POF 1400 ACE –
präzise arbeiten wie ein Profi!

Mitglieder der 1-2-do.com stellen Bosch
Elektrowerkzeuge auf die Probe

RolfJo testet die POF 1400 ACE 1 Kommentar
Vom 27.04.11 Geändert 2011-04-27 12:21:00
Erste Erfahrungen mit einer Oberfräse konnte ich bereits vorab sammeln, da ich mir vor zwei Jahren ein Low-Budget-Gerät (Ferm) zulegte, um Kanten von Rechteckleisten viertelrund zu fräsen. Für die Bearbeitung von Leisten kommt man um einen Frästisch nicht herum; diesen besorgte ich mir ebenso von Ferm – für das kleine Portemonnaie also. Hierzu (zum Frästisch, natürlich) später mehr.

Das angekündigte Vorhaben, die POF beim Bau einer Eckbank zu testen, erwies sich als allzu vollmundig. Sowohl die Vorbereitungszeit (Zeichnen) als auch die zur Verfügung stehenden Urlaubstage (in der Karwoche) waren dann doch wirklich zu kurz. Dazu später mal. Stattdessen band ich den Test in die Fertigung eines Namensschildes, eines Ablagebords und einer Ablage für die Haushaltsrolle ein. Diese werden dann auch als Einzelprojekte nachzulesen sein.
A propos Lesen: Noch am 01. April bestellte ich mir das bereits öfter im Forum erwähnte Buch von Guido Henn: Handbuch Oberfräse. Ich kann dieses Buch nur ausdrücklich empfehlen! Gelegentlich werde ich mich darauf beziehen.

Sehr interessant war auch der 1-2-do-Workshop zur Oberfräse Ende März 2011. Neben vielen Praxistips und Übungen konnten wir dort auch die grundlegenden Unterschiede zwischen den beiden Bosch Oberfräsen POF 1200 AE und POF 1400 ACE anschaulich erfahren. Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich weder das Arbeiten mit der Kopierhülse noch mit der Zinkenschablone erproben konnte. Letztere muss ich erst herstellen, dafür werde ich mich an Guenters Projekt halten. Sehr gerne habe ich eine Woche Urlaub in den Test „investiert“. Mein Dank gilt der Fa. Bosch für Ausstattung. Ich würde mich freuen, bei Gelegenheit zu hören, ob ich dem Produktmanagement hiermit etwas helfen konnte.

Das Drumherum
Das relativ große Volumen des Koffers versprach nicht zu viel. Die Fräse selbst ist dort gut, sicher und stabil aufgehoben. Mitgeliefertes Zubehör wie der Parallelanschlag, der Kurvenanschlag, der Gabelschlüssel und die 17 mm-Kopierhülse sind durch eine Flügelmutter fixiert und fliegen nicht durch den Koffer. Dieses bleibt dann zwei Plastiktütchen überlassen, in denen sich a) eine Spannzange 6 mm, eine Spannzange ¼ Zoll sowie ein 8 mm-Nutfräser und b) der Zentrierstift nebst dazugehörenden Schrauben/Muttern für das Fräsen von Kreisbögen befinden. Über den sinnvollen und verlustfreien Verbleib dieser Dinge muss sich nun wohl oder übel jeder Besitzer selbst Gedanken machen (die Spannzange ¼ Zoll (=6,35 mm) ist für Fräser geeignet, die vorwiegend in den USA und England erhältlich sind (G. Henn, S. 41)). Eine Spannzange 8 mm ist bereits auf der OF vormontiert. Vorbildlich (auch für div. andere Bosch-Koffer) ist andererseits ein Fach für das Bedienerhandbuch – wie nervig sind doch ständig die frei herumflatternden Handbücher! Störend hingegen ist der anfänglich ausströmende Geruch von Kunststoff-Weichmachern. Macht nix, ist auch kein Grund zur Hysterie – die POF ist ja schließlich kein Kinderspielzeug. Der Koffer erscheint mir sehr sinnvoll (diesen gibt es übrigens bei der POF 1200 nicht, dort „fliegt“ alles im Karton herum). Auch kann darin der erste, kleine Grundstock von sechs Fräsern stets mitgeführt werden.

Zwei Fragen der Einstellung

Obwohl Tischler Sigi es uns auf dem Workshop erklärte, musste ich mir den Gebrauch der Einstellung der Frästiefe anhand des Handbuches neu erlesen. Sehr elegant ist die Möglichkeit der Feinjustierung der Tiefe durch den oben auf dem Gerät befindlichen Drehknopf, dem drehbaren Stufenanschlag auf der Grundplatte und der „Frästiefen-Nulleinstellung“. Die zehntelmillimetergenaue (!) Justierung der Frästiefe ist hierdurch ein Kinderspiel. Das ist bei der 1200er deutlich unzureichender (primitiver?) gelöst und einer der eindeutigen Vorteile der 1400er. Kein besonderes Merkmal der POF 1400 ist die Drehzahlvorwahl. Die ist für jede OF sehr wichtig und wird durch die Härte des Werkstoffes und dem Durchmesser des jeweiligen Fräsers beeinflusst. Die Tabelle im Handbuch ist hier sehr hilfreich, ich habe sie mir herauskopiert, einlaminiert und in die Werkstatt gehängt, so dass ich jederzeit einen schnellen Blick darauf werfen kann. Wer es ganz genau liebt wird jedoch ganz schnell eine Gegenüberstellung der Skala (1 – 6) zu dem Drehzahlspektrum 10.000 – 28.000 rpm vermissen.

Feine Features
Sensible Hände werden den langsamen Anlauf des Motors schätzen. Bei einem „Kavalierstart“ gleich mit Volllast bestünde nämlich die Gefahr, dass das Gerät etwas wegruckt. Das bringt nicht immer ein wirklich sauberes Fräsbild. Die Konstantelektronik (daher das „C“ in „1400 ACE“ – constant electronic) sorgt für eine gleichbleibende Drehzahl, wenn z.B. ein Ast mit gefräst wird. Ich habe es im Vergleich mit meiner Ferm ausprobiert – das ist ja fast schon wie durch Butter zu fräsen! (naja, aber auch nur fast…) Sehr schön ist auch der Absaugadapter. Mit einem Allessauger und einem 35mm-Absaugschlauch hat man immer freie Sicht auf den Fräser. Das ist von entscheidendem Vorteil, wenn man in das Holz fräst. Und unbezahlbar, wenn man z.B. einen Schriftzug fräsen will und auf freie Sicht angewiesen ist. Nach unten gibt es allerdings keine Absaugmöglichkeit. So kommt man wenigstens nicht auf die Idee, die OF im fertig eingerichteten Wohnbereich auszuprobieren. Die Dreckentwicklung und –verteilung ist enorm. Der umklappbare Spanschutz ist besonders für Nicht-Brillenträger ein Muss. DAS Detail schlechthin sind aber die beiden integrierten LED-Leuchten! Man kann den Fräser durch sie wirklich gut sehen, die Namensschildschreiber unter den Benutzern werden sie lieben! Wie auch der Motor selbst fahren sie beim Einschalten langsam hoch. Das ist bei eingeschaltetem Allessauger und aufgesetzter Mickymaus (=Kapselgehörschutz, aber auch Ohrstöpsel etc. – auf alle Fälle notwendig!) von Vorteil, weil man dann immerhin sieht wann die volle Drehzahl erreicht ist.

Gut geführt ist sauber gefräst
Im Gegensatz zum Workshop (wir arbeiteten dort mit Fichte-Leimholz) erhielt ich im Test mit Buche ein deutliches Ergebnis, dass die Oberfräse immer im Gegenlauf geführt werden will. Mit anderen Worten: Will man von dem Werkstück alle vier Kanten fräsen, sollte man gewissermaßen entgegengesetzt zum Uhrzeigersinn arbeiten. Dabei aber immer die Stirnseiten wegen des Ausrisses zuallererst fräsen. Mein Test zeigt es sehr deutlich (hoffentlich auch trotz der Unschärfe). Das Fräsen von Kreisbögen geht mit dem Testgerät auch sehr gut. Ich wählte einen Viertelkreis zur Abrundung eines Ablagebordes (oberhalb einer Zimmertür). Für die Zentrierspitze muss ein 4 mm Loch gebohrt werden. Beim nächsten Mal werde ich es auf einem Extra-Holzstückchen machen, dass ich an das Werkstück lege. Dann brauche ich kein Loch mehr zu kitten; dass der Mittelpunkt außerhalb des Brettes liegt dürfte eh niemand merken … Wofür ich noch etwas mehr Übung benötige ist die richtige Geschwindigkeit des Vorschubs. Schiebe ich zu langsam, erhitzt das rotierende Fräsmesser das Holz so stark, dass es verbrennt und das Profil schwarz werden lässt. Da bin ich mit mir noch nicht zufrieden. Unschlagbar ist die OF, wenn es darum geht saubere und rechtwinkelige Kanten zu erhalten. Ich empfehle jedem, eine 10mm Sperrholzplatte in ausreichender Größe in Reserve zu halten. Sie sollte im Baumarkt auf der Plattensäge zugeschnitten sein – der rechte Winkel ist dann 100 %ig sicher. Das Werkstück wird dann auf die Platte gelegt, die Kanten sollen etwas überstehen. Beide mit Schraubzwingen aufeinander fixieren, am besten so, dass die Zwingen der OF nicht im Weg sind. Der Überstand wird dann mit dem Bündigfräser (Fräserdurchmesser = Durchmesser des Kugellagers) abgefräst, die Kanten des Werkstücks sind dann identisch mit denen der Sperrholzplatte. Das Gleiche gilt auch für die selbsterstellten Konsolen. Die Sperrholzvorlage kann nach Belieben geglättet werden, Kanten und Absätze würden sonst mit kopiert werden. Sehr einfach geht es mit einem kopfüber auf der Werkbank mittels Schraubzwingen fixierten Bandschleifer. Worüber ich nicht im Gegensatz zum Sigi (s. Workshop - ist auch auf mdst. einem Foto im Forum zu sehen) verfügte, war die rutschhemmende grüne Unterlage (kennt man auch aus dem Autobereich für Kofferräume). Sie hilft zwar nicht immer, erspart vielleicht aber doch etwas Hornhaut vom vielen Anziehen der Schraubzwingen.

Fitte Fräser fräsen flink
Richtige und gute Fräser sind entscheidend für das Ergebnis. G. Henn beschreibt in seinem Buch die Fräser (und auch deren Pflege) sehr ausführlich. So rät er von Fräsern ab, die neben einigen wichtigen Angaben auf ihrem Schaft keinen Hinweis auf den Hersteller geben (die zum Test mitgelieferten sechs Fräser sind erkennbar von Bosch…). Die von mir genutzten Fräser haben diesen Hinweis übrigens nicht. Ich benutze sie dennoch, da ich für wenig Geld ein 50-teiliges Set erhielt, das mir viele Nutzungsvarianten bietet. Prompt schlug dann auch die Billig-Falle zu: Beim Glattfräsen einer Kante verabschiedete sich die Inbus-Schraube (mitsamt den beiden Scheiben), die das Kugellager auf dem Fräser hält, auf Nimmerwiedersehen. Als Folge musste das Werkstück noch einmal vorgefertigt werden. Tja, wenn man vorne spart, kommt hinten auch nicht immer mehr heraus. Manchmal sogar weniger. Das eigentliche Einsetzen/Austauschen von Fräsern ist in der POF sehr leicht. Wegen der besseren Handhabung hat aber ganz (!) schnell ein gängiger 19er Maulschlüssel seinen festen Platz auf der Werkbank gefunden. Das mitgelieferte „Blechstück“ ist schlecht zu handhaben und wird dem insgesamt qualitativ hochwertigen Anspruch der 1400er absolut nicht gerecht. Schade.

Sicher mit dem Tisch

Um in einer Platte eine halbrunde Kante zu fräsen, muss ich einen Viertelrund-Fräser von der Unter- und der Oberseite je einmal ansetzen. Dabei ist das Kugellager nicht wirklich hilfreich. Ich setzte vielmehr auf den bereits in vergangenen Jahren erprobten Frästisch. Gaaaanz wichtig – und das ist mein voller Ernst: Beim Kauf eines solchen Frästisches muss unbedingt darauf geachtet werden, dass sich auf der Vorderseite ein von der Fräse unabhängiger An-/Ausschalter befindet. Denn die OF befindet sich bei Gebrauch auf der Unterseite des Tisches, der Schalter im Griff der Fräse ist dann auch nur sehr umständlich erreichbar. Im Falle der Oberfräsen aus dem Hause Bosch lässt sich die Dauer-Einschaltung nur durch Hilfsmittel erreichen, zumal man beide Hände für das Werkstück benötigt. Sollte es zu einem Notfall, sprich einer Verletzung, kommen, ist der Geräteschalter oder dieses Hilfsmittel so erreichbar wie der Weltfrieden.ALSO: Nur einen Tisch mit einem Tisch-Schalter verwenden!!

Etwas umständlich ist dann die Einstellung der Frästiefe, weil man die OF gegen die eigenen Federn quasi hochziehen muss. Das ist natürlich bei jeder OF einer jeden Marke der Fall, aber bei der POF 1400 durch die Feineinstellung wiederum (zehntelmillimetergenau!) bequem zu regeln. Das Ergebnis lässt sich sehen, ich bin dieses Mal sehr zufrieden. Falls das Kugellager vom Fräser entfernt werden muss, macht es Sinn, dieses beim eingespannten Fräser zu tun. Durch die Arretierung am Gerät ist der Fräser fixiert, bei (guten) (dazu s.o.) Fräsern sind die Schrauben schon recht fest. Am einfachsten ist es natürlich, wenn die OF noch nicht im Tisch eingespannt ist. Ein Schmankerl am Rande: Die Bosch-OF lässt sich leichter in den Ferm-Tisch einspannen als die Ferm-OF. Das hat ja auch was … Interessant ist dann auch der Blick auf den Fräser bei laufendem Motor. Durch die LED’s entsteht ein bläuliches Schimmern. Tja, das Auge isst nun mal mit („die Ästhetik des Fräsens“?).

Rolfis Resümee

  • Die Aussage von Bosch, dass aus „Sicherheitsgründen“ der Einschalter nicht feststellbar sein soll, kann ich einerseits sehr gut nachvollziehen – da läuft schließlich eine scharfe Klinge mit 28.000 Touren. Das ist nur was für große, wache Rolfis und nix für „mal auf die Schnelle“. Sowas geht nur ganz schnell schief, eine Oberfräse ist schließlich kein Spielzeug. · Andererseits habe ich auch den Anspruch, wirkliche Feinarbeit zu leisten. A propos: Ohne Frästisch sehe ich ernste Hindernisse, beispielsweise Leisten für Bilderrahmen zu fertigen. Das dafür notwendige Improvisieren nehme ich in Kauf, passt aber wiederum nicht zu dem Eigenanspruch von Bosch – so wie ich ihn verstehe und schätze.
  • Beim freien Fräsen nach Linien (Schriftzüge) fand ich die Anordnung der (ansonsten genialen) (!) LED’s und dem daraus resultierenden gewissen „Schattenwurf“ irritierend. Vielleicht wäre eine dritte LED hilfreich.
  • Das Gewicht erscheint mir etwas hoch. Ich habe aber keine Idee, wie es verringert werden könnte.
  • Die Lachnummer schlechthin ist der Gabelschlüssel. Das passt nun wirklich nicht zu Bosch und ist bestimmt besser zu lösen. Ich fühle mich als Benutzer da nicht so ganz ernstgenommen (die kleine Stelle abgeschürfter Haut am untersten linken Daumengelenk ist bereits verheilt und läuft für mich unter „das geht alles vorbei“). Das Blechteil ist aber absolut grottig! Oder ist es der bereits erwähnten Fixierbarkeit im Koffer geschuldet? In diesem Falle frage ich mich allerdings, warum es gleichzeitig herumfliegendes Zubehör im Koffer gibt (s.a.o.). Dann bitte doch lieber einen „richtigen“ Schlüssel, der ist ja schließlich gegenüber dem übrigen Zubehör ständig (!) erforderlich und muss nicht mittel-bzw. langfristig fixiert sein.
  • Was mich auch ziemlich nervte, war der Spanauswurf und die Staubentwicklung beim Fräsen. Eine optimale Absaugung kann z. Zt. nur stattfinden, wenn ausschließlich auf der Oberseite des Werkstücks Späne anfällt. Ansonsten ist es eine „schöne Bescherung“ – oder auch „Riesensauerei“. An dieser Stelle wünsche ich mir von dem Hause Bosch noch etwas mehr Erfindergeist (vgl. G. Henn, S. 22).

ABER:
Die eben genannten Punkte können das Vergnügen an der POF 1400 nicht ernsthaft schmälern. Das Handling ist insgesamt sehr gut. Aus meiner Sicht gibt es nur wenig zu verbessern und (fast) gar nichts Gravierendes zu bemängeln. Unzulänglichkeiten im Ergebnis sind bei diesem Testgerät wohl eher auf mangelnde Erfahrung und/oder Sorgfalt des Benutzers zurückzuführen. Als solcher sollte man sich intensiv mit dem Fräsen auseinandersetzen und sehr (!) viel Zeit und auch Material ins Üben investieren. Diesen Aufwand sollte man nicht unterschätzen. Und den für die Sicherheit schon gar nicht: Die kleinen Biester sind nämlich ganz schön scharf - und schnell! Ich kann jedem aus dem Anwenderspektrum zwischen „selten“ und „wöchentlich“ die POF 1400 empfehlen. Das Preis-/Leistungsverhältnis ist völlig ok.

Viel Spaß beim Fräsen wünscht RolfJo.
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Gut beschrieben und aufschlußreich.
Das mit dem dem Gabelschlüssel stimmt, das Teil ist etwas primitiv. (auch bei der POF 1200)!
2012-09-17 23:53:36

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