PWR 180 CE – Das Universal-Gerät für die Wandbearbeitung

Mitglieder der 1-2-do.com stellen Bosch
Elektrowerkzeuge auf die Probe

PWR 180 CE - ein Tausendsassa! 1 Kommentar
Vom 25.02.15 Geändert 2015-02-25 22:28:17


* Tausendsassa. Wer mit dem Begriff nicht viel anfangen kann: In Österreich auch "Wunderwuzzi" genannt. Multitalent oder Alleskönner geht schon mal in die richtige Richtung und "sassa" stammt aus dem Französischen "ça für "das" und Tausendsassa versteht sich so als "Tausend dies und das". In diesem Sinne: Das PWR kann dies und das und tausend andere Dinge. 

Da bekam ich also ein Wandbearbeitungssystem von Bosch zum Test. Der Karton ist als groß zu bezeichnen. Nach dem Öffnen bin ich zuerst erstaunt. Ein ordentlich großer Staubbehälter, ein Schleifgerät, das einem Winkelschleifer mit großer Schleifabdeckung ähnelt, massenhaft Zubehör und ein Saugschlauch mit dem SDS-System von Bosch. Ich bin beeindruckt. Der erste Gedanke war:  "Herzlichen Dank! Da hat Bosch wirklich ein teures Testgeschenk geschickt!" Ich feue mich, dass ich als Tester ausgewählt wurde und so ist die Erwartung sehr groß. Also nochmals ein herzliches Dankeschön an 1-2-do.com!

Der Freude folgt ein ziemliches Durcheinander auf dem Wohnzimmerboden. Erst wird alles ausgepackt und begutachtet. Schleifscheiben, Tapetenperforierer, verschiedene Bürsteneinsätze. Gerät in die Steckdose und ein erster Anlauftest. Es folgt ein Schreck! Das bläst ja richtig stark!

Nun ist mir klar, wie das "Absaugen" funktioniert. Ich hatte mich schon gewundert, weshalb die Staubbox keinen Stromanschluss hat. In der Schleifabdeckung der Maschine ist ein sehr stabiles Lüfterrad verbaut. Es wird folglich am Schleifteller abgesaugt, aber ab dem Lüfterrad wird der Staub in den Schlauch und letztlich in die Staubbox geblasen. Und das mit einem erheblichen Luftsstrom. Ab diesem Test war ich überzeugt, dass die "Absaugung" definitiv funktionieren sollte.

Das Gerät liegt gut in der Hand, der Saugschlauch wird eingesteckt und durch das Bosch-SDS-System arretiert, so dass er beim Gebrauch nicht abfallen kann. Er ist stabil aber relativ flexibel. Zum Transport kann er um die Schlauchbox gelegt und festgeklemmt werden. Für das lose Ende ist eine Halterung angebracht. Diese ist verschlossen, so dass ebentueller Reststaub im Schlauch nicht herausrieseln kann. Sehr praktisch und gut durchdacht! Das SDS-System ist äußerst praktisch, wird aber leider nur im System des Venturos verwendet, gut wäre dies insgesamt anzubieten. Schlecht ist, dass der Schlauch nicht auf andere Schlauche „angedockt“ werden kann, ich habe mir aus PE-Rohr einen Adapter gebaut. 

Nun zu den eigentlichen Tests des Gerätes im Echteinsatz. An den Wochenenden helfe ich beim Umbau eines Schulgebäudes und unter der Woche bin ich in meiner eigenen Werkstatt zu Gange. 

Bürsteneinsatz Kunststoff

Das erste echte Projekt war eine Lampe aus einem Buchenholzast. Wir haben den Ast mit Stechbeiteln entrindet, mit dem PWR abgebürstet und dann zu einer Wohnzimmerlampe umgebaut. Wer sich dafür interessiert, hier geht es zum Projekt: 

http://www.1-2-do.com/de/projekt/Wohnzimmerlampe-aus-dem-Wald/bauanleitung-zum-selber-bauen/4001488/

Der grob entrindete Ast wurde mit dem Einsatz Kunststoffbürstenscheibe abgebürstet. Das ging sehr schnell, es gibt ernormen Abrieb, die weichere Rinde wird schnell abgebürstet, ohne das darunterliegende Buchenholz zu zerkratzen. Hier musste ich etwas mit der Geschwindigkeit spielen. Zu schnell, weniger Abrieb aber sichtbare Bürstspuren im Holz, zu langsam wenig Abrieb, keine Bürstspuren. Stufe 3 bis 4 ideal. Hier zeigt sich die stufenlose Drehzahlvorwahl hat einen erheblichen Vorteil. 

Gute Bedienung, 
auch mit Handschuhen

Das Drehrad zur Geschwindigkeitseinstellung ist mit Handschuhen nicht einfach zu bedienen, andererseits kann die Drehzahl auch nicht unbeabsichtigt verstellt werden. Der Arretierschalter zum Ein- und Ausschalten funktioniert allerdings sehr gut - auch mit Handschuhen. Die Bedienung ist tadellos. Am Gerät ist ein handlicher Bügelgriff angebracht, der mit zwei Rändelschrauben ebenfalls gut und einfach mit Handschuhen zu verstellen ist. Der Griff kann so rasch in eine bequeme Position gestellt werden. Sehr hilfreich und angenehm. 

Da der Buchenast rund ist, fliegt natürlich viel Rinde durch die Gegend, praktisch nichts landet in der Staubbox. Das Gerät ist eben für Flächen ausgelegt. Mich stört es nicht, durch das Entrinden per Hand vorher ist ohnehin eine Masse Rindenstücke am Boden und auf der Werkbank. 

Schleifpapier 24er

Zum Gerät gehört eine Schleifscheibe, auf die Schleifscheiben (Durchmesser 180 mm) mit Klett befestigt werden. Die größte Klettscheibe mit Korrundmaterial hat Körnung 24. diese erscheint furchtbar grob - am Exzenterschleifer hat man eigentlich maximal 60er Körnung. Aber für wirklich grobe Arbeiten erscheint 24 gerade grob genug. Ich konnte diese Scheibe bald zum Einsatz bringen.

Ich habe in einem Raum eine Küche ausgebaut. Die Wände waren teilweise verfliest. Hier soll später Rollputz angebracht werden. Also musste auch der alte Fliesenkleber weg. Mit Hammer und Meisel gibt es tiefe Scharten im Putz und so später viel zu verputzen.

Laut Anleitung des PWR macht man das am besten mit Hartmetall-Topfscheiben. Aber eine solche habe ich noch nicht. Also muss das 24er Schleifpapier ran. Das geht erstaunlich gut.

Putz, Fliesenkleber und Farbe 
- ruck-zuck entfernt

Für rund 7 Quadratmeter brauche ich etwa 10 Minuten, der Fliesenkleber ist zum größten Teil im Staubbehälter und die Wand ist nahezu ohne Scharten. Die Wand neben den Fliesen ist grob verputzt. Um eine übergangsfreie Verspachtelung für den Rollputz anbringen zu können, schleife ich auch gleich den groben Strukturputz mit herunter. Die Schleifscheibe wechsle ich dazu nicht aus. Der Putz wird problemlos abgeschliffen. Wichtig ist auch hier, keine zu hohe Drehzahl einzustellen. Stufe 3 ist vollkommen ausreichend. So erhalte ich keine Riefen. 

Ich bin wirklich beeindruckt. Ohne den PWR hätte ich bestimmt eine Stunde mit der Hand am Arm an der Wand herum gehämmert. Und das Ergebnis hätte furchtbar ausgesehen ... Ich habe daraufhin lediglich abgespachtelt und so innerhalb kurzer Zeit eine gute Fläche für den Rollputz geschaffen. Eine erhebliche Zeitersparnis. Im Anschluss ziehe ich die Fläche mit Uniflott komplett ab. Eine plane gleichmäßige Fläche ist nun vorhanden. Weitere Umbauhelfer sind begeistert vom Ergebnis. Zwei Stunden vorher war da noch eine hässliche Wand mit Zahnmuster von Fliesenkleber. Man meinte sogar, ich soll doch einfach nur streichen, das könne man so lassen. Aber Rollputz will ich dennoch haben. Es soll eine Garderobe dort hin und da ist Putz doch die bessere Wahl. 

Zum Schleifblatt: Trotz dem harten Einsatz am Fliesenkleber sieht man keinerlei Abnutzung! Die Qualität ist ausgezeichnet. Der Preis für 5 Schleifblätter 24 liegt im Netz zwischen 15 und 20 Euro. die feineren Blätter sind deutlich günstiger. Der Preis erscheint hoch, aber bei einer solchen Standzeit ist er aus meiner Sicht durchaus in Ordnung. Ich habe trotz teils hartem, teils eher andauerndem Einsatz kaum Verschleiß festgestellt. Hier zeigt sich: Bosch Schleifteller haben beste Qualität!

Auch ein Test beim Entfernen von Betonfarbe mit Schleifscheibe war äußerst erfolgreich. Das geht zwar nicht runter wie Butter, aber es geht. Klebstoffreste von Teppichböden können problemlos entfernt werden. Die Scheibe setzt sich aber schnell zu. Hier wäre die aktuell nicht lieferbare Hartmetallscheibe von erheblichem Vorteil. Auch für den Fliesenkleber. Aber man sieht, man kann das PWR durchaus zum Abschleifen verwenden. Durch den guten Handgriff deutlich bequemer als ein Winkelschleifer.

Schleifteller für Gipskartonplatten

Auf dem Rohbau gibt es viele, viele Meter Trockenbauplatten abzuspachten und abzuschleifen. Laut Bewerbung ist das Abschleifen von Gipskartonwänden eine Hauptaufgabe des PWR. Ich bin gespannt. 

Mit dem mitgelieferten Schleifpapier ist das abschleifen möglich, aber häufig setzt man das Gerät schräg auf. So schleift man den Karton ab statt dem Spachtel. Dich dazu später mehr. Der Verschleiß an Schleifscheiben hält sich in Grenzen. Natürlich setzen sich die feineren Schleifpapierkörnungen leichter zu als die gröberen. Aber im normalen Heimwerkereinsatz dürfte das kaum ins Gewicht fallen. Ich habe ein Reinigungsgummi mit dem ich die Scheiben rasch wieder sauber bekomme. 

Ein Staubsauger am PWR
- wirklich nicht nötig

Ganz staubfrei geht es beim Abschleifen von Spachtel nicht zu. Eine Atemschutzmaske ist deshalb immer zu tragen. Liegt der Schleifer plan an Wand oder Decke an, wird der Staub gut abgesaugt, aber sobald der Schleifer etwas schräg gehalten wird, entweicht Schleifstaub teils in erheblichem Maße. Das wäre allerdings bei jedem Schwing- oder Exzenterschleifer Dauerzustand. Und beim Abschleifen von Hand geht es auch nicht sauberer zu. Schade ist, dass der Anschlussschlauch einfach zu kurz ist. Beim Arbeiten auf einer Leiter und hohen Wänden hängt die Staubbox durchaus mal in der Luft. Das Anschlusskabel könnte auch ein oder zwei Meter länger sein.

Natürlich könnte man statt der Staubbox auch einen Staubsauger anschließen. Aber das wollte ich nicht und habe ich auch nicht ausprobiert. Der Schleifstaub ist extrem fein - die Konsistenz erinnert an feinstes Speisemehl. Und da ist mir mein Sauger zu schade. Der Staub kriecht in die feinste Lamelle und ist kaum mehr heraus zu bekommen. Der Feinfilter hält zwar alles zurück, aber ohne maschinelle Abklopfung wäre dieser ruck-zuck dicht und müsste wohl sogar ersetzt werden. 

Und es geht mit der Staubbox wunderbar. Der Filter setzt sich zwar rasch zu, kann aber von Außen und per Hand einfach abgerüttelt werden. Am Handrad dreimal drehen und der Filter ist wieder frei. Problematischer ist viel eher, dass der Schleifsatub rasch den Behälter füllt. Man sollte also bei längerer Arbeit regelmäßig den Behälter leeren. Am besten in einem großen Müllbeutel, denn es staubt beim Entleeren kräftig. 

Schleifen an Wand und Decke -
Kraftraubend und mühsam

Mit der Staubbox, dem Schliff, dem Ergebnis bin ich teilweise sehr zufrieden, aber ich muss Kritik am Gerät anbringen. Wenn man größere Flächen an der Wand oder gar überkopf an Decken schleifen möchte, dann kostet das enorme Kraft. Der Schleifkopf ist mit Bürsten eingefasst, die verhindern, dass der Schleifstaub im Raum herumgewirbelt wird. Dieser wird stattdessen gut in die Staubbox geblasen. 

Andererseits bieten die Bürsten einen Widerstand, der zum Schleifen an der Wand oder der Decke erst überwunden werden muss. Hält man das Gerät etwas schräg schleift das Gerät Halbkreise in die Wand. Man muss also exakt plan auflegen. Immer dann, wenn man keinen guten Stand hat, klappt es einfach nicht so recht. Durch die Bürsten sieht man auch nicht wo man schleift. Dann an den Ecken muss man einen Teil der Bürsten abnehmen und sofort staubt es gewaltig. Zu viel Druck, zu hohe Geschwindigkeit, zu grobes Blatt, nicht völlig plan aufgesetzt, keine völlige Konzentration und nachlassende Muskelkraft und das Ergebnis leidet gewaltig. 

Um Schleifen zu können, muss der PWR gegen Wand oder Decke gedrückt werden. Und das strengt einfach an. Wenn man lediglich eine Wand schleifen muss, stellt das kein Problem dar. Sind es aber viele viele Meter Decken in einem Haus oder einem ganzen Dachstock, dann empfehle ich eher einen Langhalsschleifer. 

Dieser ist durch den größeren Arbeitsradius einfacher und ohne Leiter einzusetzen. Allerdings hat ein solcher Schleifer auch seinen Preis, er ist durch den langen Hals und damit Hebelweg auch nicht gerade leicht und er ist - und das ist für mich ein großer Nachteil - nicht universell einsetzbar. Und hier hat der PWR seine große Stärke!

Allerdings werden z.B. für den Langhalsschleifer von Festool Gitterscheiben angeboten. Diese besitzen statt der Korrundoberfläche ein Gitter mit Korrundsplittern. Durch das Flies zwichend den Gitterstegen wird bei diesen der Schleifstaub direkt abgesaugt. Mit diesem Langhalsschleifer wurden fast alle Gipskartonplatten in unserem Rohbau abgeschliffen, das PWR 180 CE war für diese enormen Flächen - rund 1000 Quadratmeter - war das PWR einfach zu unhandlich und das Ergebnis einfach zu schlecht. Aber wer nur innerhalb seines Hauses einige Spachtelfugen abschleifen muss, wird mit dem PWR zufrieden sein! 

Perforator für Tapeten

In einem Flur muss die Tapete entfernt werden. Das Problem zeigt sich bereits nach den ersten Spachtelversuchen: die Rauhfaser ist mit Latexfarbe gestrichen worden. Latex ist wasserundurchlässig! Wie soll man nun die Tapete anlösen?

Der übliche Tapetenigel versagt sehr schnell. Er macht feine Löchlein in die Latexschicht. Aber wirklich saugen kann die Tapete das Wasser nicht. Da muss man härtere Geschütze einsetzen. 

Der Perforator des PWR hat Rädchen mit Zacken, die am rollierenden Teller befestigt sind. Die Tiefe ist praktisch einzustellen. Nach ersten Tests entscheide ich mich für Maximaltiefe. Die Zacken kratzen so bis in den darunter liegenden Putz. Sie reißen sogar Tapetenstückchen mit einer Größe von bis zu 3 x 3 mm aus der Rauhfaser heraus. Und das ist hier genau richtig. So kommt das aufgesprühte Wasser an den Kleister auf der Wand. 

Exakte Justierung 
- Perforierung bis an die Wand

Die Tiefe des Perforators ist auf den Millimeter einfach zu justieren, so dass von der dünnsten bis zur dicksten Tapete alles machbar ist. In der tiefsten Einstellung greifen wie beschrieben die Zacken bis in den Putz, das ist mir hier egal. Erst muss die Tapete weg, abspachteln ist einfacher als stundenlang Tapete einweichen und zentimeterweise abkratzen.

Die Anwendung des Gerätes an der Wand ist allerdings auch nicht einfach. Der PWR ist schwer und die Perforierungsscheibe muss etwas an die Wand gepresst werden, um ein gutes Ergebnis zu erreichen. Das strengt auf Dauer an. Durch den erheblichen Abtrag bzw. die vielen Löcher geht das spätere Einweichen rascher und das Entfernen deutlich besser. Das rechtfertigt den Einsatz. Ob man den Perforierer aber für normale Papiertapeten braucht ist fraglich. Bei wasserfesten Tapeten oder solchen, die vielfach gestrichen wurden ist der Perforator aber eine sehr hilfreiche und vielleicht sogar die einzigste Möglichkeit.

Bürsteneinsätze zum Hervorheben von Holzmaserung

Ich werde demnächst rund 10 Meter Theken bauen. Als Arbeitsplatten werde ich entweder Rauhspund-Dielenbretter oder Baudielen verwenden. Ich arbeite sehr gerne mit alten ausgedienten Baudielen. Die Macken, Verfärbungen, Nagellöcher und Kratzer lassen das Holz lebendig wirken. 

Leider werde ich durch die vielen Rohbaumaßnahmen die Theken erst nach dem Testabschluss angehen können. Aber einen Vortest musste ich einfach ausprobieren. Bisher habe ich die Baudielen mit Exzenterschleifer und Nylonbürsten auf der Bohrmaschine bearbeitet. 

Testobjekt Baudiele:
Beton, Dreck und ganz viel Staub

Die Nylonbürsten haben ordentlich Holz "gefressen", so dass die Maserung gut herausgearbeitet werden konnte. Das war zum einen sehr staubig, zum anderen zeitintensiv, da die Bürsten maximal 3 cm breit sind. Und es nicht gerade günstig. Die Bürsten haben einen Abrieb, so dass ich je zwei Quadratmeter eine Bürste für rund 12 Euro verbraucht habe.

Und so musste eine Baudiele als Testobjekt herhalten. In der Werkstatt habe ich Baudielen aus Tannenholz mit dem Messingsbürsteneinsatz bearbeitet. 

Die Handhabung des PWR ist dabei nicht ganz einfach. Die Bürstscheibe führt häufig zu schlingernden Unwuchtbewegungen des Gerätes. Ich versuche es mit Regulierung der Geschwindigkeit, damit das Gerät schräg zu halten, vollflächig aufzulegen. Es hilft alles nichts. Man muss das Gerät eben richtig festhalten, langsame Bewegungen machen und nicht fest andrücken. Ich gewöhne mich langsam an die Handhabung. 

Perfekte Ergebnisse mit
Bürsten aus Messing und Kunststoff

Die Messingbürste hat guten Abrieb. Schade, es gibt zugleich Riefen und Kratzer im Holz. Man sieht Spuren der Bürsten. Andererseits geht es viel schneller als mit der Bohrmaschinen-Nylonbürste. Die Nylonbürste halte ich immer so, dass diese parallel zur Maserung läuft. Beim PWR rotiert die Bürstenscheibe, so gibt es zwangsläufig auch Querrillen. Aber nur im Weichholz. Die Maserung bleibt stehen. Im Hartholz der Äste gibt es maximal Kratzer. 

Das Ergebnis ist gut aber noch nicht ideal. Eine Nachbearbeitung mit dem Kunststoffbürsteneinsatz schafft das perfekte Ergebnis! Eine makellose Oberfläche. Auch hier muss man etwas mit der Drehzahl spielen - zu schnell ist nichts. Lieber langsamer - Stufe 3 und wenig Anlressdruck. Die Scheibe locker über das Holz führen.

Ganz zum Schluss verwende ich einen weichen Handschleifklotz und feines Schleifpapier 220 und schleife längs der Maserung etwas nach. Optisch und mit der Hand beim fühlen: eine tolle Oberfläche. Idealerweise wässert man das Holz jetzt und schleift die dann abstehenden Fasern nochmals ab. 

Echtes Holz, warmes Wachs:
Natur in schönster Perfektion

Ich habe keine Lust dazu und trage sogleich Antikwachs mit einem Baumwolllappen auf. Kann man mit dem PWR auch polieren? Einen Baumwolllappen auf Durchmesser 180 mm auf die Schleifscheibe gelegt scheitert leider. Ich müsste eine spezielle Polierscheibe anbringen, eine solche habe ich aber leider nicht. So etwas muss ich mir noch besorgen. 

Also geht es von Hand weiter: Reiben und polieren. Immer schön die Maserung entlang. Nochmals wachsen und nochmals polieren. Ideal wird das Ergebnis nach Durchtrocknen des Wachses. Aber nach kurzer Zeit habe ich schon ein wunderschönes Ergebnis. 

Auf den Fotos habe ich das Bürsten einer Baudiele dokumentiert. Vom Urzustand bis hin zum gewachsten Ergebnis. Auf den Bildern sieht man, dass ich bis zu 2 mm Tiefe herausgearbeitet habe. Ein tolles Gefühl wenn man das Holz ertastet und es schaut fantastisch aus! Das ist echtes natürliches Holz - es gibt kaum etwas schöneres an Holzoberflächen ... 

Um solch ein Ergebnis zu erzielen, braucht man entweder sehr viel Zeit mit Nylonbürsten an Winkelschleifer (dieser dreht meist viel zu schnell) oder Bohrmaschine. Oder man kauft sich ein Profigerät (ab 600 Euro). Und es staubt in der Regel extrem, das kann man nur im Freien machen. 

Ich habe den Test in der Werkstatt gemacht. und es ging wunderbar! Auf einem Foto sieht man das Schleifmehl von einer Fläche Baudiele von 30 mal 30 cm. Rund ein Joghurtbecher feinstes Schleifmehl. Und definitiv: Meine Werkstatt ist sauber, die Luft rein und die Staubbox des PWR zum Schluss voll. Hin und wieder rüttle ich den Filter durch drehen am Handrad ab. Ob das wirklich nötig ist, kann ich nur schwer beurteilen. 

Ich bin hier vollauf begeistert. Zum Hervorheben von Holzmaserungen werde ich den PWR noch sehr häufig nutzen. Ein Couchtisch aus Baudielen steht bereits als Projekt fest. 

Fazit und Zusammenfassung

Das Wandbearbeitungssystem von Bosch PWR 180 CE ist ein Tausendsassa. Es gibt vielfältige Einsatzmöglichkeiten und nur wenige Heimwerkergeräte, die den PWR ansatzweise und dann immer nur für einzelne Anwendungen teilweise ersetzen können. Der PWR ist einfach ein tolles Universalgerät. 

Schlauch und Kabel 
- wie immer zu kurz

Der Umgang mit dem Gerät ist in der Regel sehr einfach. Es ist handlich, zugleich robust. Im Einsatz an Wand und Decke häufig kraftzehrend aber dafür sehr abtragsstark. Der Anschlussschlauch ist lange genug, kann aber problemlos mit Anderen Bosch-Staubsaugerschläuchen und einem Adapter verlängert werden. Dies ist beim Arbeiten auf Leitern hilfreich. Die Anschlussleitung ist wie bei fast allen Heimwerkergeräten leider zu kurz. Fünf Meter Kabel würde ich mir wünschen ...

Tolle Elektronik
- konstant und stufenlos

Die Konstantelektronik macht sich regelmäßig bemerkbar. Der Motor wird beim Arbeiten stetig unterschiedlich belastet, so dass die Elektronik für eine gleichbleibende Rotationsgeschwindigkeit ständig nachregelt. Das hört man deutlich am Betriebsgeräusch. Dieses ist nicht gerade leise, aber auch nicht wirklich laut. Arbeiten ohne Gehörschutz ist durch aus möglich. Der Motor läuft vibrationsfrei und in der Regel schleift man ohne jegliche Unwucht oder Rotationsdruck. 

Staubfrei Arbeiten - 
sehr gut, aber nicht immer garantiert

Die Maschine, der Schlauch und die Staubbox sind aus hochwertigen Kunststoffen gefertigt, die auch gut zu säubern sind. Ein feuchter Lappen genügt das Gerät zu säubern. Und das ist durchaus nötig. Schleifen, Bürsten sind leider mit Staub verbunden. Die Absaugung von Staub funktioniert gut, die Staubbox füllt sich zusehends. Mit der mechanischen Abklopfung des Filters bleibt die Absaugleistung erhalten. Die Raumluft bleibt in der Regel relativ sauber, ein Atemschutz empfiehlt sich allerdings. Und nach der Arbeit muss gründlifch gereinigt werden. Ideal ist ein Schleifen im Freien. 

Hausaufgabe für Bosch: 
Defekt beim ersten Gebrauch 

Hilfreich ist bei randnahem Arbeiten, dass ein Teil der Abdeckung entfernt werden kann. Es liegt dem Gerät ein kleiner Hebel bei, mit dem diese Abdeckung abgeklipst werden kann. Leider ist mir gleich beim ersten Versuch eine Lasche dieser Abdeckung abgebrochen. Hier muss Bosch definitiv nachbessern! Schade! Das darf nicht passieren. Ich habe mir mit einem Draht die Abdeckung provisorisch repariert. Denn ohne diesen Teil der Abdeckung ist die Staubentwicklung doch erheblich. 

Ohne Koffer oder Kiste,
aber staubfreier Transport

Das Gerät wird leider ohne Koffer geliefert. Durch das umfangreiche Zubehör ist ein Transport ohne Kiste, Karton oder Koffer kaum möglich. Ich habe hierzu zwei Stapelkisten verwendet. In einer kleineren werden die Zubehöre wie Schleifscheiben, Bürsten, Perforator, Schlauchadapter aufbewahrt und transportiert. In einer größeren die Staubbox mit aufgerolltem Schlauch und das Schleifgerät (Bilder) Gut durchdacht sind die Schlauchhalterungen an der Staubbox, da rieselt Reststaub beim Transport auch nicht aus dem Schlauch. Großes Lob an die Entwickler! 

Verbesserungsvorschlag
Kleine Idee , leicht umzusetzen

Zum Wechsel des Zubehörs braucht man einen Schlüssel wie für einen Winkelschleifer. Allerdings muss dieser speziell abgewinkelt sein. Ohne diesen Schlüssel ist ein Werkzeugwechsel kaum oder nur mit einer Rohrzange möglich. Der Schlüssel sollte also möglichst nicht verloren gehen. Ich habe mir deshalb einen kleinen Halter an die Staubbox geschraubt, in der der Schlüssel aufbewahrt werden kann. So ist dieser auch immer griffbereit. Materialwert des Halters einige Cent. Das könnte man serienmäßig beilegen. Anschrauben könnte sich dies der Kunde selbst. Anleitung: 
http://www.1-2-do.com/de/projekt/Schluesselhalter-am-PWR-180-CE/bauanleitung-zum-selber-bauen/4001577

Hochwertiges Zubehör umfangreich,
nur leider schlecht erhältlich

Das beim Kauf enthaltene Zubehör beim PWR 180 CE ist für viele Anwendungen hilfreich: Schleifscheibe mit drei Klettschleifscheiben, Bürsteneinsatz und Tapetenperforierer. 
Zusätzlich kann man Hartmetalltopfscheiben, Stahl- und Messingbürsten, eine Polierscheibe aber iach Diamantschleifscheiben kaufen. Das Zubehör ist leider nicht unbedingt günstig, die Qualität und damit verbunden die Standzeiten sind hingegen enorm. 

Leider ist das Zubehör in den meisten Baumärkten nicht im regulären Programm verfügbar. Auch im Internet sind Bestellmöglichkeiten rar und zumindest aktuell gibt es  Lieferengpässe auch bei Bosch-Vertragsfachhändlern. So sind derzeit Hartmetalltopfscheiben nicht zu bekommen (Februar 2015). 
Die Bürsteneinsätze sind durch Klicks einfach zu ersetzen. So spart man am Preis - man kauft nicht den kompletten Einsatz, sondern nur die Bürsten. Man könnte testen, ob man Bürsten wie Messing und Kunststoff abwechselnd montiert. Vielleicht trägt dies beim Holzmaserungen-Herausarbeiten zu einem gleichmäßigen, riefenfreien Ergebnis in einem Arbeitsgang bei. Was Auszuprobieren wäre ...

Ein tolles Gerät:
Absolute Kaufempfehlung

Auch wenn oben einige Kritik geäußert wurde, ist das zwar dem Gerät insgesamt etwas abträglich, aber in der Gesamtbewertung liegt eine absolute Kaufempfehlung vor. 

Es gibt kein vergleichbares Gerät auf dem Markt. Andere Renovierungsschleifer sind auf Staubsauger angewiesen, haben kein so breites Zubehör- und Anwendungsspektrum. Wenn man schon Geld ausgeben möchte, dann für ein Gerät, das möglichst universell eingesetzt werden kann. Die geringe Staubentwicklung lässt kurzzeitigen den Einsatz auch in Werkstätten oder in renovierungsbedürftigen Räumen zu. 

Bei versierten Heimwerkern dürfte das Gerät regelmäßig Einsatzzwecke finden. Sei es beim Schliff und Polieren von Steinstufen, beim Schleifen und Bürsten von Holz oder beim Entfernen von Tapeten. Aber auch Farbe kann wirkungsvoll abgeschliffen werden. Selbst Fliesenkleber und Beton sollen den leider aktuell nicht lieferbaren Hartmetall- und Diamantscheiben weichen. Wer hin und wieder Gipskartonplatten verarbeitet kann das PWR dazu nutzen, aber wer Sichtbalken im Haus schätzt, wird auf das PWR 180 CE kaum verzichten können (Profimaschinen kosten ein Vielfaches ...). Das PWR 180 CE ist ein wahres Wunderdingens mit unzähligen Anwendungsfunktionalitäten - eben ein echtes Tausendsassa.

Wer meint, "so was brauch ich nicht", wird sich wundern! - denn wer es hat, wird es nicht mehr hergeben wollen. Eine Säge sägt, ein Bohrer bohrt. Immer gibt es nur eine spezifische  Anwendung. Aber das PWR 180 CE schleift, bürstet, perforiert, poliert. Und das nicht nur einfach so, sondern auf höchstem Niveau, mit extremer Leistung und perfekten Ergebnissen. 

Hätte ich das alles vorher schon so gewusst, ich hätte das PWR schon längst gekauft. Deshalb auch Dank an das Entwicklerteam von Bosch: Ihr habt ein absolutes Tausendsassa erfunden. 

Anhang:
Kurzüberblick Testfragen

1. Was war Dein erster Gedanke?
"Herzlichen Dank! Da hat Bosch wirklich ein teures Testgeschenk geschickt!"

2. Welche Projekte hast Du gemacht? Wie bist Du vorgegangen und wie viel Zeit hast Du benötigt?
Im Text oben ist das meiste beschrieben. Die Wohnzimmerlampe aus dem Wald, Fliesenkleber und Putz entfernen, hartnäckige Latex-beschichtete Rauhfaser perforieren, Fugen von Gipskartonplatten schleifen, Baudielen mit herrlicher Holzmaserung veredeln. 
Insgesamt hat das Gerät wirklich stundenlange Arbeit geleistet. Ich schätze 20 bis 30 Stunden hatte ich das Gerät im Einsatz. 
Beim Schliff der Verspachtelung der rund 1000 Quadratmeter Gipskartonwände war ein Festool-Langhalsschleifer aber doch der Spezialist und die bessere Wahl - der Arbeitsradius ohen Leiter bis zur Decke hatte doch einen erheblichen Vorteil. Aber wer nur für den "Hausgebrauch" Verspachtelungen zu schleifen hat, ist mit dem PWR bestens bedient.

3. Handhabung und Bedienung.
Das Gerät ist leicht zu bedienen, auch mit Handschuhen. Die Bedienung der Drehzahl ist leider mit Handschuhen nur schwer möglich. Handgriff ist gut verstellbar und griffig. Schlauch sitzt fast zu fest in der Arretierung (besser als zu lose). Zubehörwechsel ist problemlos. 

Das Gerät ist kraftzehrend bei der Bearbeitung von Wänden und vom Gewicht plus Anpressdruck für die Decke fast zu schwer. auf der Leiter sind der Schlauch und die Anschlussleitung einfach zu kurz. Bei der Arbeit am Boden (Schleifen, Kleber entfernen ...) sehr gut zu führen. Manchmal etwas Unwucht beim Bürsten. 

Mit der Handhabung und Bedienung bin ich sehr zufrieden.

4. Zufriedenheit mit den Arbeitsergebnissen, Präzision des Schleifergebnisses
Die Ergebnisse waren durchweg perfekt. Besonders bei Arbeiten auf der Fläche - auf der Werkbank, am Boden genügt das Maschinengewicht die Schleifscheibe auf das Werkstück zu drücken. Es genügt die manuelle Bewegung. Das Schleifergebnis ist gleichmäßig und gut. erstaunlich ist der hohe Abtrag, der wohl auch der enormen Geschwindigkeit zu verdanken ist. Wobei die höchste Stufe 6 nur selten zur Anwendung kommt. Man muss eher aufpassen, dass nicht zu viel abgetragen wird. 

5. Wurden Erwartungen und Anforderungen erfüllt?
ja, durchweg.

6. Was kann man verbessern?
Schlüsselhalter an der Staubbox (Link meiner Umsetzung oben als Projekt) 
Haltenase an der Abdeckung für randnahes Arbeiten brach beim ersten Abnehmen ab. Das muss definitiv etwas geändert werden (anderer Tester hatte das gleiche Problem).
Der kleine Schlüssel aus Kunststoff zum Abnehmen der Kappe "Randnah Schleifen" geht lose wie er ist leicht verloren. Könnte man diesen nicht an der Staubbox anbringen (Anklipsen, Halterung ...)?
Dem Gerät ist ein Übersichtsblatt der Zubehörteile beigefügt. Leider sind hierauf keine Drehzahlempfehlungen angegeben. Diese findet man in der Bedienungsanleitung. Bitte diese dort aufnehmen. Ich habe diese von Hand übertragen und das Blatt laminiert. So kann dieses mit dem Gerät genutzt werden. Klare Empfehlung an Bosch dieses ebenso umzusetzen.

7. Weitere Projekte in der Zukunft?
Viele Baudielen bearbeiten - Säubern, Abschleifen, Maserung herausarbeiten, Wachs einpolieren.
Daraus Theken-Arbeitsplatten und Couchtisch herstellen.

Demnächst Entfernen eines Linoleumbodens und Abschleifen des Bitumenklebers zur Neuverlegung im Treppenhaus.

Perforierung weiterer Tapeten, die mit Latex gestrichen wurden.

Schliff und Polieren unserer Naturstein-Eingangstreppe am Haus.

Lose Putzstellen am Haus abschleifen und neu verputzen. 

Bürsten von Terassendielen.

Betonboden meiner Werkstatt abschleifen und mit Betonfarbe streichen.

Ich glaube Einsatzzwecke für das PWR gehen mir nicht so schnell aus ... denn schließlich kann das PWR nicht nur dies, sondern auch das und das und ...
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Nicht schlecht, man sieht dass du das Gerät lebst... Leider ist dadurch der Textfluss etwas unterbrochen, da du hin und her springst; keine Kritik, echt lesenswert
2015-04-13 13:35:54

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