PSB 850-2 RE – Geballte Kraft in kompakter Form

Mitglieder der 1-2-do.com stellen Bosch
Elektrowerkzeuge auf die Probe

Mein Test Bosch PSB 850-2 RE 11 Kommentare
Vom 17.01.14 Geändert 2014-01-17 13:51:50

Vorwort
Meine Familie hat seit 50 Jahren ein gemauertes Wochenendhaus mit Nebengebäuden aus Holz und Beton auf einem großen Grundstück, da gibt es immer was zu reparieren, zu renovieren und um- oder auszubauen. Weiter bin ich schon mehrfach umgezogen, wobei immer das Anbringen von Regalen und der Zusammenbau von Möbeln anfiel. Ich habe nun schon 40 Jahre Erfahrung mit Elektrowerkzeugen, überwiegend von Bosch, sowohl „grüne“ als auch „blaue“. Da ich nun Rentner bin, stehen dieses Jahr  im Wochenendhaus umfangreiche Projekte an: Wandverkleidung mit Profilholz, Korkparket verlegen, Terrasse mit Holzdielen belegen, Terrasse überdachen. Hierzu habe ich meinen Werkzeugpark gesichtet und ergänzt, unter meinen neuesten Erwerbungen sind eine GST 150 BCE, ein GBH 2-20, eine PSR 18-2 LI, eine GKS 10,8 V und eine GST 10,8 V. Ich habe mehre Bohrmaschinen, Bohrhämmer, Schrauber, Stichsägen, Kreissägen von Bosch, fürs Netz und aus den 10,8 V-LI und 18 V-LI Serien. Ich suchte noch eine leistungsstarke und handliche Schlagbohrmaschine für Dübel 8x150 in Hohlblock beim Anbringen der Unterkonstruktion für die Wandverkleidung  und zum Eindrehen von größeren Schrauben wie SPAX 8x300 oder Sechskantschrauben 10x200 bei den Balken des Dachs für die Terrasse. Letzteres habe ich bisher mit einer GBM 16-2 RE gemacht, aber deren 3,7 kg sind mir allmählich doch zu schwer.
Da mein geplantes Projekt entgegen der ursprünglichen Planung nicht mehr während der Test Zeit begonnen werden konnte, habe ich gezielte Bohr- und Schraubversuche unter denjenigen Bedingungen gemacht, die ich für die oben genannten Projekte erwarte und die bei mir am meisten vorkommen bzw. die ich für ein geeignetes Einsatzfeld für die PSB 850 halte.

A) Auspacken und erster Eindruck
Der Koffer macht einen soliden Eindruck, die roten Verschlüsse fallen bei geöffnetem Koffer nicht ab. Allerdings fällt die Bedienungsanleitung aus der Halterung im Deckel, das Papier ist zu dünn und wölbt sich (siehe Bild).
Das Gehäuse der Maschine erscheint solide, das Metall im Bereich des Getriebes suggeriert Haltbarkeit. Leider ist der Spindelhals aus Kunststoff und nicht aus Metall. Ich habe den Eindruck, dass das Getriebegehäuse nicht ganz aus Metall ist, sondern nur aus optischen Gründen (zur Täuschung!?) metallummantelt  – schade. Gut finde ich die Rasten für den Handgriff in 45 Grad Schritten. Bei anderen Maschinen ist mir schon oft der Handgriff bei schweren Arbeiten verrutscht.
Leider läuft das Bohrfutter deutlich unrund, ich habe das mit mehreren Bohrern ausprobiert und mit anderen Maschinen verglichen. Bei einem 10 cm langen Bohrer ist das Spiel an der Spitze geschätzte 0,5 mm, messen kann ich es nicht.
Der Bohrtiefenanschlag ist leider aus Kunststoff und die aufgebrachte Skala nicht stimmig. Gut ist die verzahnte Klemmung.

B) Ergonomie/Handhabung
Der Griff liegt mir gut in der Hand. Allerdings ist der Umschalter für die Drehrichtung ungünstig angebracht und zu leichtgängig. Bei dieser und meinen anderen ähnlichen Maschinen passiert es mir häufig, dass der Umschalter von der Hand, wahrscheinlich durch den Zeigefinger, in Richtung Mittelstellung gedrückt wird. Dann hackt auch der Einschaltknopf. Der Umschalter sollte schwergängiger sein und besser oben oder hinten angebracht sein.
Die Maschine ist aus meiner Sicht nicht für den Einhandbetrieb geeignet, es ist immer eine zweite Hand am Gehäuse oder am Handgriff erforderlich.
Am hinteren Ende der Maschine, wo der Griff beginnt, sind Lüftungsschlitze. Ich halte die Maschine gerne mit der zweiten Hand an dieser Stelle, weil ich da senkrechten Druck genau auf den Bohrer ausüben kann. Leider halte ich dadurch die Lüftungsschlitze zu.
Der Gangschalter ist leichtgängig, das Getriebe scheint synchronisiert, man kann beim Auslaufen der Maschine die Gänge leicht umschalten, aber nicht im Stillstand.
Das Bohrfutter macht, abgesehen vom oben schon beschriebenen schlechten Rundlauf, einen guten Eindruck. Die Autolock-Funktion ist sehr gut!
Die Steuerelektronik erfüllt ihren Zweck: Anbohren und Anpassen der Drehzahl ans Material. Allerdings hätte ich lieber eine Constantelektronik (halt eine Frage des Preises), besonders beim Schrauben und beim Arbeiten mit festgestelltem Einschalter, z.B. im Bohrständer.
Der Umschalter auf Schlagbohren ist gut bedienbar und rastet fest genug ein.

C) Anwendung
Bohren in Metall:
Da ich gerade kein anderes Material und keine größeren Bohrer zur Hand hatte, habe ich Bohrversuche an einem alten Unterlegkeil gemacht der aus Stahlblech von ca. 2 mm Stärke besteht. Bohren mit einem 2 mm HSS-Bohrer im 2. Gang und einem 10 mm HSS-Bohrer im 1. Gang verliefen erwartungsgemäß schnell und ohne dass sich die Maschine anstrengen musste.
Bohren in Holz:
Ich habe Bohrversuche an einem Abfallstück eines Balkens 6x7 cm aus Fichtenholz gemacht. Im ersten Gang mit Forstnerbohrer 35 mm, Holzbohrer mit Zentrierspitze 20 mm, Schlangenbohrer 14 mm und Schalungsbohrer 20 mm quer zum Balken; zusätzlich mit dem Schlangenbohrer und dem Schalungsbohrer der Länge nach durch das ganze Balkenstück (ca. 20 cm).  Die Maschine hat das gut bewältig, ohne gequält zu wirken. Zusätzlich habe ich mit einer Lochsäge 77 mm gebohrt, auch hier keine Probleme. Allerdings musste ich hier wegen des hohen Drehmoments den Handgriff verwenden.
Schrauben in Holz (im 1. Gang):
Für kleine Spanplattenschrauben unter 4 mm ist die PSB 850 weniger geeignet, weil hierfür in der Regel eine Hand für das Halten der Schraube gebraucht wird und die PSB 850 mit einer Hand allein schlecht gehalten werden kann bzw. für eine Hand auf die Dauer zu schwer ist.
Interessant war für mich das Eindrehen größerer bzw. längerer Schrauben ohne vorzubohren (bei meinen Projekten werde ich aber Schrauben ab 6 mm selbstverständlich vorbohren!). SPAX 4x100 und 4x120 waren erwartungsgemäß kein Problem, dies kann sogar mein GSR 10,8. Sechskantschrauben 8x100 wurden ebenfalls gut bewältigt.
Dann versuchte ich es mit 10x100 und 10x130. Die 100 wurde noch gut bewältigt, die Maschine wirkte dabei aber gequält und ich musste den Zusatzhandgriff benutzen. Bei 10x130 war bei den letzten 4 cm Schluß, ich habe die Maschine nicht weitergequält. Zum Vergleich habe ich dann noch meinen (ganz neuen) PSR 18 V-li und meine (ältere) PSB1000-2 RCA verwendet (beide im 1. Gang). Der PSR konnte die 10x130 voll ganz eindrehen bzw. von Anfang an eindrehen, und die PSB1000 auch, ganz problemlos.
Dies überrascht und erstaunt, offenbar kann man den Drehmomentangaben nicht trauen. Bosch gibt in der BDA für die PSR ein Drehmoment von 46 nm an und lässt Schrauben bis 10 mm zu, bei der PSB1000 33 nm und Schrauben bis 12 mm. Bei der PSB 850 werden 46 nm und Schrauben bis 10 mm genannt. Die Drehmomentangaben können so nicht stimmen: PSB1000 und PSR sind in der Praxis etwa gleich stark, die PSB850 merklich schwächer.
Übrigens ist bei der PSB1000 das Gehäuse (außen) ganz aus Kunststoff, während bei der PSB850 im Getriebebereich Alu ist, dafür ist bei der PSB1000 der Drehring am Bohrfutter aus Metall.
Beim Schrauben mit der PSB850 habe ich die Constantelektronik vermisst. Die PSB850 läßt bei den dickeren Schrauben unter Belastung stark in der Drehzahl nach und der Steuerdrücker ist nicht sehr feinfühlig zu bedienen. Mit der Constantelektronik der PSB1000 bei kleinster Drehzahl konnte ich die 10er Schrauben bequem und sicher ein- und ausdrehen. Die PSB850 halte ich für eher ungeeignet zum Eindrehen kleiner Holzschrauben, da die Drehzahl schlecht reguliert werden kann und die hohe kinetische Energie von Bohrfutter, Getriebe und Motor am Schraubende leicht zum Überdrehen führt.
Schlagbohren in Beton, Backstein und Hohlblock(Bims):
Für diese Versuche habe ich ein Bosch 2607019444 HM Betonbohrer-Set 4 bis 10 mmm gekauft und Bohrversuche mit dem 4 mm Bohrer  und dem 10 mm Bohrer im 2. Gang in einem Betonstein, einem Backstein und einem Bimsstein gemacht. Dies bewältigte die Maschine problemlos, wobei allerdings bei 10 mm in Beton der Bohrfortschritt schon recht langsam war, das Loch für einen 10x50 Dübel wird wohl schon 2 Minuten brauchen.
Für mein geplantes Projekt mit der Herstellung der Unterkonstruktion für die Wandverkleidung durch Eindübeln von Dachlatten in die Wand aus Gips und Bimsstein-Hohlblock mit Durchsteckdübeln 8x100 erscheint mir die PSB850 optimal geeignet.
Bosch lässt laut BDA bei der PSB 850 im ersten Gang 18 mm in Beton und 20 mm in Mauerwerk zu. Ich habe deshalb zum Test 16er und 22er Steinbohrer im gleiche Material wie oben verwendet sowie einen langen 10x150 Bohrer. In Beton gab es mit dem 16er und 22er nur einen geringen Bohrfortschritt. Für gelegentliche einzelne Bohrungen mag das reichen, für ernsthaftes Arbeiten in Beton mit diesen Bohrdurchmessern  ist aber ein Bohrhammer erforderlich (ich nehme in diesem Bereich meinen GBH 2-20, für noch größere Löcher den GBH 4 DSC). Bei Bims und Backstein waren die großen Bohrer aber kein Problem für die PSB 850, auch den Langen konnte ich zügig auf ganzer Länge in den Backstein treiben.
Bürsten und Schleifen:
Entrosten mit einer 100 mm gekröpften und gezopften Stahlbürste und Schleifen von Holz mit einem 70 mm Fächerschleifer gingen problemlos, die Maschine wirkte nicht gequält.

D) Meine Antworten zu den Fragen des Produktmanagers
Welches Projekt….?
Anbringen einer Unterkonstruktion aus Dachlatten mit ca. 400 8x100 Dübeln an einer Wand aus Bimsstein-Hohlblock, innen vergipst. Die gemachten Vorversuche haben mir gezeigt. Dass die Maschine hier optimal geeignet ist.
Ich werde bei meinen Projekten bei der Dachkonstruktion SPAX 8x300 verwenden, hatte aber keine zum Testen verfügbar. Hier erwarte ich, dass mein Akkuschrauber entweder schlapp macht oder nur wenige pro Akkuladung eindrehen kann, und will deshalb die PSB 850 einsetzen.
Wie beurteilst Du die Leistung…?
Liegt im Rahmen der für eine Maschine dieser Größe und Motorleistung zu erwartenden Leistung.
Wie leicht fällt Dir die Handhabung ?
Die Maschine liegt gut in der Hand, Zweihandbedienung ist aber im Regelfall erforderlich, auch aus Sicherheitsgründen wegen dem hohen max. Drehmoment.
Was können wir verbessern ?
Bohrfutter darf keinen sichtbaren Fehler beim Rundlauf haben.
Drehrichtungsschalter ist zu leichtgängig.
Anschlusskabel sollte länger sein (mind. 1 m zusätzlich).
Ich vermisse, wie bei fast allen anderen Elektrowerkzeugen, die ich habe, eine Überlast- und Überhitzungsanzeige.
Würdest Du die PSB für weitere Projekte verwenden ?
Ja, für alle Fälle dann,  wenn ein kleinere, weniger leistungsfähige Maschine, z.B. ein Akkubohrschlagschrauber nicht ausreicht.
Eine zusätzliche Bohrmaschine ist für mich auch dazu nützlich, um sie mit verschiedenen Einsatzwerkzeugen zu bestücken und wechselweise ohne Werkzeugwechsel zu benutzen. Z.B. sind bei der Herstellung der Unterkonstruktion Holzbohrer und Steinbohrer abwechselnd erforderlich.
Wie findest Du die zwei Gänge ?
Für eine Universalmaschine unbedingt notwendig: Erster Gang für große Bohrer (> 8 mm), zum Schrauben und zum Rühren, zweiter Gang für kleine Bohrer und für Schleifarbeiten (Fächerschleifer, Schleifstifte). Gewöhnungsbedürftig ist es, dass sich die Gänge im Stillstand nicht schalten lassen.
Wie beurteilst Du die Verwendung der PSB beim Rühren ?
Ich habe keine Versuche mit der PSB 850 gemacht, aus meiner Erfahrung möchte ich hierzu aber folgendes sagen: Zum Rühren von dünnflüssigen Medien und Farben erscheint mir die PSB 850 geeignet. Bei dickflüssigen Medien würde ich aber eine Constantelektronik vermissen, da bei diesen Medien das Drehmoment stark schwankt und die Drehzahl der PSB 850 stark variieren wird, wodurch z.B. die Gefahr des Verspritzens durch plötzlichen Drehzahlanstieg gegeben ist. Zum Rühren von Mörtel erscheint mir die Leistung zu gering, hier habe ich selbst mit meiner GBM 16-2 RE Probleme.

E) Fazit
Die PSB 850-2 RE ist aus meiner Sicht eine preisgünstige und zugleich leistungsstarke Schlagbohrmaschine zum gelegentlichen Gebrauch und kann somit für viele Heimwerker die einzige Bohr- und Schraub- Maschine sein. Wer häufig und lange arbeitet sollte aber zu drei Geräten greifen: Einem leichten Akku-Bohr(Schlag)Schrauber 18 V-LI, einer netzbetriebenen Schlagbohrmaschine der 1000 W- Klasse mit Constantelektronik und einem Bohrhammer der 800 W-Klasse.
Wollte ich mir heute eine Schlagbohrmaschine dieser Leistungsklasse neu kaufen, würde ich aber wegen der Constantelektronik zur PSB 750-RCE oder PSB 1000-2 RCE greifen.
 
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sehr informativ. 5D
2014-02-28 09:16:23

Sehr guter Bericht
2014-03-21 18:45:50

sehr flüssig zu lesender Bericht, der auch an konstruktiver Kritik nicht spart
2014-03-21 19:03:14

Nach den Erfahrungen mit dem Testgerät habe ich mir jetzt eine blaue 1300 Watt GSB 21-2 RCT mit Konstantelektronik (da läuft das Bohrfutter schön rund!) und einen blauen 800W Bohrhammer GBH 2-24 geholt. Natürlich spielen die in Preis und Leistung in einer anderen Liga. Hiermit werde ich die geplanten Projekte zum Um-und Ausbau im und um mein Wochenendhaus im Sommer erledigen. Die PSB 850 bleibt dann als Zweitgerät dort stationiert.
Als grunsätzlicher fauler Mensch habe ich bei früheren Projekten mit Geräteschuppen, Carport und Pergola die 10er Sechkantholzschrauben nie mit der Ratsche von Hand eingedreht, sondern schon vor Jahren Unterstützung durch eine langsamlaufende 1000W GBM 16-2 geholt. Die ist mir aber, im fortgeschrittenen Alter, inzwischen zu schwer.
Der GSB 21-2 übertrifft die PSB 850 an Kraft nochmals um Längen, ist fast so stark wie die GBM2-16 und wesentlich leichter, hiermit habe ich schon einge 10x300 eingedreht.
2014-03-21 19:19:26

Zum "normalen Schrauben und Bohren im Haus nehme ich einen grünen 18V PSR Schrauber u den 18 V Uneo Bohrhammer für die Dübel bis 10 mm. Die 18V Geräte sind fast so gut, wie die PSB 850.
2014-03-21 19:21:12

toller Bericht, auch wenn es nicht das vorgenommene Projekt sein konnte.
2014-03-21 20:21:54

Auch ein guter Bericht.....
2014-03-21 20:29:39

endlich mal wieder ein sehr guter, sachlicher, informativer und gut zu lesender Testbericht
2014-03-23 07:15:43

5D alles andere ist bereits gesagt.
2014-03-24 08:12:36

Kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen ! Klasse Bericht , übersichtlich gestalten , gut leserlich und verständlich geschrieben und alle Fragen beantwortet ...
5 daumen
2014-03-24 11:01:33

Toller Bericht. Mal sehn ob ich mir das gute Stück demnächst auch noch in die Werkstatt stelle.
2014-04-06 21:24:37

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