PLR 50 C – Ein neuer Maßstab für Perfektion

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Test Grundriss erstellen mit dem PLR 50 C 1 Kommentar
Vom 20.05.15 Geändert 2015-05-20 22:31:01
Intro
Ich habe schon seit einiger Zeit nach einem Laserentfernungsmesser gesucht, mit dem die Messwerte auch sinnvoll elektronisch in einem Grundriss oder Plan weiter verarbeitet werden können. Der Produkttest des PLR 50 C kam hier sehr gelegen, um ein solches Gerät im „Alltagsbetrieb“ (also im Heimwerkereinsatz) ausprobieren zu können. Die wenigen und eingeschränkten Messungen, die bei Produktvorführungen im Baumarkt gemacht werden können, bieten eben nicht ansatzweise einen ordentlichen Überblick über die Leistungsfähigkeit solcher Geräte bzw. der damit gekoppelten App.

Das Projekt
Ich wollte einen Grundriss unseres gesamten Hauses (eine Doppelhaushälfte) erstellen und bemaßen, da wir einen solchen Plan bisher nicht haben.

Der PLR 50 C und seine Handhabung
Der PLR 50 C ist ein handliches Gerät und kommt dank seiner Touch-Funktion mit nur einer einzigen Taste aus. Diese Taste wird im Wesentlichen zum Ein- und Ausschalten sowie zum Übernehmen des Messergebnisses benötigt. Alle messspezifischen Funktionen werden über den Touchscreen bedient. Bei der ersten Aktivierung wird eine am Bildschirm geführte Grundkonfiguration vorgenommen, die später auch jederzeit wiederholt werden kann. Leider ist der PLR 50 C nur für den Betrieb mit AAA-Batterien (alternativ AAA-Akkus) ausgelegt, ich hätte hier einen Akkubetrieb mit wechselbarem LI-Akku erwartet. Der Messwert kann entweder an der Vorderkante (Laseraustritt) oder an der Hinterkante oder mit der ausklappbaren, multifunktionalen Anschlagplatte abgenommen werden. Diese Anschlagplatte kann in 2 Stellungen arretiert werden: einmal komplett ausgeklappt um eine Messung korrekt aus einer Ecke heraus ausführen zu können und einmal um 90 Grad abgewinkelt zum Gehäuse um den PLR 50 C an einer freien Ecke im Raum (Mauervorsprung z.B.) ansetzen zu können. In dieser Stellung ist mir die Arretierung allerdings etwas zu wackelig… Das Ausklappen der Anschlagplatte muss dann noch zusätzlich am Display über die Touchfunktion aktiviert werden, dieses würde ich aber auch automatisch erwarten. Vor der ersten Messung kann (und soll) man sich gerne die Hilfe am Bildschirm des PLR 50 C einmal ansehen, so wird gleich Schritt für Schritt deutlich, wie die einzelnen Funktionen arbeiten sollen. Ein Handbuch ist somit für den sofortigen, einfachen Gebrauch eigentlich überflüssig… Sollen jedoch die einzelnen Funktionen ausgiebiger genutzt werden empfiehlt sich schon der ausführliche Blick ins Handbuch. Der PLR 50 C wird mit einer praktischen Gürteltasche und einer (in meinen Augen unnötigen) Handschlaufe, einem Satz Batterien und einem Handbuch geliefert. Im Stand-Alone Betrieb ist das Gerät sehr einfach und vielseitig einsetzbar, wobei die jeweiligen Messfunktionen über den Touchscreen ausgewählt und die Messwerte dann mit der Messtaste übernommen werden. Sehr einfach zu bedienen ist z.B. der eingebaute Neigungsmesser, der aber immer nur von der Waagerechten aus den Winkel anzeigt, die Messung des Innenwinkels einer Dachschräge habe ich mit dem PLR 50 C nicht hinbekommen, hier müsste anstatt 45 Grad ja eigentlich 135 Grad angezeigt werden können… Mit fehlte hier die Funktion, neben dem Innenwinkel auch den Außenwinkel ablesen zu können. Besonders die Additions- / Subtraktionsmessung ist ein für mich ein sehr hilfreiches Instrument, da beliebig viele Messungen addiert / subtrahiert oder auch kombiniert werden können. Auch die Flächen- oder Volumenbemaßung ist wirklich sehr einfach gelungen, einfach die gewünschte Messung am Touchscreen auswählen, Messvorgang mit der Messtaste aktivieren und bei Flächen 2 Messungen, bei Volumen 3 Messungen durchführen, das Ergebnis wird sofort am Display angezeigt. Auch die Addition / Subtraktion von Flächen oder Volumen ist durch die Führung am Bildschirm sehr einfach durchzuführen. So macht das Berechnen von Flächen (für Farb- oder Tapetenbedarf etc.) echt Laune. Auch hier können beliebig viele Additionen / Subtraktionen hintereinander durchgeführt werden, z.B. zuerst alle Wände brutto addieren, anschließend dann alle Fenster und Türen subtrahieren, fertig!!! Bei der Messung von Winkeln ist wirklich gut, dass der Messwert „eingefroren“ und dann später abgelesen werden kann. Das ist sehr hilfreich, wenn die Messstelle nicht direkt eingesehen werden kann. Ein in meinen Augen besonderes Goodie ist die enthaltene Wasserwaage-Funktion. Der PLR 50 C kann hier eine multidirektionale Wasserwaage ersetzen und somit prima zum Ausrichten von Möbeln oder ähnlichem verwendet werden. Die Wasserwaage kann ebenfalls per Touchscreen oder über die Messtaste „eingefroren“ werden, um einen Messwert an einer schlecht einsehbaren Stelle abnehmen zu können. Man muss halt nur schnell genug beim Ausrichten sein, damit die Energiesparfunktion den PLR nicht zwischendrin einfach abschaltet… Soweit, so gut… Der Entfernungsmesser allein funktioniert wirklich sehr gut und sehr einfach. Dank seiner aktiven Führung am Bildschirm behält man den nächsten Schritt auch bei komplexeren Messungen sehr einfach im Blick, vorausgesetzt, die Arbeitspause war nicht zu lang und der PLR 50 C hat sich schlafen gelegt… Aber selbst in diesem Fall gibt es Rettung in der Not: der PLR 50 C speichert die letzten 10 kompletten Messungen und Ergebnisse in seiner internen Liste ab, von wo aus diese Werte auch wieder nachgesehen werden können. Neben den Ergebnissen wird auch die Funktion (z.B. Flächenmessung) angezeigt, die zu diesem Messergebnis geführt hat. Leider ist die Batterielaufzeit mit den mitgelieferten Batterien nicht besonders gut, diese sind nach dem Test quasi leer. Zum Vermessen einer ganzen Wohnung sollte auf jeden Fall ein frischer Satz Batterien (Akkus) und bei Verwendung der App auch ein voller Tablet-Akku vorhanden sein, sonst kann die Dokumentation recht schnell beendet sein…

Der PLR 50 C und die PLR Measure & Go App
Ein Laser Entfernungsmesser, der mit einem C für Connectivity über Bluetooth in seinem Namen wirbt muss natürlich mehr können, als ein Laser Entfernungsmesser, der die Messwerte nur anzeigen, aber nicht übermitteln kann. Die zugehörige PLR Measure & Go App wird in diesem Test zwar nur in einer einzigen Frage zur Bewertung gestellt, aber hier zeigen sich aus meiner persönlichen Einschätzung noch die größten Defizite. Ich habe die App auf einem Apple IPad 3 getestet. Sehr wichtig ist es, die Bildschirmarretierung des Ipad unbedingt zu aktivieren, bevor mit der App gearbeitet wird. Die App versucht zwar, alle Elemente im Arbeitsbildschirm korrekt mit zu drehen, wenn die Ausrichtung geändert wird, aber die Beschriftungen und Texte bleiben doch ab und zu mal (meistens dann im exportierten Projektdokument) falsch stehen… Ipad und PLR miteinander verbinden Der PLR 50 C kann nur innerhalb der PLR Measure & Go App verbunden und genutzt werden. Der PLR taucht in der Bluetooth Liste des Tablets nicht auf. Somit kann auch keine andere App diese Daten nutzen, wenn sie sie denn verstehen würde. Diese Einschränkung empfinde ich als klare Einschränkung in der Flexibilität, sie widerspricht auch dem offenen Kommunikationscharakter solcher Endgeräte. Ferner wird der PLR 50 C auch nur von der PLR Measure & Go App erkannt, eine Koppelung mit anderen Bosch Apps (z.B. die Bosch Professional Floorplan App) ist aus meiner Sicht unsinnigerweise unterbunden worden. Das erstmalige Verbinden geht recht einfach vonstatten, man(n) muss nur verstehen, dass der angezeigte Entfernungsmesser nicht markiert werden muss. Hier muss man einfach nur warten und die App regelt nach wenigen Sekunden alles automatisch. Begeht man den Fehler, den PLR markieren zu wollen, wird dieser gelöscht und die App muss neu installiert werden, um den PLR wieder neu zu erkennen… Das sollte noch verbessert werden!!! Die PLR Measure & Go App Beim Durchsehen der App musste ich leider schon direkt feststellen, dass eine Funktion zur Erstellung eines echten Grundrisses nicht ansatzweise vorhanden ist. Die App ist in Projekten organisiert. Zum Erfassen von Messwerten ist ein Projekt zu öffnen oder neu anzulegen. Erst wenn ich in einem Projekt in den Arbeitsbereich gehe und dort einen neuen Plan erstelle kann ich wählen, ob dieser Plan auf Millimeterpapier oder Fotos basieren soll. Plan auf Fotos basierend Hier erstelle ich direkt in der App mit der integrierten Kamera eines Smartphones oder Tablets ein Foto von dem zu dokumentierenden Ausschnitt. Hier zeigt sich sehr schnell, dass die in den Smartphones / Tablets verbauten Kameras für solche Aufgaben einfach nicht taugen, da deren Brennweite für diesen Zweck zu wenig in Richtung Weitwinkel geht. Gerade bei einer Wohnungsbesichtigung müssten so sehr viele kleine Ausschnitte fotografiert werden, die dann in der Bemaßung entsprechend aufwändig sind. Ferner ist eine ordentliche Übersicht mit vielen Bildern eben auch nicht mehr möglich. Wurde ein Bild aufgenommen und für gut befunden können in dem Bild jetzt viele ergänzende Informationen eingefügt werden. Es können Pfeile für die Bemaßung eingesetzt werden, die nach dem Einsetzen dann auch gleich automatisch den nächsten kompletten Messwert von einem verbundenen PLR 50 C erhalten. Dazu muss der gezeichnete Pfeil aber das aktive Element auf der Arbeitsfläche bleiben. Kleine Pfeile sind hinterher aber nur sehr mühsam zu verschieben. Werden die Endpunkte von Objekten verschoben erscheint eine Lupe zur Positionierung des Endpunktes. Diese Lupe ist jedoch zu klein und vergrößert zu wenig und ist daher nicht gut brauchbar. Es können Notizen auf das Foto aufgebracht und mit erklärenden Texten versehen werden. Diese Notizen werden dann wie Post-It Zettel dargestellt und fortlaufend nummeriert. Neben den Notizen können auch noch erklärende Texte eingefügt werden, die dann allerdings auf maximal 15 Zeichen begrenzt sind. Hier gehen also wirklich nur Hinweistexte wie „Kellertür“, „Heizung“ oder ähnliches… Es können noch Rechtecke eingefügt werden, die aber nur in der Fläche, nicht aber an den erfassten Seiten bemaßt werden. Länge und Breite des Rechtecks können also hinterher nicht mehr nachvollzogen werden… Das ist in meinen Augen ein großer Nachteil, denn auch in dem exportierten Projekt stehen diese Angeben nicht drin. Bei den Winkellinien können die 3 Eckpunkte nach dem Einsetzen zwar beliebig verschoben werden, es kann aber wieder nur der Winkel aus der Waagerechten heraus eingemessen werden, was bei Dachschrägen z.B. zu einem falschen Wert führt. Die Schenkel des Winkels können nicht bemaßt werden, auch das ist ein klares Manko. Die Farben der Elemente (Linien und Rechtecke) können verändert werden Die Bemaßung der Linien kann auch manuell nachgetragen werden Ein fertiges Projekt kann dann abschließend per Email (aber auch nur per Email, andere Dienste (z.B. Dropbox oder ähnliches) werden nicht angeboten) versendet werden. Es wird dann ein PDF mit allen Bildern und den Bemaßungen sowie den Notizen erstellt. Dieses PDF ist gut und übersichtlich gestaltet, es gehen alle enthaltenen Informationen und Messungen aus diesem Dokument hervor. Das PDF wird auf eine angenehm kleine Datenmenge heruntergerechnet. Das PDF wird allerdings immer nur als Project.PDF gespeichert, Hier wäre der Projektname als Dateiname schon sehr angebracht… Leider können Projekte nur gesamthaft mit allen Bildern versendet werden, eine Aufteilung oder ähnliches ist nicht vorgesehen. Plan auf Millimeterpapier basierend Bei dieser Variante habe ich die deutlich größte Enttäuschung erlebt, denn diese Funktion ist in meinen Augen ehrlich gesagt schlicht weg unbrauchbar und eine Zumutung selbst für Privatanwender. Einige der Mängel gehen aus der Wunschliste für die App-Verbesserungen hervor, alles andere lohnt einfach nicht, in Worte zu fassen…

Wunschliste für Verbesserungen des PLR 50 C:
- Verwendung eines auswechselbaren LI-Akkus (Handyakku)
- Ladeanschluss über Micro-USB-Kabel (z.B. Zigarettenanzünder)
- Bei Neigungsmessung Anzeige von Innen- und Außenwinkel (wählbar als Messergebnis)
- Display-Dimm (Zeit) und Tonsignale (Lautstärke) sollten einstellbar sein
- Ein- / Ausgeklappte Anschlagplatte aktiviert automatisch die neue Bezugsebene
- Bei aktiver Bluetooth Verbindung sollte die Energiesparfunktion anders gehandhabt werden, der dauernde Verbindungsverlust zwischen den Messungen nervt doch ziemlich

Wunschliste für Verbesserungen der PLR Measur & Go App
- Polygonbemaßung für echte Grundrisse
- Versand der Projektdaten auch an andere Dienste
- Zoomfunktion bei Millimeterpapier mit Zoom der enthaltenen Objekte
- Korrekte Länge der Pfeile orientiert am Millimeterpapier
- Pfeile müssen rechtwinklig (Standard) miteinander verbunden werden können
- Pfeile müssen frei oder mit Rasterwerten winkelig verbunden werden können
- Rechtecke / Quader müssen die Seitenmaße bekommen und anzeigen
- Winkel müssen den korrekten Winkel und die Schenkelmaße bekommen und anzeigen

Fazit
Ein gutes und flexibles Messgerät mit vielen sinnvollen und gut durchdachten Funktionen, aber auch noch mit erheblichem Potential für in meinen Augen sehr sinnvolle und wichtige Verbesserungen, das leider einen sehr hohen Preis hat, den ich für ein solches Gerät einfach nicht zahlen würde. Der Preisunterschied von 50,- Euro zum PLR 50 muss hier klar als Entwicklungsbeitrag für die PLR Measure & Go App bewertet werden und für einen solchen Betrag kann man ehrlich gesagt schon etwas deutlich besseres als die PLR Measure & Go App erwarten. Warum eigentlich unbedingt eine App neu „erfinden“, wenn es fertige und gute Apps im Hause Bosch bereits gibt (z.B. Bosch Professional Floorplan)? Eine App kann sehr wohl flexibel auf ein angeschlossenes Endgerät reagieren und z.B. die Farbgestaltung diesem Endgerät anpassen und echte Profifunktionen wie Wandstärken usw. auch einfach ausblenden… Die zugehörige PLR Measure & Go App ist wirklich sehr am privaten Gebrauch orientiert und selbst für diesen Einsatzzweck fehlen ihr einige wichtige Funktionen, die das Messerlebnis beim Einsatz der App deutlich verbessern und um einiges sinnvoller gestalten könnten. So ist die App nicht wirklich brauchbar… Die eigentliche Dokumentation nur auf Fotos basierend zu machen ist schon sehr fragwürdig, denn viele Wohnungen, die besichtigt werden dürfen nicht fotografiert werden, da die dort noch wohnenden Menschen dieses nicht wollen. Das gesteckte Ziel, einen Grundriss für unser Haus zu erstellen konnte mit der Kombi PLR 50 C plus der PLR Measure & Go App klar nicht erreicht werden, es konnten aber Fotos, die intern bemaßt wurden erstellt werden, die einen brauchbaren Eindruck von einem Haus / einer Wohnung liefern können. Dieser Eindruck ist aber noch sehr weit entfernt von einem verwertbaren Grundriss oder einer sinnvollen Grundlage für die Planung der Wohnungseinrichtung.
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Hallo zusammen,

den Thread zur Diskussion über diesen Testbericht findet Ihr unter http://www.1-2-do.com/forum/showthread.php?p= 925052#post925052.

Viele Grüße,
Björn
2015-07-03 17:35:06

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