PWR 180 CE – Das Universal-Gerät für die Wandbearbeitung

Mitglieder der 1-2-do.com stellen Bosch
Elektrowerkzeuge auf die Probe

Gutes Gerät mit kleinen Schwächen 0 Kommentare
Vom 28.02.15 Geändert 2015-02-28 07:44:06
Wieder einmal darf ich an einem Produkttest teilnehmen. Diesmal durfte ich das Wandbearbeitungs-, besser wäre noch Flächenbearbeitungssystem PWR 180 CE genauer unter die Lupe nehmen, das genau zur rechten Zeit kam. Das Gästezimmer musste von der Tapete befreit werden. Wer keine langen Texte mag, kann hier aufhören zu lesen und sich einfach das Video anschauen.

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Lieferumfang
Das Wandbearbeitungs-, besser wäre noch Flächenbearbeitungssystem PWR 180 CE gibt es in zwei Ausführungen. Zum einen als Einzelgerät, zum anderen als Set mit einer Staubbox. Bei beiden Varianten findet man neben der Schleifaufsatz auch entsprechende Schleifscheiben mit 24er, 80er und 120er Körnung. Hinzu kommt ein Schlüssel zum Wechseln der Aufsätze. Neben der Staubbox mit 2,5m langem Schlauch hat das Set auch noch einen Perforator- und einen Kunststoffbürstenaufsatz spendiert bekommen. Dafür gibt es beim Einzelgerät einen Staubsaugeradapter, der dem Set fehlt.

Zum Test wurde mir das Set zur Verfügung gestellt. Freundlicherweise hat das Produktmanagement noch drei weitere Aufsätze beigefügt. Zum einen noch einen zweiten Kunststoffbürstenaufsatz, zum anderen zwei Schleifbürsten mit Bürsten aus Messing bzw. Stahl.

Handbuch
Das Handbuch entspricht dem, was man von Bosch gewohnt ist. Es ist wie üblich recht umfangreich, da es in 30 Sprachen kommt. Am Anfang findet man eine Bebilderung, die das Wesentliche erklärt und auf die der nachfolgende Text auch eingeht. Die deutsche Anleitung besteht aus zwölf Seiten, die neben den Handhabungshinweisen und technischen Daten auch eine gut gemachte Übersicht über die verschiedenen Aufsätze, deren Einsatzzweck und Handhabung. Freundlicherweise hat das Produktmanagement diese Übersicht noch einmal extra und in Farbe ausgedruckt dem Testgerät beigelegt. Hinzu kommen natürlich wieder die obligatorischen Sicherheitshinweise, die aufgeteilt sind in einen allgemeinen Teil, einen Teil für den grundsätzlichen Umgang mit elektrischen Geräten und einen gerätespezifischen Teil. Am Ende des Handbuchs findet man noch eine Auflistung der verfügbaren Ersatz-und Zubehörteile mit deren Artikelnummer. Leider muss man bei dem einen oder anderen Teil raten, was das sein soll, da es außer der Artikelnummer keinerlei Beschriftung gibt. Die Eingabe der Artikelnummer bei der Suchmaschine seiner Wahl bringt dann aber schnell Klarheit.

Ich bin häufig übrigens zu faul, extra die Anleitung herauszukramen, wenn ich zu einem Gerät etwas wissen möchte. Da geht es schneller, wenn ich mal kurz im Internet die Anleitung herunter lade. Auch diese ist natürlich auf der Produktseite verfügbar. Aber es ist ja wohl ein Witz, dass diese über 200 MB groß ist. Besser wäre es, wenn man dort nicht alle Sprachen auf einmal bekommt, sondern sich die gewünschte Sprachversion auswählen könnte und damit die Datei nicht so riesig ist.

Montage
Die Montage ist sehr einfach. Den gewünschten Aufsatz befestigt man mit dem beigelegten Schlüssel, verbindet den Absaugschlauch mit dem Handgerät und der Staubbox und steckt den Stecker in die Steckdose.

Der Wechsel des Aufsatzes erfordert die Betätigung des Arretierungsknopfes. Der erschien mir beim ersten Versuch etwas schwer erreichbar zu sein, bzw. es fühlte sich umständlich zu bedienen an. Später ging es besser, wobei ich das Gerät dabei anders hielt. Grundsätzlich wäre es aber zu begrüßen, wenn das Gerät im ausgeschalteten Zustand automatisch arretiert wäre oder wenn der Arretierungsknopf fest in der gewählten Position bleibt, die man gewählt hat. Natürlich würde das auch nur im ausgeschalteten Zustand gehen. Nicht, dass jemand im laufenenden Betrieb auf die Idee kommt, die Scheibe zu arretieren.

Ideal wäre natürlich ein werkzeugloser Wechsel des gewünschten Aufsatzes. So muss man immer den Zweilochschlüssel suchen. Dieser hat, genau wie der Hakenschlüssel für Abnehmen des Haubensegments, nämlich leider keinen festen Platz am Gerät oder an der Staubbox spendiert bekommen. Zumindest für den Zweilochschlüssel hat Rainerle aber eine Lösung gefunden.

Qualität
Wenn man vom Gewicht auf die Qualität schließen kann, hat Bosch hier wieder einmal ein hochwertiges Gerät abgeliefert. Das Gehäuse und viele Bauteile sind zwar aus Kunststoff, aber der erscheint mir recht stabil verarbeitet zu sein - bis auf eine Ausnahme. Beim Ausprobieren der Funktionsweise ist mir gleich beim ersten Mal eine der kleinen Plastiknasen abgebrochen, mit denen das Haubensegment (abnehmbar zum wandnahen Arbeiten) am Gerät befestigt ist. Eigentlich hätte das gar nicht passieren können, da in der Bewegungsrichtung keine oder nur eine geringe Kraft auf die Plastiknase einwirkt. Ich vermute, hierbei hat es sich um einen Materialfehler gehandelt. Dummerweise war das Gerät dann an der vorderen Seite offen, während ich arbeitete, was natürlich Auswirkung auf die Staubentwicklung hatte. Erst habe ich überlegt, ob ich das Haubensegment nun einfach komplett am Gerät festklebe, nachdem sich die Plastiknase nicht nachhaltig befestigen ließ, kam dann aber auf die Idee mal nachzuschauen, ob man es als Ersatzteil bekommen kann. Im Handbuch ist leider nur eine rudimentäre Ersatz- und Zubehörliste abgedruckt. Aber im Internet findet man einen geradezu vorbildlich aufgemachten Ersatzteilkatalog mit Explosionszeichnungen. Da das Teil nur 1,75 EUR zzgl. MwSt und Versand kostet, werde ich es einfach bestellen.

Das Wandbearbeitungsgerät im Einsatz
Mein erstes kleines Projekt war das Entfernen der Verwitterungsspuren auf unserer Außenkellertreppe aus Beton. Das haben wir in der Vergangenheit immer mit einem Hochdruckreiniger gemacht, was an sich schon immer eine ordentliche Sauerei ist, auf einer Treppe aber immer um ein vielfaches schlimmer wird. In der Tabelle mit den verschiedenen Aufsätzen im Handbuch wird dazu der Stahlbürstenaufsatz empfohlen, den ich auch verwendet habe. Stellenweise ging das auch gut, aber bei weitem nicht flächendeckend. Danach habe ich noch den Kunststoffbürstenaufsatz ausprobiert, aber auch damit ging es nicht besser. Ich weiß nicht, ob meine Erwartungen zu hoch waren, aber das Ergebnis mit dem Hochdruckreiniger ist deutlich besser, so dass ich mich wohl auch in Zukunft einsauen werde.

Beim zweiten Projekt klappte es schon deutlich besser. Dabei ging es um das Entfernen von Tapete in unserem Gästezimmer, in dem wir einen Feuchtigkeitsschaden hatten. Normalerweise versuche ich immer die Tapete soweit es geht ohne Hilfsmittel zu entfernen. Komme ich dann irgendwann nicht weiter, kommt die Igelwalze zum Einsatz, die Wand wird anschließend befeuchtet und dann wird die Tapete fitzelweise entfernt. Ein klarer Fall für den Perforatoraufsatz, den man in der Höhe verstellen kann. In der kleinsten wirksamen Stufe war die gesamte Wand ruckzuck perforiert und zwar deutlich gründlicher und schneller als ich es jemals mit der Igelwalze geschafft hätte. Da wir später den Putz auch noch entfernen müssen bei der Bearbeitung des Wasserschadens, habe ich dann auch mal eine zwei tiefere Einstellungen des Perforators ausprobiert. Im ersten Fall war es eine mittlere Einstellung und der Putz hat deutlich darunter gelitten. Danach hatte ich noch eine Stufe gewählt, die zwischen der erst genutzten und der mittleren Stufe lag. Dabei wurde die Tapete ordentlich geschreddert und konnte anschließend bereits im trockenen Zustand zum Teil recht einfach entfernt werden. Angefeuchtet ging es dann noch leichter und die Wand war im Nu von der Tapete befreit. Leider musste ich feststellen, dass der Perforater den Putz auch in der kleinsten Stufe bereits ganz leicht beschädigt hat, obwohl dieser nur 0,2 mm tief perforieren soll.

Einen dritten Einsatz habe ich spontan auch noch vorgenommen und den PWR 180 CE einfach mal als Schleifgerät für Holz genutzt. Ich war einfach neugierig, ob ich einen Unterschied zu meinem Excenterschleifer, einem PEX 270 AE bemerke. Geschliffen habe ich ein Fichtenbrett jeweils mit 80er und 120er Körnung. Erwartet habe ich einen Unterschied bei der Absaugung, da die Schleifscheiben des PWR 180 CE keine Absauglöcher aufweisen. Ich konnte diesbezüglich aber keinen Unterschied feststellen. Auch bei der Oberflächenbeschaffenheit konnte ich keine großen Unterschiede feststellen. Beim Fühltest mit der Hand hatte ich den Eindruck, als wäre das Schleifergebnis des Excenterschleifers minimal besser.

Absaugung
Gespannt war ich auf die Wirksamkeit der Absaugung in die Staubbox. Gehofft hatte ich ja darauf, dass das ganze wie ein Zyklonabscheider funktioniert und man seinen Hausstaubsauger dort anschließen kann. Dann hätte ich den auch an meinen anderen Geräten verwenden können. Leider ist das aber nicht der Fall. Statt dessen befindet sich der aktive Teil im Handgerät selbst. Wie da ein Sog zur Staubbox zustande kommen sollte, war mir rätselhaft. Vor allem fand ich es spannend zu sehen, wie die Absaugung im Zusammenspiel mit den nicht gelochten Schleifscheibe funktioniert.

Völlig unverständlich finde ich, warum man dem Set nicht auch noch den Staubsaugeradapter spendiert hat. Der kostet als Ersatzteil nicht einmal fünf Euro, könnte das Absaugergebnis gegenüber der Staubbox aber wohl noch einmal verbessern. Ebenso unverständlich finde ich, warum jedes meiner Bosch-Geräte einen anderen Anschluss für die Staubabsaugung hat. Kann man sich da nicht endlich mal auf einen Anschluss einigen, der dann am besten auch noch zu gebräuchlichen Werkstattsaugern oder Universaladaptern passt? Mir ist klar, dass es bei manchen Geräten wie den PEX-Excenterschleifern nicht geht, aber da würden sich viele wohl einen Staubsaugeradapter wünschen als Ergänzung zur Staubbox.

Wie ich bereits geschrieben habe, war mein Gerät während des Tests durch die abgebrochene Plastiknase vorne offen, was natürlich negative Auswirkungen auf die Absaugwirkung hatte. Deshalb habe ich das Haubensegment später einfach mit Klebeband befestigt und beschreibe auch nur die Absaugwirkung mit dem Haubensegment.

Da es sich um keine aktive Absaugung durch einen Werkstattsauger handelte, waren meine Erwartungen natürlich nicht allzu groß. Trotzdem gelangte ein großer Teil der Tapete in die Staubbox, die aber leider ziemlich schnell voll war und ausgeleert werden musste. Der Rest der befeuchteten Tapete fiel direkt an der Wand herunter und konnte mühelos zusammen gefegt werden.

Handhabung
Durch den verstellbaren Griff liegt das Gerät gut in der Hand. Es wäre aber gut, wenn man für das Verstellen des Griffs nicht zwei Schrauben lösen und wieder befestigen müsste. Ein Blick in den Fahrradbereich wirkt Wunder. Es gibt auf dieser Welt nämlich so etwas wie Schnellspanner, deren Prinzip sich auch in anderen Bereichen schon bewährt hat.

Vorab hatte ich das Gewicht des Geräts so eingeschätzt, dass die Arbeit bei einer langen Wand nach einiger Zeit ziemlich anstrengend werden kann, gerade bei Überkopfarbeiten. Da habe ich mich etwas getäuscht. Es war schon bei meiner eigentlich recht kleinen Wand von gerade mal sieben Quadratmetern recht anstrengend. Und die größte Schwierigkeit war dabei nicht der Überkopfbereich, sondern der Bereich, den man kniend bearbeitet. Dort war es für mich am anstrengendsten. Das Gerät ist ziemlich kraftvoll, fordert dem Anwender aber auch einiges an Kraft ab. Deshalb öfter mal eine Pause einlegen. Die hat den Vorteil, dass man die Staubbox gleich mal wieder leeren kann.

Apropos Staubbox! Sehr gut finde ich. dass man auch an die Aufbewahrung des Schlauchs gedacht hat, der sich an der platzsparend um die Staubbox wickeln und befestigen lässt. Leider lässt sich der Absaugschlauch nur sehr schwer von der Staubbox und dem Gerät trennen. Bevor ich mir dabei die Finger breche, habe ich den Zweilochschlüssel zur Hilfe genommen und damit die aus meiner Sicht schwer erreichbaren Kunststoffclips eingedrückt.

Während des Arbeitens mit dem PWR 180 CE ist es dringend anzuraten, Gehörschutz zu tragen, wie es auch in den Sicherheitshinweisen im Handbuch angeraten wird. Ich finde das Gerät ziemlich laut. Da sollten sich die Ingenieure vielleicht mal mit den Kollegen aus dem Staubsaugerbereich zusammen setzen. Deren ProSilence-Geräte sind nämlich sehr angenehm leise.

Reinigung
Nach einem staubigen Einsatz lässt sich das Gerät relativ leicht reinigen. Eigentlich reicht es aus, die Teile einfach auszuklopfen und das Gerät kurz mit einem feuchten Lappen abzuwischen.

Der Perforator fiel mir dabei etwas negativ auf. Durch die beweglichen Teile verklemmte sich teilweise Tapete darin. Dadurch hatte ich den Fall, dass sich der Perforator nicht in die Parkposition drehen ließ, wo die Stacheln quasi eingezogen sind. Das Ausklopfen dauerte daher etwas länger und ich musste auch mit einer Pinzette eingreifen.

Hat man angefeuchtete Tapete entfernt, stellt sich die Sache leider etwas anders dar. Ich habe die Reinigung erst durchgeführt, als sie schon etwas angetrocknet war. Vom Stahlbürstenaufsatz lässt sie sich noch relativ problemlos entfernen. Mit Ausklopfen kann man schon einen Teil entfernen, aber vieles muss man aus den Zwischenräumen durch Herausstochern entfernen. Aus dem Gerätekörper lässt sie sich aus dem Bereich, in dem der Aufsatz befestigt ist, ganz einfach herauskratzen. Dummerweise hat sich aber ein Teil der Tapete weiter im Geräteinneren abgesetzt, so dass man auch hier wieder mit einer Pinzette arbeiten muss.

Im großen und ganzen stellt die Reinigung des Geräts aber kein allzu Problem dar.

Verfügbares Zubehör
Für das Wandbearbeitungssystem gibt es ein reichhaltiges Angebot an Zubehörteilen. Ich habe mich in den hannoverschen Baumärkten gründlich umgesehen. Und obwohl alle großen wie OBI, Hornbach, Bauhaus, Toom und Hellweg dabei waren, konnte ich dort weder das System selbst noch entsprechendes Zubehör zum Kauf finden. Einzig im Internet wurde ich fündig. Vermutlich liegt das daran, dass das Gerät noch ziemlich neu am Markt ist. Wobei ich auch bis heute das Zubehör für die Dremel Moto-Saw, die ich vor über zwei Jahren testen durfte, immer noch nicht in den Baumärkten im Dremelregal finden kann.

Bei den zusätzlichen Bürsten, die ich zum Testen hinzu bekommen habe, ist mir negativ aufgefallen, dass deren Kartons keinerlei Beschriftungen haben, was da eigentlich im Karton drin ist und wofür man es einsetzen kann.

Mein Fazit
Nach dem ersten Einsatz war ich etwas enttäuscht, was sich aber bei dem zweiten Projekt aber grundlegend gewandelt hat. Der Perforatoraufsatz ist schon ein geniales Teil. Wenn ich daran zurück denke, was es uns beim Einzug in unser Haus für Mühen gekostet hat, die Tapeten der Vorbesitzer von den Wänden und Dachschrägen zu entfernen, hätte ich mir gewünscht das Wandbearbeitungssystem schon damals in den Händen gehabt zu haben.

Sobald die Außendämmung im Bereich unserer Gästezimmers entfernt ist, freue ich mich schon darauf, den alten Putz mit der Hartmetalltopfscheibe zu entfernen. Und sicherlich werde ich mir auch irgendwann die Bäder vornehmen, wo jede Menge Fliesenkleber auf den PWR 180 CE wartet.

Insgesamt bin ich mit dem Gerät aber zufrieden, auch wenn es noch an der einen oder anderen Stelle Verbesserungspotential bietet.
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