PMF 250 CES
der Alleskönner

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Elektrowerkzeuge auf die Probe

PMF 250 CES 1 Kommentar
Vom 29.12.12 Geändert 2012-12-29 15:03:00
Prolog

Meinen ursprünglichen Plan, den PMF 250 CES während der Renovierungsarbeiten unseres "neuen" Hauses zu verwenden, musste ich leider grundlegend überdenken; nicht zuletzt, weil dieses Haus am Ende doch nicht das unsere werden sollte. Aber das ist eine andere Geschichte. Nur so viel sei als Rat an alle zukünftigen Hauskäufer mitgegeben: lasst euch von der Bank des Vorbesitzers - schriftlich! - bescheinigen, dass der vereinbarte Kaufpreis für eine Lastenfreistellung ausreichend ist...  

Statt Rohre bündig mit der Wand zu schneiden und Türzargen für Laminat auszuklinken musste ich also kurzfristig eine neue Spielwiese zum Testen des PMF 250 CES finden. Und ich bin fündig geworden - und herausgekommen ist neben diesem Bericht auch noch ein kleines Extra-Weihnachtsgeschenk für unsere einjährige Tochter. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, war sie selbst es eigentlich, die mich auf die passende Idee gebracht hat. Sie hat angefangen das Hinsetzen und Sitzen für sich zu entdecken, doch leider bietet unser jetziges Haus abgesehen von der untersten Treppenstufe nicht viel, was eine passende Höhe und Tiefe dafür hat. Ein kleiner, in den Abmessungen auf sie abgestimmter Stuhl sollte es also werden.   Um das Gerät entsprechend zu fordern, durfte das Design also nicht zu "gerade aus" sein, Rundungen mussten her, Winkel abseits der 90°, handwerkliche anspruchsvolle Verbindungen, ... Aber halt, Weihnachten ist gar nicht mehr so weit hin, auch soll der Testbericht ja bis Ende DIESEN Jahres fertig sein. Der Kompromiss am Ende war dann ein einfaches, aus drei Brettern bestehendes Grundgerüst für den Stuhl in "h"-Form (aus der Betrachtung von der Seite), mit durchgestemmten Zapfenverbindungen für die Verbindungen zwischen Sitzfläche und Lehne (in rechteckiger Ausführung) bzw. zwischen Sitzfläche und "Vorderbeinbrett" (in Schwalbenschwanz- bzw. Trapezform). Zur Stabilisierung habe ich noch eine Zarge zwischen Vorderbeinbrett und Lehne mit einer Schlitz-Zapfen-Verbindung angebracht.   

Bis auf eine Ausnahme - die abschließende Profilierung der Kanten mit einem Rundfräser in der Kantenfräse - sollte der PMF 250 CES nach dem Auftrennen des verwendeten Leimholz-Bretts das einzige Elektro-Werkzeug beim Bau des Stuhls sein. Darüber hinaus habe ich neben diversen Anreiß- und Messwerkzeugen im Wesentlichen nur noch Stemmeisen für die Feinarbeiten verwendet.

Lieferumfang und erster Eindruck

Bevor es jetzt aber an die Herstellung des Stuhls und den damit verbundenen Einsatz des PMF 250 CES geht, ein paar Worte zum Gerät selbst. Geliefert wurde ein Koffer mit dem PMF, einem anschraubbaren Zusatzgriff, einem Segmentsägeblatt mit optionalem Tiefenanschlag für 8, 10, 12 und 14 mm, einem Tauchsägeblatt, einer Delta-Schleifplatte mit einer Handvoll Schleifblätter sowie ein starrer Schaber. Selbstverständlich war auch eine Bedienungsanleitung mit an Bord.

Letztere beschreibt verständlich und in ausreichender Ausführlichkeit die Verwendung des Geräts. Neben den Geräte-spezifischen Informationen finden sich aber auch allgemeinere Hinweise, wie z.B. eine Beschreibung der Einsatzzwecke für verschieden Körnungen beim Schleifpapier. Auch fehlt nicht eine Übersicht über Sinn und Zweck der verschiedenen Werkzeug-Typen, die mit dem PMF 250 CES verwendet werden können. Mein Lieblingssatz befindet sich aber auf Seite 12 der Bedienungsanleitung: dort steht im Abschnitt "Schleifen" geschrieben: "Schließen Sie zum Schleifen immer eine Staubabsaugung an". Jene ist auch auf einer der Abbildungen zu Beginn der Bedienungsanleitung abgebildet, allerdings mit dem netten Hinweis "Abgebildetes oder beschriebenes Zubehör gehört nicht zum Standard-Lieferumfang". Hier möchte ich bereits einen kleinen Vorgriff auf meine Erfahrungen mit dem Gerät wagen. Eben jene fehlende Möglichkeit der Staubabsaugung sorgt dafür, dass sich beim Schleifen feiner Schleifstaub auf dem Werkstück und im Schleifblatt sammelt, sodass nach kurzer Zeit der Schleifeffekt nahezu völlig verpufft. In der Konsequenz bedeutet das, dass der PMF sehr häufig abgeschaltet und Schleifblatt und Werkstück vom Schleifstaub befreit werden müssen. Die einzige Staubabsaugung, die im Boch Zubehörprogramm für Multifunktionswerkzeuge zu finden ist, ist übrigens mit dem Hinweis "für PMF 10,8 V Li" versehen (Bestell-Nr. 2609256986).

Nun aber zum Gerät selbst. Was mich als erstes schier begeistert hat, ist der neue werkzeuglose Zubehörwechsel. Bei meinem GOP 10,8 V-LI Professional (die Akku-Variante des Multifunktionswerkzeugs in blau) war das immer der Teil, der auf Dauer extrem genervt hat. Hier musste immer erst der passende Imbus-Schlüssel her, um dann die das Zubehör fixierende Schraube komplett rauszudrehen, das Werkzeug zu wechseln, um dann die Schraube wieder komplett einzudrehen. Mit dem PMF 250 CES geht der Zubehörwechsel nun um ein vielfaches schneller: einfach den SDS-Hebel (dieser rote Knubbel vorne oben am Gerät) aushaken und aufdrehen. Damit dreht sich unten ein ausgeklinkter Bolzen heraus, der im festgezogenen Zustand das gerade verwendete Werkzeug fixiert. Dieses kann nun getauscht und durch Drehen des SDS-Hebels in die entgegengesetzte Richtung wieder fixiert werden. Der Hebel wird dann wieder eingerastet, was ein Lösen durch die Vibration des Geräts im Betrieb wirksam verhindert. Fein gelöst würde ich sagen :)  

Der PMF 250 CES im Einsatz  

Nun aber zur vielleicht spannendsten Frage: wie schlägt sich der PMF 250 CES im praktischen Einsatz? Wie weiter oben ja bereits angerissen, habe ich das Design des Test-Projekt-Stuhls ja bewusst etwas herausfordernder (für das Gerät und dessen Anwendung) gestaltet. Da die einzelnen Schritte des Stuhlbaus im dazugehörigen Projekt beschrieben sind, liegt das Augenmerk hier jetzt ausschließlich auf dem Einsatz des PMF während der Herstellung des Stuhls.   

Die Kontur der Sitzfläche, ein symmetrisches Trapez mit an der langen parallelen Seite stark abgerundeten Ecken (d=10cm) ließ sich unter Verwendung des Tauchsägeblatts zügig und präzise ausschneiden. Das Werkstück war dabei in der Vorderzange eingespannt. Besonders positiv hat mich überrascht, wie selbstverständlich mit dem PMF 250 CES die Rundungen geschnitten werden konnten. Auch die Spurtreue bei gleichmäßig moderatem Vorschub bei den geraden Schnitten ist als durchweg gut zu bezeichnen. Als nächstes folgten die Ausschnitte für die Zapfen des Vorderbeins. Hier kam auch zum ersten Mal der mitgelieferte Zusatzhandgriff zum Einsatz. Ich habe festgestellt, dass damit eine für diese Ausschnitte besonders wichtige senkrechte Ausrichtung des Sägeblatts zum Werkstück deutlich einfacher ist als mit beiden Händen am Gerät, da der Zusatzhandgriff hier wie eine Drehachse für die Ausrichtung verwendet werden kann. Bei diesen Ausschnitten wurde ich dann mit den ersten - kleineren - Problemen konfrontiert: das präzise Ansetzen an der angerissenen Markierung war für mich - aufgrund fehlender Übung, es wurde mit der Zeit tatsächlich einfacher - zuerst nahezu unmöglich. Hier habe ich also auf Sicherheit gesetzt und mit ein wenig Abstand zur Markierung gesägt. Das Vorarbeiten auf die Markierung war im Anschluss aber schnell mit dem Stemmeisen erledigt und später auch nicht mehr erforderlich.
Das zweite Problem war, dass das mitgelieferte Tauchsägeblatt für die kürzeren Kanten der Ausschnitte schlicht zu breit ist. Glücklicher Weise können für den PMF 250 CES aber auch die Werkzeuge eingesetzt werden, die mit dem GOP geliefert wurden. Da dort auch ein sehr schmales Tauchsägeblatt zum Lieferumfang gehörte, war auch dieses Problem schnell gelöst. Das Ausschneiden der Zapfen an der hinteren Kante der Sitzfläche (zur Verbindung mit der Lehne) war jedenfalls dann schon fast Routine. Aber auch nur fast - die unter Verwendung des PMF hergestellten Verbindungen waren am Ende alle auch ohne Leim schon sehr stabil, allerdings noch nicht so passgenau und präzise, wie es mir mit länger geübten Techniken gelingt. Zum Zuschnitt der Lehne kann ich nur zum gleichen Ergebnis kommen wie beim Zuschnitt der Sitzfläche - das Ergebnis ist, gerade unter Berücksichtigung der fehlenden Routine mit dem PMF 250 CES, absolut überzeugend. Für die Schlitz-Zapfen-Verbindung der zur Stabilisierung angebrachten Zarge zwischen Lehne und Vorderbein hätte ich gerne das Segmentsägeblatt in Kombination mit dem Tiefenstopp eingesetzt, bei einer Materialstärke von 18 mm würde bei acht mm Mindesttiefe (die kleinste Einstellmöglichkeit beim Tiefenstopp) aber nur ein 2 mm breiter Zapfen übrig bleiben. Bei größeren Querschnitten dürfte diese Werkzeugkombi auf jeden Fall zu den schnelleren Möglichkeiten gehören die Zapfen für Schlitz-Zapfen-Verbindungen herzustellen.
Doch auch das Segmentsägeblatt ist beim Stuhl noch erfolgreich zum Einsatz gekommen: die durchstemmten Zapfen habe ich jeweils wenige Milimeter länger gelassen als das Material stark ist. Nach dem Verleimen konnte ich mit dem Segmentsägeblatt die Überstände schnell und einfach flächenbündig entfernen. Die dabei entstandenen kleinen Riefen (eher Kratzer) waren nach dem ersten Schleifgang auch schon wieder verschwunden.  

Fazit  

Das absolute Highlight des PMF 250 CES ist in meinen Augen eindeutig das SDS-System zum werkzeuglosen Zubehörwechsel. Verglichen mit der Schraub-Variante des GOP wird hier nur noch ein Bruchteil der Zeit benötigt. Aber nicht nur hier ist das Gerät dem "blauen Bruder" überlegen; auch was die Leistung angeht muss sich der PMF 250 CES nicht verstecken. Aber wo Licht ist, ist auch Schatten, der sicher hier in Form von Schleifstaub materialisiert. Durch die fehlende Möglichkeit der Staubabsaugung wird das Schleifen mit dem PMF 250 CES schnell zur Geduldsprobe. Nichts desto Trotz macht das Gerät einen separaten Delta-Schleifer meiner Meinung nach überflüssig. Nicht zu unterschätzen ist die nötige "Gewöhnungsphase" zwischen Mensch und Maschine; auspacken und gleich voll loslegen hat zumindest bei mir nicht funktioniert. Mit ein wenig Übung lassen sich aber in kurzer Zeit sehr vorzeigbare Ergebnisse erzielen. Die Herstellung des Stuhls hat mich vom ersten Zuschnitt des Leimholzbretts bis zu "Fertig für's Finish" gerade einmal zwei angebrochene Vormittage gekostet. Zum Vergleich - ich habe noch einen zweiten Stuhl ähnlicher Machart für meinen kleinen Neffen gebaut, dieses Mal aber ohne den PMF 250 CES zu verwenden. Die benötigte Zeit hierfür war geringer und das Ergebnis schon etwas besser. Allerdings würde ich mich nicht soweit aus der Deckung wagen und behaupten, dass dies ausschließlich auf die bessere Eignung der beim zweiten Stuhl verwendeten Werkzeuge und nicht auch - wenigstens teilweise - auf mangelnde Erfahrung mit dem PMF 250 CES zurückzuführen ist. Eine durchaus sinnige Ergänzung ist der anschraubbare Zusatzhandgriff, lässt sich damit das Gerät für Feinarbeiten doch deutlich präziser steuern und führen als mit beiden Händen (oder gar nur einer) am Gerät. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir die Staubabsaugung im Standard-Lieferumfang wünschen. Ein Aspekt, der bislang noch keine Berücksichtigung in meinem Bericht gefunden hat ist die Lautstärke des Geräts im Einsatz - ein Gehörschutz ist hier auf jeden Fall angeraten. Abschließend ist eins jedenfalls sicher - zurück in den Koffer wird der PMF 250 CES sicher nicht kommen, sondern mein kleines Sortiment von "ständig-an-der-Werkbank-einsatzbereit"-Werkzeugen ergänzen...  
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Das Test-Projekt rechts im Bild und links daneben das Referenz-Objekt
1/6 Das Test-Projekt rechts im Bild und links daneben das Referenz-Objekt
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Hallo Zusammen,

den Thread zur Diskussion über diesen Testbericht findet Ihr unter http://www.1-2-do.com/forum/showthread.php?p= 298506#post298506.
2013-02-01 18:11:46

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