PFS 2000 – Für einen schnellen, gleichmäßigen Farbauftrag

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Produkttest Farbsprühsystem PFS 2000 2 Kommentare
Vom 27.04.15 Geändert 2015-04-27 23:09:24
Der erste Eindruck
Endlich, das Paket ist angekommen. Beim Auspacken ist mir aufgefallen, dass Bosch bei derart großen Geräten keinen Plastikkoffer mitliefert. Ich habe jedoch das Gefühl, dass man das Gerät wieder gut im Karton verstauen kann, ohne Tetris-Weltmeister zu sein.
Der Lieferumfang (siehe Bild) ist recht umfangreich. Es gibt eine zweite Düse für zähere Farben, einen zweiten Farbbehälter und ein Farbsieb. Mehr braucht man auch nicht.
Das Gerät liegt sehr gut in der Hand und ist vom Gewicht her angenehm austariert, auch mit gefülltem Farbbehälter. Die Tatsache, dass die schwarzen Bereiche des Griffs nicht gummiert sind, ist nicht weiter tragisch, aber Bosch-untypisch. Andere Geräte von Bosch sind weicher. Der Kraftbedarf für den Auslöser der Farbpistole ist vergleichsweise hoch. Das bestätigt sich als nachteilig beim ersten Test. Durch den Regler für die Farbmenge an der Pistole (siehe Bild) wird der maximale Weg des Auslösers limitiert. Die Montage des Schlauchs ist sehr einfach und intuitiv. Auf dem Kompressor sind kleine Piktogramme aufgedruckt die verdeutlichen, wie die Düse ausgerichtet sein muss, um welches Sprühbild zu erreichen. Das habe ich leider zu spät festgestellt und so habe ich mich bei den ersten Versuchen häufig vertan und die falsche Einstellung gewählt…
Der Kompressor hat eine Trageschlaufe, so dass man sich diesen umhängen kann.
Die Qualität der Düsen könnte etwas hochwertiger sein. Man sieht noch Grate vom Spritzgußprozess, die sich mit Sicherheit nicht positiv auf das Sprühbild auswirken. Hier wären Düsen aus Metall vorteilhafter.
 
Die ersten Gehversuche
Die ersten Gehversuche habe ich mit einem recht flüssigen Hartöl und der kleinen Düse zur Versiegelung von Holzteilen gemacht. Verdünnen musste ich es nicht. Vor der Behandlung habe ich die Holzteile abgeschliffen. Die Ergebnisse waren eigentlich ganz zufriedenstellend. So konnte ich die ersten Erfahrungen mit den unterschiedlichen Sprühbildern machen (horizontal, vertikal, Punkt).
Ungünstig ist bei dem Gerät, dass der Schlauch sehr steif ist. Das führt dazu, dass entweder die Farbpistole samt Flüssigkeitsbehälter umkippt wenn man diese zuerst auf den Boden stellt und dann den Kompressor ablegt oder umgekehrt (siehe Foto). Am Ende des Tests hatte der Kompressor schon sehr viele Kratzer.
 
Test 1 – Holzschutzlasur
Der erste richtige Test erfolgte mit einer Holzschutzlasur. Da diese recht zähflüssig ist (siehe Foto) habe ich diese etwas mit Wasser verdünnt und die große Düse verwendet. Auch damit habe ich Holzteile behandelt, die ich zuvor abgeschliffen habe. Mit dem Ergebnis war ich jedoch nicht so recht zufrieden. Negativ war zum einen, dass ich häufig den Auslöser nicht weit genug betätigt habe. Das scheint daran zu liegen, dass die Feder des Auslösers recht stark ist. Daher war der Farbauftrag ungleichmäßig. Nach dem Trocknen der Bauteile hat sich das jedoch wieder etwas angeglichen.
Ich musste bei dem Test auch feststellen, dass man recht große Pappstücke unterlegen muss, damit man nicht alles in der Umgebung mit Farbe besprüht.
Bei dem Test habe ich eine recht geringe Farbmenge verwendet. Das ist unvorteilhaft, da das Ansaugrohr zwar gebogen ist und fast bis zum Boden reicht, trotzdem jedoch den Kontakt zur Flüssigkeit verliert. Das merkt man daran, dass das Sprühgeräusch ungleichmäßig ist. Von daher ist es ratsam, stets genug Flüssigkeit einzufüllen. Ausleeren kann man ja immer noch.
Ich habe einen Holztisch lackiert, bei dem die Tischplatte aus einzelnen Holzbrettern besteht. Trotz der Tatsache, dass ich aus mehreren Richtungen gesprüht habe, ist nicht viel Farbe in den Zwischenräumen gelandet. Hier muss ich nochmal mit dem Pinsel nachkorrigieren. Hätte ich länger oder stärker in die Zwischenräume gesprüht, so wäre auch der Farbauftrag auf der Tischplatte dicker geworden.
 
Test 2 – Wandfarbe
Dann stand der spannendste Test an: Wandfarbe auftragen! Geplant habe ich ein Projekt, bei dem ich verschiedene farbige Streifen an die Wand bringen werde. Mehr werde ich dazu in einem separaten Projekt zeigen, wenn das Ergebnis fertig ist. Das Projekt war jedoch die ideale Gelegenheit, die Sprühkünste  des Geräts mit bunter Wandfarbe zu testen. Begonnen habe ich mit dem abkleben des gewünschten Bereichs, in diesem Fall einem vertikalen Streifen. Da ich aus den Vorversuchen schon gewusst habe, dass ein 3cm breites Kreppband keineswegs ausreicht, habe ich an allen Seiten noch großzügig transparente Folie angebracht. Jetzt stieg die Spannung! Wie schlägt sich das Gerät wohl?
Also füllte ich die Farbe ein, schraubte die große Düse ein und verdünnte die Farbe etwas mit Wasser. Dann schritt ich zur Tat und Ruck Zuck war die Fläche blau (siehe Foto). Das war schon mal sehr positiv. Aber wie ist das Ergebnis geworden? Die Farbe hat weiter gespritzt als ich dachte: 10 cm war fast alles blau, 20 cm weit flogen viele Spritzer, aber auch noch 30-40 cm weit waren einzelne Farbtropfen geflogen. Im Prinzip so weit, wie auch der Luftstrom geht, wenn der Kompressor läuft ohne dass man Farbe sprüht. Insbesondere auf dem Boden entlang der Fußleiste hat sich ein blauer Nebel bis zu 50 cm verteilt.
Bevor ich das Klebeband und die Abdeckfolie entfernt habe, habe ich noch einzelne Bereiche nachkorrigiert, weil noch weiße Bereiche zu erkennen waren. Im Nachgang habe ich gemerkt, dass ich jedoch nicht alle Stellen gefunden habe, so dass immer noch kleine weiße Flecken vorhanden sind. Die Kante ist auf der Raufasertapete vergleichsweise sauber geworden. Vor dem Streichen habe ich das Klebeband sehr stark angedrückt. Das Ergebnis ist sauberer geworden als mit der Farbrolle (siehe Bild mit roter Kante), aber nicht so gut wie bei Verwendung von Frogtape.
Das Ergebnis der Flächen ist überzeugend. Die Farbe ist sehr gleichmäßig aufgetragen. Als ich vor ein paar Wochen die gleiche Farbe mit der Rolle aufgetragen hatte, musste ich kämpfen um ein gleichmäßiges Ergebnis zu erzielen.
 
Die Reinigung
Sauber machen macht selten Spaß, so auch bei dem Farbsprühsystem. Das Gerät lässt sich gut zerlegen, trotzdem ist die Reinigung aufwändig. Aber das saubermachen einer Farbrolle ist ja auch nicht schnell gemacht. Für große Flächen ist das Verhältnis aus Arbeitsersparnis und Zeitaufwand für die Reinigung aber angemessen.
Was gibt es sonst noch zu sagen
Ich habe mich gefragt, für welche Arbeiten man das Gerät noch einsetzen kann. Zum Laub blasen ist das Gerät natürlich unterdimensioniert, aber sehr hilfreich war der Luftstrom des Geräts, um den Schleifstaub von den Holzbauteilen zu blasen. Zudem eignet sich das Gerät vorzüglich zum Aufpumpen von Luftmatratzen… J
 
Verbesserungsvorschläge
Sehr wichtig
  • Düsen und „Gegenstück“ (verschiebbarer Stift) sollten aus Metall sein, damit diese präziser gefertigt werden können und damit das Sprühbild besser wird
  • Weniger steifer Schlauch oder kippunkritischerer Kompressor
  • Weniger starke Feder in Auslöser
Nice-to-have:
  • Einrastendes Einstellrad für Punktförmiges sprühen oder vertikales/horizontales Sprühen
  • Gummierter Griff
  • Adapter für Schlauch zum Befüllen von Luftmatratzen
  • Drehzahlregler für Luftmenge am Kompressor?
  • Größerer Lieferumfang: Pfeifenputzer zum Reinigen des Geräts, Atemschutz
 
Fazit
Summa summarum bin ich etwas hin und hergerissen. Ich habe recht viele Hoffnungen in das Farbsprühsystem gesetzt, die leider nicht alle erfüllt wurden. Auf Grund der Tatsache, dass die Farbspritzer sehr weit fliegen schränkt sich der Anwendungsbereich sehr stark ein: Im Haus ist das Gerät eigentlich nur zu verwenden, wenn man das ganze Haus saniert und Farbspritzer nicht schlimm sind. Außerhalb des Hauses ist das Gerät dann geeignet, wenn es darauf ankommt große Flächen möglichst schnell zu streichen (z.B. ein komplettes Gartenhaus). Für kreative Arbeiten im Haus (farbige Akzente an die Wand bringen) ist das Gerät leider nicht einsetzbar.
Eigentlich hatte ich geplant, das Gerät zum weißeln meines Flurs zu verwenden. Ob ich das jedoch mache ist fraglich, da ich nicht überall weiße Farbspritzer haben möchte, oder ich muss wirklich alles mit Folie abdecken und abkleben. Eine Zeitersparnis wäre es auf jeden Fall, wenn ich das Farbsprühsystem verwenden würde.
 
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Hallo zusammen,

den Thread zur Diskussion über diesen Testbericht findet Ihr unter http://www.1-2-do.com/forum/showthread.php?p= 910272#post910272.

Viele Grüße,
Björn
2015-06-04 14:56:07

ein guter Bericht, gut zu lesen. Hat mehrere Projekte gemacht und geht auch konstruktiv auf Negatives ein. Aussagekräftige Bebilderung..............
2015-06-17 08:25:08

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