man momentan vergeblich, obwohl sie im Handbuch empfohlen werden. Um sich als Starterpaket mit allen verfügbaren Schleifmitteln einzudecken und so für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, sind nochmals 100EUR fällig.
3 Schleifhülsen kosten z.Zt. 6 EUR also 2EUR/Stk.  Bei einer Fläche von 85cm² macht das 0.02EUR/cm²
1 Schleifband für einen Bandschleifer (PBS75) kostet auch ca. 2EUR. Bei einer Fläche von 400cm² macht das 0.005 EUR/cm²
1 Schleifscheibe für den Exzenter (PEX 400 AE) kostet ca. 0.80EUR. Bei einer Fläche von 122cm² macht das 0.006 EUR/cm²
Der Fairnesshalber habe ich die Preise für Scheiben und Bänder von Bosch genommen, no-name wären noch deutlich günstiger und die Preisdifferenz damit noch höher.
Das heißt die Schleifhülsen sind um das 3 bis 4 fache teurer als Schleifbänder oder Scheiben.
Auch etwas verwirrend ist die Möglichkeit der Absaugung. Im Handbuch wird auf die Möglichkeit hingewiesen und diese sogar bei Arbeiten mit Metall vorgeschrieben. Selbst für die Tester des Forums beantwortete sich die Frage nicht von selbst und führte zu seitenlangen Diskussionen im Test-Thread :(
 
Fazit
Der PRR 250ES ist ein zu 95% ausgereiftes Produkt, welches besonders für Spezialarbeiten geeignet ist, bei denen herkömmliche Schleifer an ihre Grenzen stoßen.
Aufgrund der (momentan) geringen Auswahl an Schleifmitteln und deren höheren Kosten ist er kein Ersatz für einen Band-, Delta- oder Exzenterschleifer.
Ob ich mir ihn gekauft hätte, bin ich mir nicht ganz sicher, da ich schon jeweils einen Band-, Delta- und Exzenterschleifer besitze. Ich freue mich aber auf jeden Fall ihn nun zu haben und werde ihn sicher immer wieder parallel zu den herkömmlichen Schleifern einsetzen, besonders bei den oben erwähnten Spezialarbeiten. Damit will ich ihn absolut nicht schlecht machen. Er ist eben ein Spezialist, als Ergänzung zu einem der anderen Schleifer macht er sich aber perfekt.
Für einen weiteren Testfall fehlten mir bis jetzt die Schleifmittel, da die Lieferung von Bosch noch nicht kam und ich in deren Erwartung keine bestellt habe. Bisher habe ich an einer Bundeswehr GFK-Kiste auf dem Boden und im Deckel hartnäckige Kleberreste mit der Schleifhülse abgeschliffen und kam perfekt in die Runden Ecken. Für die Außenseite bräuchte ich die flexible Scheibe, werde die Ergebnisse, in Absprache mit Susanne,  aber noch nachliefern. Jetzt geht es erst mal in den Sommerurlaub.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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sehr schöner Test und vielseitig begutachtet ;) sachlich und klar...
2013-10-30 19:05:31

ich finde den Bericht auch gut strukturiert mit vielen Informationen, die doch wichtig sind
2013-10-31 07:14:16

Anschauliche Bebilderung... inhaltlich klasse... nur ein wenig mehr Absätze wären für das Lesen hilfreich... 5 D
2013-10-31 16:31:54

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