Zamo - der Laser-Entfernungsmesser im neuen Design.

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Elektrowerkzeuge auf die Probe

Der kleine Zamo – das kompakte Ende des Zollstocks? 1 Kommentar
Vom 29.08.16 Geändert 2016-08-29 20:25:28
Mein Opa glaubte an den Zollstock, mein Vater glaubt an den Zollstock und bisher hatte ich noch keinen Gedanken daran verschwendet meine heile Heimwerkerwelt und den guten alten Zollstock in Frage zu stellen. Das Baumarktregal mit Laserentfernungsmessern und Linienlasern hatte ich deshalb immer links liegen lassen und als „Spielkram“ abgetan – hatten doch Zollstock und Wasserwaage seit jeher gute Dienste geleistet. Elektrowerkzeug braucht keine AA-Batterien, sondern einen Stecker und einen Motor mit mindestens 700 Watt :-). Ihr merkt: Es ist das erste Mal, dass ich mit einem Laserentferungsmesser in Kontakt gekommen bin und die Bewerbung für meinen ersten Produkttest und Seitensprung zum geliebten Zollstock hatte einen ganz besonderen Grund.

1. Was waren Deine ersten Gedanken, als Du den digitalen Laser-Entfernungsmesser Zamo in der Hand hattest? Gefällt dir das neue Design?
Der Zamo kommt in einer Metalldose. Eine ausführliche Anleitung und Batterien sind dabei. Erstaunt haben mich als Lasermess-Einsteiger die kompakten Maße. Bei gleicher Dicke ist der neue Zamo ca. halb so groß wie eine Packung Tempo-Taschentücher.  
Die Verarbeitung ist sehr wertig und die hübsche schwarz-glänzende Oberfläche fühlt sich an wie ein Smartphonedisplay. Es erinnert eher an ein modernes Unterhaltungsgerät als an Werkzeug. Von dem robusten Charme des Vorgängers ist nicht viel geblieben – lediglich das Bosch-Logo und der grüne Kontrast des gummierten Randes lassen vermuten, dass ein erster vorsichtiger Druck auf den einzig vorhandenen Knopf vermutlich keinen Start von Android 6 auf dem Display nach sich ziehen wird.

2. Bei welchem Projekt hat Dich der Zamo unterstützt? Wie bist Du dabei genau vorgegangen und wieviel Zeit hast Du benötigt?
Wie bereits angekündigt, kam der Produkttest zur rechten Zeit, um mich bei einem Projekt zu unterstützen, bei dem mein guter Zollstock und das Maßband nicht das erste Mittel der Wahl waren.
Ziel war es, die Heckgarage vom Wohnmobil meines Vaters genau zu vermessen, um dann aus Aluminiumprofilschienen mit ihm ein Regalsystem zu bauen. Das Regalsystem sollte genau auf Euroboxen abgestimmt sein, so dass die Kisten ohne Regalböden einfach ins Regal eingehängt werden können. Das Regal soll an der Heckwand des Wohnmobils stehen, so dass nach vorne noch Aluminiumstreben das Kippen während einer Bremsung verhindern. Eine Herausforderung war, dass die Garage, durch die Bauart des WoMos bedingt, verschiedenen Abstufungen bei Höhe und Länge hat. So musste jeder Träger und auch der Kippschuz einzeln vermessen und mit der Kappsäge zugeschnitten werden.
Wer schon einmal mit Aluminiumprofil gearbeitet hat, weiß, dass es wirklich auf Präzision ankommt. Bereits bei Abweichungen von 1 mm, lassen sich die Regalböden nicht mehr vernünftig verschrauben.

Vor- und Nachteile als Messwerkzeug
Die Vermessung der Garage mit dem Zollstock gestaltete sich schwierig, weil der an keiner Stelle überstehen kann. Man muss also immer erst in der Mitte einen Bleistiftstrich setzen und von der anderen Seite gegenmessen. Ungenauigkeiten sind die Folge. Auch mit dem Maßband sind hochpräzise Messungen schwierig, weil man es an einer Wand umknicken muss und +- 0,5mm nicht genau ablesen kann.
Der Zamo kam wie gerufen und verrichtete gute Arbeit in einer unvergleichlichen Geschwindigkeit. Ruckzuck ist er in einer Ecke positioniert und innerhalb von 5 Minuten hatten wir alle Höhen- , Längen- u. Breitenmesswerte an den verschiedenen Stellen aufgenommen. Für Innenraumbemessungen ist der Zamo somit prädestiniert – ich kenne kein anderes Messgerät, das dafür so gut geeignet wäre und gleichzeitig ein so schnelles Arbeitstempo bei höher Präzision ermöglicht. Leuten die oft Wohnungen vermessen müssen (Makler, Maler- u. Baugewerbe), können mit dem Zamo eine Menge Zeit sparen. In wenigen Augenblicken sind alle Maße notiert – hier liegt sicherlich die größte Stärke und der größte Vorteil von Lasermessgeräten.

Kurze Zeit später wurde uns vor Augen geführt, wozu sich der Zamo nicht so gut eignet: Beim Zuschnitt der Schienen an der Kappsäge mussten die Schienen genau auf Länge bemessen werden. Anders als der Zollstock lässt sich der Zamo hier nur mit zwei Helfern einsetzen. Einer hält das Gerät bündig ans Ende der Schiene, der Andere muss einen Hilfsgegenstand für den Laserpunkt festhalten und die Schnittmarke anzeichnen. Bei dem Hilfsgegenstand muss es sich um ein rechtwinkliges Gebilde handeln. Zuerst setzen wir eine Sperrholzplatte ein, die jedoch, wenn sie nicht 100 % lotrecht gehalten wird, zu Messungenauigkeiten führt. Nach einigen Schnitten entschieden wir uns für diese Art der Arbeit dann doch wieder für den Zollstock.
Ich habe ebenfalls ein paar Möbelstücke vermessen, bei denen das gleiche Problem auftritt. Im Anhang seht ihr dazu ein Foto, bei dem ich den Zamo mit Hilfmitteln bündig zur Tischkante ausrichte, während eine Hilfsperson am anderen Ende des Tisches eine Holzplatte zur Laserreflexion hält. Ein klarer Punkt für Zollstock und Maßband.
Neue Möglichkeiten eröffnet der Zamo, weil man auch Objekte und Abstände vermessen kann, die vorher nur schwierig oder gar nicht erreichbar waren. So lässt sich mit dem Satz von Pythagoras einfach die Höhe von Häusern und anderen Objekten bestimmen (s. letztes Foto). Da demnächst das Streichen des Hauses ansteht, habe ich spaßeshalber mit dem Zamo schon mal das Haus vermessen und die Fläche bestimmt, so dass ich im Baumarkt gleich die passende Menge Farbe einkaufen kann. Aufgefallen ist dabei, dass man den Laserpunkt mit bloßem Auge bei praller Sonneneinstrahlung in großen Entfernungen (10 m und mehr) nicht mehr erkennen kann. Bei bedecktem Himmel oder Dämmerung ist dies jedoch kein Problem.

Die Präzision
Die Vertikalstreben von unserem Womo-Regal bekommen oben und unten Schraubfüße, deren Maße ich vom gemessenen Wert der Streben abgezogen habe. Das ermöglicht die genaue Ausrichtung des Regals und eine formschlüssige Wackelsicherung. Gleichzeitig können die Schraubfüße Messungenauigkeiten ausgleichen, so dass wenige Millimeter Ungenauigkeit verzeihbar ist.
Anders verhält es sich bei den Schienen in Fahrtrichtung, die das Kippen verhindern sollen. Diese werden auf der einen Seite mit dem Regal verschraubt und sollen auf der anderen Seite bündig an der vorderen Garagenwand anliegen, so dass ich vom Wohnraum aus durchbolzen kann. Hier ist eine millimetergenaue Messung nötig.
Bosch nennt für den Zamo eine Messgenauigkeit von +-3 mm. Hier hatte ich leider etwas Pech, dann das Regal stand laut Zollstock (neuer Markenzollstock von Wiha, Genauigkeitsklasse 3) ca. 1,5mm weiter hinten als mit dem Zamo bemessen. Hinzu kam ein Messfehler des Abstandes zur Frontwand von 3 mm. Somit hatte ich das Profil aufaddiert 4,5 mm zu kurz gesägt. Da es sich um den letzten Arbeitsschritt handelte, war nicht genügend Ersatzprofil übrig und ich musste kleine Profilstückchen zurechtschneiden, um den Messfehler auszugleichen (s. Fotos).
Um das ganze nochmals genauer zu untersuchen, habe ich noch weitere Tests gemacht und z.B. ein Ceranfeld vermessen (s. Fotos). Auch hier kamen Relexionsgegenstände zum Einsatz. Der Zollstock bestätigte den Herstellerwert von 57,4 cm. Der Zamo maß einen Wert von 57,2 – auch hier gab es also eine leichte Ungenauigkeit von 2mm. Bei anderen Tests kam ich wieder auf die genauen Werte des Zollstocks. Bei hochpräzisen Messungen sollte man also nicht unbedingt zum Zamo greifen, dessen Stärken woanders liegen.

3. Wie leicht fällt Dir die Handhabung/Nutzung des Zamo?
Ein kurzer Klick genügt, sofort erscheint auf dem Display ein kontinuierlich gemessener Abstand, der zwischen der Rückseite des Gerätes und dem nach vorne ausgesendeten Laser-Zielpunkt gemessen wird. Die Bedienung ist somit kinderleicht. Es ist wohl ein IQ von deutlich unter 60 nötig, um den Zamo nicht innerhalb von Sekunden zu verstehen. Die Bedienung ist intuitiv. Glücklicherweise ist die Anleitung, wie bei Bosch üblich, auf Recyclingpapier gedruckt, so dass man sie ohne schlechtes Gewissen ungelesen wieder dem Wertstoffkreislauf zuführen kann.
Ein weiterer Druck auf den Knopf schaltet den Laser aus und beendet die kontinuierliche Messung. Auf dem beleuchteten Display wird der Messwert eingefroren und angezeigt. Nimmt man auf die gleiche Weise weitere Messwerte auf, so wird groß der aktuelle Messwert und in etwas kleinerer Schrift der letzte zurückliegende Wert angezeigt.
Nach einer bei meiner Arbeitsweise nicht selten vorkommenden Untätigkeit von 5 Minuten schaltet der Zamo sich automatisch ab, um die Batterien zu schonen.

4. Erfüllt der Digitale Laser-Entfernungsmesser Deine Anforderungen und Erwartungen?
Wenn nicht gerade die Anforderungen durch mein Projekt und der günstige Zeitpunkt des Produkttests gleichzeitig durch meinen Kopf geschossen wären, hätte ich mir den Zamo vermutlich nie angeschafft. Das kleine Gerät hat mich wirklich positiv überrascht. Unterschätzt habe ich vor allen den Zeitvorteil, den der Zamo mir gegenüber konventionellen Messmethoden verschafft.
Der Zamo eignet sich perfekt für die Vermessung von Innenräumen und Abständen, die weit über den Zollstock hinaus gehen. Bis zu 20 Meter ist der Messbereich groß. Die Außenmessung an Objekten ohne Refexionsfläche (z.B. Tisch) gelingt nur mit Hilfsmitteln.
Das Gerät misst flott und relativ exakt. Nur wer auf  höchste Präzision im Bereich von 1mm oder genauer angewiesen ist, kann sich nicht immer auf das Gerät verlassen.

5. Was können wir zukünftig noch am Zamo verbessern oder erweitern?
  • Für viele interessant wäre sicherlich ein Schwestermodell, das auf Hochpräzision (zehntel Millimeter Genauigkeit) ausgelegt ist und im Gegenzug Abstriche beim Messbereich (2m statt 20m) machen könnte.
  • Erweitern könnte man den Zamo mit einem ausklappbaren Plättchen (Clip) an der Unterseite, das bündiges Anlegen des Zamos an Messobjekte ermöglicht. Leider würde diese Funktion das Gerät komplizierter machen, weil im ausgeklappten Zustand die Nullline um die Stärke der Klappe weiter nach vorne gerechnet werden müsste. Technisch wäre das über einen Schalter leicht zu realisieren.
  • Durch seine Hochglanzoberfläche ist der Zamo sehr empfänglich für Fingerabdrücke und Kratzer. Die mitgelieferte Blechdose ist jedoch viel zu groß und zu unhandlich zum dauerhaften Transport. Gerne würde ich den Zamo einfach mit in meine Werkzeugkiste packen. Dort wäre eine kleine passende Tasche zum Schutz vor anderen Werkzeugen geeigneter als die große Blechdose. Auch ein Makler wird das kleine Gerät sicherlich nicht mit der Blechdose von Wohnung zu Wohnung schleppen. Viel praktischer wäre ein einfacher Gürtelholster.
6. Würdest Du den Zamo auch in Zukunft verwenden?
Für Heimwerker-Einsteiger, die damit beginnen sich eine Werkstatt einzurichten, gehört ein Laser-Abstandsmessers eher nicht zu den „Must-Haves“, die beim ersten Einkauf besorgt werden. Es gibt wichtigere Werkzeuge, die man zuerst im Schrank haben sollte. Ist der Grundstock aber erstmal geschaffen, ist der Zamo ein wunderbares Gerät, das ich jedem empfehlen kann. Die sehr hohe Präzision ist eine Anforderung, die ich bei den meisten meiner Projekte nicht habe und die auch nur bei einem Teilschritt des letzten Projekts zum Problem wurde.
Schnell gelingt es die Stärken und Schwächen des Zamos einzuschätzen. So kann man die Einsetzbarkeit in verschiedenen Situationen gut beurteilen. Der kleine Zamo kommt in eine Lederhülle für Brillen und wird einen festen Platz in meinem Werkzeugkoffer finden. Ich bin mir sicher, dass ich das Gerät in Zukunft noch bei vielen Projekten einsetzen werde.
 
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Hallo zusammen,

die Diskussion zum Testbericht Zamo findet ihr hier: http://www.1-2-do.com/forum/die-testberichte- zum-neuen-laser-entfernungsmesser-zamo- thema-23191.html

Liebe Grüße
Kathrin
2016-09-27 16:14:56

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