PKS 66 AF- Die leistungsstarke Handkreissäge von Bosch

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Das ergonomische Kraftpaket 3 Kommentare
Vom 27.01.15 Geändert 2015-01-27 17:25:17
Lieferumfang

Die Säge wurde in einem stabilen Karton mit dem folgenden Zubehör geliefert:
  • Säge
  • Parallelführung
  • Klemmen für die Schiene
  • Schiene 3-teilig zum zusammenstecken
  • Absaugadapter
  • Clean-box als Spanfänger
  • 12-Zahn HM-Sägeblatt Speedwood
  • Bediengungsanleitung


Erster Eindruck

Der erste Eindruck von der Säge ist schon mal recht ordentlich. Nichts klappert oder wackelt. Auffällig ist das Gewicht von gut 5 kg. Wenn man jedoch die Motorleistung von 1600 Watt und die Sägeblattgröße von 190 mm berücksichtigt, geht das in Ordnung.
Zur Überraschung ist die Führungsschiene in 3 Teilen bestehend. Aus anderen Erfahrungsberichten der Säge wusste ich bereits, dass die Schiene aus Kunststoff und mehrteilig ist. Der Zusammenbau geht so schnell wie unspektakulär. Man schiebt einfach die Nut und Feder zusammen und klickt auf der Rückseite die beiden roten Arretierungen zusammen. Ich war überrascht, wie gerade die 3 Teile zusammenpassen. Die Abweichung beträgt höchstens ein paar Zehntel Millimeter auf der gesamten Länge.
Die Klemmen für die Führungsschiene haben kleine „Nupsies“, die in die Ausbuchtungen der Schiene passen. Das Stromkabel ist relativ kurz, so dass man auf eine Verlängerung angewiesen ist, wenn man einen grösseren Aktionsradius benötigt.
Einen Spaltkeil hat die Säge nicht, was das Auftrennen von dickem Massivholz schwieriger werden läßt.

Führungsschiene

Hier lohnt es sich einen Blick in die Bedienungsanleitung zu wagen und nachzulesen, wie man die Schiene einsetzen sollte. Zunächst muss auf beiden Seiten die Gummilippe auf einer geeigneten Unterlage eingeschnitten werden. Die 90°-Seite muss mit gerade gestelltem Sägeblatt angesägt werden. Die 45° Seite muss mit der 45°- Gehrungseinstellung vorgeschnitten werden.
Ich habe schon einige Jahre Erfahrung mit Führungsschienen aus Aluminium und bin beim Sägen von Platten so vorgegangen, wie ich es bisher gewohnt war: Führungsschiene mit Überstand auflegen, Klemmen befestigen, Säge auf die Schiene (hier also den Überstand) stellen und lossägen.... falsch!

Die Kunststoffschiene ist nicht sonderlich biegesteif. Stellt man die nicht gerade leichte Säge darauf ab, um ein Brett oder eine Platte zu schneiden, biegt sich die Schiene deutlich durch. Dadurch kommt eine ungewollte Bewegung in den Sägeablauf, bei dem die Gummilippe angesägt wird. Dies ist beim 45°-Schnitt deutlich ausgeprägter als beim geraden Schnitt. In der Bedienungsanleitung steht, dass die Schiene bündig mit dem Werkstück liegen sollte. Dadurch wird verhindert, dass die Schiene frei schwingen kann und die Lippe am Sägeblatt rattert. Mein Fehler, dass ich das nicht sofort gemacht habe.
Wenn die Gummilippe vorne beschädigt wird, ist dies zweifach ärgerlich. Einerseits dient die vordere Kante der Gummilippe als Splitterschutz, andererseits hilft sie beim miliimetergenauem Anlegen, da die Gummikante gleich der Schnittkante ist.
Setzt man die Schiene entsprechend der Bedienungsanleitung ein, funktioniert das schon deutlich besser. Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack, da die Säge nachdem man das Werkstück gesägt hat, übersteht und die Gummilippe dadurch etwas beschädigt wird. Beim Schnittanfang ist es auch so, dass die Säge keine echte Führung hat und man ein paar Grad nach links oder rechts den Schnitt beginnen kann. Auf den ersten paar Zentimetern wird die Gummilippe im Laufe der Zeit von der idealen Sägelinie abweichen. Wenn man das berücksichtigt, so ist die Schiene eine echte Bereicherung bei 90° Schnitten, da die Kante der Gummilippe ziemlich exakt die Schnittkante darstellt. Ist die Kante intakt wird das Ablängen ein Kinderspiel mit einem sehr gutem Schnittergebnis. Ausrisse werden weitgehend vermieden.

Bei der 45° Einstellung finde ich das System weniger gut, da man hier die Schnittkante nicht so einfach erkennt. Man muss mit dem 45° Winkel schauen und versuchen, die Markierung zu treffen. Diese Einschränkung kommt durch die Tatsache, dass 90° und 45° nicht auf der gleichen Seite der Schiene zu sägen ist. Der Drehpunkt ist bei diesen Einstellungen verschieden.
Ein weiterer Punkt, den man beachten sollte ist, wenn man weniger als 45° schneiden möchte. Dann stimmen die Kanten der Gummilippe und Schnittkante nicht mehr überein. In der Praxis mag dies weniger häufig vorkommen, so dass es nicht weiter negativ gewertet werden sollte.

In Summe ist die Führungsschiene eine sinnvolle Ergänzung. Ich würde jedoch auf die 45° Einstellung verzichten und eher zu einer Alu-Schiene raten, da diese einfach stabiler sind. Bosch bietet die FSN70 bzw. FSN140 passend zu dieser Säge. Bei den Aluschienen lassen sich die Gummilippen günstig austauschen. Da ich diese nicht mit der Kunstoffvariante vergleichen konnte, kann ich nicht sagen, ob man das Ersatzteil auch für die Kunststoffschienen nehmen könnte. Deren Maß beträgt 2x20mm.

Noch ein paar Worte zu den Klemmen: Ich empfehle diese genau zu untersuchen, ob sie – wie in meinem Fall – nach der Montage höher sind als die Führung der Schiene. Meine Klemmen waren ca. 1-2/10mm über der Schiene gestanden, so dass ich mit der Säge immer wieder ein wenig hängen geblieben bin (siehe auch Bild). Ein paar Hiebe mit einer Feile bzw. ein maschinelle Abschleifen des oberen Bügels würden hier Abhilfe schaffen. Die Klemmen selbst haben einen recht scharfkantigen Druckteller, der leicht das abzulängende Holz eindrücken kann. Man muss also gegenbenfalls mit Zulagen arbeiten.
Bosch sollte hier eindeutig nachbessern und eine Kunststoffplatte spendieren, wie das marktüblich ist.


Einstellmöglichkeiten

Im Lieferzustand waren – wenig überraschend – die Einstellungen nicht optimal. Die 0° (bzw. 90°) Einstellung lieferte eine Abweichung von einem Grad. Dies kann einfach mit der Einstellschraube auf der Grundplatte verändert werden. So konnte ich die 90° Einstellung nach einigen Versuchen erreichen. Bei den 45° ist es nicht so einfach, da hier ein Anschlag fehlt. Was für 45°-Schnitte ein wenig probieren bedeutet, ist für Hinterschnitte >45° natürlich gewünscht. Alles in allem ist dies durchaus Klassenstandard. Die Schnitttiefe lässt sich sehr einfach mittels der Stellschraube verändern. Die Anzeige ist ausreichend genau. Mit der Führungsschiene sind es ca. 10 Millimeter weniger Schnitttiefe. Das muss man berücksichtigen, wenn man dicke Platten schneiden möchte.
Die Säge läuft nicht 100%ifg spielfrei auf der Nut der Schiene. Leider gibt es auch keine Einstellmöglichkeit hierfür, was aber in der Praxis nicht weiter negativ auffällt. Meine Schnitte waren ausreichend gerade entlang der Schiene.

Praxistest

Schnitte mit Führungsschiene
  • Gerade: sehr saubere Kante, wenn die Führungsschiene exakt liegt. Einschränkungen bei der Präzision – siehe Kommentar weiter unten.
  • Gehrungsschnitt: saubere Kante mit leichten Problemen die Schnittmarkierung zu finden, da man an der Schiene im 45° Winkel schauen muss. Man sollte die Säge gut auf der Schiene festhalten, da es keinen Abkippschutz gibt.

Schnitte ohne Führungsschiene
  • Gerade und Gehrungsschnitt: Die Schnittkante ist nicht sauber, was aber völlig normal ist, da die aufsteigenden Zähne das Holz reissen. Um die Richtung zu halten ist der CutControl eine wirklich sinnvolle Sache. Die transparente Plastikklappe zeigt die Schnittkanten prima an. Man kann mit der Darstellung der vorderen und hinteren Schnittkante bestimmen, wo der Schnitt auf dem Werkstück stattfindet. Als Orientierung ist dies hilfreich, jedoch ist die Präzision beim Freihandschneiden nicht wirklich erreichbar, da Abweichungen von einem Millimeter oder mehr schnell zusammenkommen. Bei dem Gewicht und der Größe der Säge ist das durchaus nachvollziehbar. Bei den letzten Zentimetern des Schnitts lohnt ein Blick auf die hinteren Kerben der Grundplatte. Diese stellen die Schnittmitte des 90°- und 45°-Schnittes dar. So kann man auch ohne die vordere Führung einen halbwegs geraden Schnitt zu Ende bringen.


Sollte keine Führungsschiene vorhanden sein, so ist es immer noch besser ein gerades Brett als Führung zu verwenden. Dann macht CutControl wirklich Sinn, da die Schnittbreite exakt angezeigt werden kann (incl. der Verstellmöglichkeit).

Parallelschnitte: Der mitgelieferte Parallelanschlag ist ausreichend genau und tut was er soll. Befestigt wird er vorne an der Sägebasis und hat eine cm-Skala. Auf 2cm eingestellt, hatte ich eine Abweichung von 0,5mm. Da der Anschlag nur einseitig befestigt ist und nicht über die gesamte Länge der Säge geht, weicht der Wert am Ende des Schnittes ein wenig ab. Das ist aber kein Mangel, sondern der Konstruktion geschuldet.

Eintauchschnitt: Es kommt immer wieder vor, dass man in einem Werkstück ein Stück raussägen muss, z.B. bei Küchenarbeitsplatten, um Ausschnitte für Spüle, Herd usw. zu erstellen. Man kann dies mit einer Standardsäge machen, wenn man ein paar Regeln befolgt: Wichtig ist der Rückschlagstopp! Ohne den sollte man es erst gar nicht wagen, denn die Säge würde beim Eintauchen sofort nach hinten weglaufen. Das Fehlen eines Spaltkeils der PKS 66 is hier hilfreich, sonst müsste man ihn bei dieser Übung abbauen.
Der Tauchschnitt muss vorsichtig durchgeführt werden - beide Hände gehören an die Säge!. Die vordere und hintere Schnittkante sind auf der Grundplatte mit einem kleinen Strich markiert, d.h. bis dahin sägt das Blatt im Material - sehr hilfreich.


Sägeblatt
Ich war überrascht wie gut das mitgelieferte Sägeblatt mit nur 12 Zähnen sägt. Es verfügt über Abweiser und hat Hartmetallzähne, die hohl geschliffen sind. Es ist wirklich ein Sägeblatt für schnelle Schnitte mit sauberer Schnittfläche.

Sicherheit

Staub: Die mitgelieferte Staubbox sammelt ca. die Hälfte der Sägespäne. Es sind immer noch recht viele Späne und Staub, die das Sägeblatt aufgrund der offenen Bauweise rausbläst. Immerhin ist das besser als nichts. Wer eine bessere Absaugung will, kann einen Werkstattsauger an den Adapter anschließen oder direkt ins Gehäuse stecken. Es gibt immer noch Staub, jedoch landet das meiste im Sauger. Angesichts des Anschaffungspreises kann man damit zufrieden sein. Bauartbedingt ist wohl nicht mehr möglich.

Ergonomie: Das ist sicher einer der Stärken der Säge. Man findet sich sofort zurecht. Sie liegt gut in der Hand – trotz den recht hohen Gewichts. Die Griffe sind leicht gummiert, so dass die Vibrationen effektiv minimiert werden. Die Einstellschrauben sind gut zu bedienen und lösen sich nicht während des Sägens.

Bremse: Leider hat die Säge keine Schnellbremse, was man beim Hantieren mit der Säge beachtet werden muss. Das Blatt läuft ein paar Sekunden nach. Der Schutz schnellt in Buchteilen von Sekunden nach unten und man kann die Säge bedenkenlos auf den Boden stellen, ohne dass sie „wegläuft“.

Spaltkeil: Dieses Thema hat schon viele Stammtischdiskussionen ausgelöst und wird sehr kontrovers diskutiert. Im Normalfall braucht man keinen Spaltkeil. Beim Auftrennen von dickem Massivholz würde ich ihn vermissen, da er das Verklemmen des Sägeblatts verhindert. Zum Glück hat die Bosch PKS66 so viel Power, dass dies vermutlich nicht passieren würde. Trotzdem sollte man beim Auftrennen von 60mm Buchebohlen etwas aufpassen. Bei Spanplatten ist das kein Thema, da das Material kaum Spannungen hat. Beim Eintauchen der Säge (aber bitte nur mit Rückschlagblock!) ist das Fehlen des Spaltkeils sehr angenehm.

Leistung

Die Säge hat keine Drehzahlsteuerung. Sie läuft direkt mit der maximalen Drehzahl. Was die Leistung angeht, so muss ich feststellen, dass davon genug vorhanden ist – mehr als genug. Ein 45°-Schnitt in hartem Bambus mit maximaler Tiefe hat sie ohne zu klagen mitgemacht.

Präzision

Die Säge wird beworben mit „Kraft und Präzision für gerade Schnitte “. Was die Kraft angeht, so stimme ich uneingeschränkt zu. Die Präzision jedoch ist – zumindest bei meinem Modell – nicht das, was ich erwarten würde. Ich konnte keinen geraden Schnitt druchführen. Am Schnittanfang (Küchenarbeitsplatte) war der Winkel exakt 90° - nach 60cm Schnittlänge war eine Winkelabweichung von 1-2 Grad zu verzeichnen. Da dies mit und ohne Führungsschiene passiert ist, glaube ich, dass die Grundplatte verzogen ist. Da es sich hier um ein einfaches Stanzteil handelt, können Abweichungen dieser Art vorkommen.

Bei meiner Säge gibt es einen kleinen Mangel, welches die Abdeckung des Motorlagers betrifft: diese wackelt an einer Stelle und scheint nicht sauber verschraubt worden zu sein. Es ist ein Spalt von ca. 0,4mm zu sehen, der sich durch Druck auf die Sägeblattklappe verringern lässt. Ein Blick auf ein Vergleichsmodell im Baumarkt hat mir bestätigt, dass es wohl nur bei meinem Modell so ist. Da die Kreissäge ohnehin zu Bosch geschickt wird, können die Experten auch dies in Augenschein nehmen.
Hier sollte kein Spalt sein, um das Lager vor Staub zu schützen.


Fazit

Die PKS66 AF ist eine gute Säge. Die Leistung überzeugt, die Ergonomie stimmt und die Verstellung geht ohne Rätselraten leicht von der Hand. Als geeignetes Einsatzgebiet würde ich den Innenausbau oder den Terassenbau sehen. Obwohl die Einstellmöglichkeiten dem üblichen Klassenstandard entsprechen, konnte mein Modell die angekündigte „Präzision“ nicht ganz erfüllen, was aber noch von Bosch untersucht werden wird, da ich die Säge einschicken werde.  Die mitgelieferte Staubfangbox ist im Aussenbereich sinnvoll, drinnen sollte ein Sauger angeschlossen werden.
Das Preis-Leistungsverhältnis würde ich als angemessen bezeichnen. Die Führungsschiene ist sicher ein Plus in manchen Situationen, jedoch würde ich zur stabileren Alu-Variante raten.

Plus:
Leistung, Schnitttiefe, Ergonomie, Verstellmöglichkeiten

Minus:
Präzision, Führungsschiene, Zwingen, Kabellänge

P.S.: Ich bin mir nicht sicher, ob die Videos auch angezeigt werden, da die Vorschau das leider nicht tut. Hier die Links:
Sägeschnitt: https://www.youtube.com/watch?v=4VjckWg8KWY
Motorlagerdeckel lose: https://www.youtube.com/watch?v=4zXjy7pWoSw
 
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Hallo zusammen,

den Thread zur Diskussion über diesen Testbericht findet Ihr unter http://www.1-2-do.com/forum/showthread.php?p= 901260#post901260.

Viele Grüße,
Björn
2015-05-12 15:32:05

Hallo zusammen,
unglaublich aber wahr... Bosch hat mir ein anderes Exemplar der Kreissäge zugeschickt. Zunächst war ich etwas irritiert, aber nach einer etwas längeren Pause war ich in der Lage die neue Säge auszuprobieren.
Zunächst die Klemmen für die Schiene: Beim ersten Exemplar standen die 1-2/10 mm über der Schiene, was dazu geführt hat, dass die Säge immer ein wenig "hakte". Das war bei der Ersatzsäge völlig verschwunden. Die Klemmen haben mit der Schiene bündig abgeschlossen. Prima!
Auf die Schnittergebnisse war ich sehr gespannt. Der 90° Schnitt musste ein wenig justiert werden und was soll ich sagen. Es waren nur minimale Abweichungen am Anfang und Ende des Schnitts. Insgesamt war die Abweichung weniger als ein halbes Grad, was mit der Toleranz der Führungsschiene völlig in Ordnung ist. Ohne Schiene waren die Ergebnisse tadellos. So hatte ich mir das von Anfang an vorgestellt.
Bosch hat mich nicht enttäuscht. Klasse Service und am Ende auch ein gutes Ergebnis. Danke Bosch!
2015-05-26 20:56:42

Da hast Du ja fast ein Buch geschrieben - sehr ausführlich und auch endlich mal Bilder vom Arbeiten und nicht nur von der neu ausgepackten Säge
2015-06-13 07:55:25

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