PKS 10,8 LI - die kleine, leistungsstarke Handkreissäge

Mitglieder der 1-2-do.com stellen Bosch
Elektrowerkzeuge auf die Probe

Testbericht PKS 10.8 – Viel Licht aber auch Schatten 2 Kommentare
Vom 31.01.16 Geändert 2016-01-31 21:51:13
Ja jetzt ist es auch bei mir soweit, dass ich endlich einen Testbericht zur PKS 10.8 schreiben kann. Vielen Dank dafür an das Team!
Ich werde mal anhand der Fragen mich durcharbeiten und  Vor- und Nachteile benennen.

1. Was waren deine ersten Eindrücke? 
Sie kam im Karton(Bild 1), da hätte ich einen Koffer besser gefunden. Zumal man so eine Säge zukünftig wahrscheinlich häufig transportieren wird. Dann die Säge und da bin ich ehrlich, ich dachte was ist denn das für ein Spielzeug? Wie soll denn so eine Minisäge mit nur 10.8 Volt und einer scheinbar, nach Lautstärke zu urteilen, geringen Drehzahl und wenig Kraft Holz sägen können??? Ja das waren meine ersten Gedanken. Um es vorweg zu nehmen – Das Ding ist ein Kraftmonster und kann das sehr wohl und sehr gut!
Ansonsten sah es grundsätzlich gut verarbeitet, sehr handlich und ergonomisch aus allerdings fand ich die Lösung der Höhenverstellung und den Parallelanschlag im ersten Augenblick wenig vertrauenserweckend und der Sägeblattschutz war sehr, sehr wackelig und klapprig.
 
2. Welche Projekte hast du mit der PKS gemacht?
Das ursprüngliche Projekt einer Garderobe musste aufgrund diverser Probleme mit der Säge(schönen Gruß an alle Bosch-Mitarbeiter, die da involviert waren - Am Ende wird alles gut!)zeitlich gecancelt werden. Aber es gibt ja immer was zu tun um es mit den Worten einer Baumarktkette zu sagen.
Es stand ein Umzug eines Freundes an und er wollte in 2 Räumen Laminat verlegt haben. Ich glaube das war das ideale Projekt.
Des Weiteren baue ich gerade einen neuen Fernsehtisch(Projekt folgt bald) aus MDF 19mm und Buche Leimholz 18mm
Dann gab´s generell noch einen Holzschnitttest mit verschiedenen Holzsorten in verschieden Stärken und einen allgemeinen Usability-Test.
 
3.   Wie leicht fällt dir die Handhabung/Bedienung der PKS 10.8
Die ist wohl der wichtigste Abschnitt und ich habe mich doch gewundert, dass sich nach dem Test auch negative Aspekte angesammelt haben in einem Bereich den ich so nicht erwartet hätte.
 
Fangen wir mit dem positiven an.
Schnittleistung überragend! Hier hat sich mein anfänglicher Eindruck völlig in Luft aufgelöst. Ich habe verschiedenste Holzsorten und Stärken ausprobiert. Ich dachte, fang mal langsam an. Also 5mm MDF genommen – ein Kinderspiel. Ok, weiter gings mit 10mm, 12mm, 16mm, ja sogar 19mm – alles kein Thema. Locker, flockig durch, schönes Schnittbild, ich war doch sehr verblüfft.
Gut dann gehen wir mal ans Massivholz. Zuerst Fichte 18mm, Längs- und Querschnitt, muss ich ja nicht erwähnen dass das auch funktionierte und wirklich gut aussah. Weiter gings mit Buche-Leimholz 18mm. Ich merkte eine nur leichte Verzögerung gegenüber der Fichte aber dennoch durchaus ansprechend. Dann dachte ich mir, nehmen wir den Grenzbereich - Bangkirai 28mm! Schnitttiefe war mit 27mm angegeben, egal, probieren. Und siehe da, dass ist der wirklich der Grenzbereich. Sie sägt zwar, aber doch sehr langsam, mit sehr mäßigem Fortschritt und dann hielt sie sogar an. Das war dann wohl der Überlastungsschutz. Aber für dieses Material und in der Stärke wurde die Säge auch sicherlich nicht gemacht.

Beim Laminat legen wurden die letzte Reihe längs zugeschnitten. Zuerst hatte ich kleine Bedenken bzgl. der Ausrisse. Diese haben sich aber nach einem Testschnitt nicht bewahrheitet(Bild 2)- blitzsauber! Auch hat mich die Geradlinigkeit positiv überrascht mit der dieses Säge trotz des kleinen Blattes geführt werden kann. Auch der Softanlauf des Motors tut sein Übriges.

Alles in allem ein überragendes Sägeergebnis was die Sägeleistung angeht und auch die Akkuleistung war sehr ansprechend womit wir zum nächsten Punkt kommen.

Das Akkusystem 10.8 der grünen Serie. Vielseitig einsetzbar, klein aber überraschend leistungsstark. Mitgeliefert wurde das Ladegerät AL 1115 CV 10,8 V. Hier braucht der Akku eine Stunde um wieder voll einsatzbereit zu sein. Außerdem kann, laut Handbuch, auch das Schnellladegerät AL1130CV genutzt werden kann – Ladezeit 30 Minuten-sehr schön! Auch passt sich der Akku, wie gewohnt, ergonomisch an die Säge an und es gibt keinen störenden Übergang. Ah Ergonomie- nächster Punkt.

Die Ergonomie ist wirklich sehr gut. Die Anordnung und Druckpunkte der Schalter ist sehr gut und sowohl für Links- und Rechtshänder geeignet. Der zusätzliche Griff für die andere Hand erleichtert das freihändige führen der Säge ungemein. Auch das geringe Gewicht und gute Balance sind dem sehr förderlich. Das Einstellen der Schnitttiefe und Gehrungswinkel ist generell sehr einfach. Auch erfüllt die Sägeblattabdeckung, wenn auch sehr klapprig, ihren Zweck. Der Sägeblattwechsel ist dank mitgelieferten Inbusschlüssel, der seinen festen Platz an der Unterseite des Säge hat, und Arretierung sehr einfach. Zusätzlich verfügt die Säge noch über eine kleine LED-Leuchte die den Schnittbereich ausleuchtet. Die Lautstärke ist überraschend gering. Man kann mit der Säge auch sonntags arbeiten ohne dass der Nachbar vom Sofa fällt.

Komme wir also zu den Sachen, die bei mir negativ aufgefallen sind.

Die Genauigkeit - um das ganze mal mit einem Oberbegriff zu nennen. Hier spielen 2 Bauteile für mich eine Rolle, die den Ansprüchen dieser Säge meiner Ansicht nach, nicht genügen. Das eine ist die optische Führungshilfe oder besser gesagt der keilförmige Einschnitt an der Vorderseite. Ich habe eine Linie auf einer MDF-Platte angezeichnet und bin diese dann mit Hilfe der Kerbe abgefahren. Große Verwunderung, der Bleistiftstrich war immer noch klar zu sehen, ja noch schlimmer, rechts davon waren noch ca. 2mm vom Holz drangeblieben(Bild 3). Zuerst dachte ich hab das Sägen verlernt und machte den Schnitt nochmal, und dann nochmal aber es änderte sich nicht. Laut Handbuch befindet sich die Spitze genau in der Sägeblattmitte. Ok, das ist nicht unbedingt vorteilhaft aber damit könnt man ja noch leben, da das Sägeblatt ja wirklich dünn ist(1,5mm) Jedoch befindet sich dieser Keil nicht da wo er sein soll. Da diese Führungshilfe auch lediglich genietet ist kann diese nicht justiert werden. Somit kann man inklusive Sägeblatt von einem Versatz von fast 3mm ausgehen-das ist eindeutig zu viel, auch für den Heimwerkerbereich. Ich habe mal einen Winkel an die linke Blattseite gelegt, da sieht man ganz deutlich wie groß der Versatz ist(Bild 4).

Der Parallelanschlag sieht zwar aus wie einer und man kann mit ihm auch Parallelschnitte durchführen aber nicht mit vorgegeben Maß… Ich habe es versucht, wirklich versucht und ich bezeichne mich als handwerklich nicht unbegabt, aber ich habe es nicht geschafft den Anschlag auf ein vorgegebenes festes Maß einzustellen. Der Mechanismus(eine Inbusschraube) mit dem der Anschlag festgemacht wird, ist in diesem Zustand nicht brauchbar. Dreht man die Schraube fest, zieht sie durch die Drehbewegung den Anschlag mit und das auch noch unregelmäßig so dass man sich nicht drauf einstellen kann. Außerdem ist die Schraube lackiert wodurch der Inbusschlüssel nicht richtig passt. Zusätzlich ist der Anschlag aus minderwertigem, weichem Material. Die Schraube hinterließ sichtbare und vor allem tiefe Spuren(Bild 5). Da besteht dringend Nachholbedarf!

Kommen wir zu einem kleineren Problem was mich aber dennoch gestört hat. Die Led-Arbeitsleuchte ist grundsätzlich sehr gut und auch sehr hell. Fast schon zu hell, denn ihr Licht wird von glatten und lackierten Oberflächen sehr stark reflektiert und man kann die Markierung nicht mehr sehen. Zudem leuchtet sie nur den Bereich innerhalb der Grundplatte aus. Der vordere Bereich, den ich persönlich für wichtiger empfinde wird komplett durch die Winkelverstellungsvorrichtung verdeckt. Das heißt, dass die beiden keilförmigen Einschnitte überhaupt nicht im Lichtkegel sind. Auch fand ich es unpraktisch, dass das Licht erst angeht wenn auch die Säge startet. Zumindest habe ich dies nicht getrennt voneinander hinbekommen.

4.Bist du zufrieden mit deinen Arbeitsergebnissen?
Kurz und knapp - Bedingt – die Schnittleistung und Sauberkeit ist herausragend-die Genauigkeit ungenügend. Fürs Laminat verlegen reicht es auf jeden Fall, fürs Möbel bauen nur dann wenn es nicht auf die letzten Millimeter ankommt.

5.Wurden deine Erwartungen erfüllt?
Auch hier zweigeteilt. Einerseits wurden diese übertroffen aufgrund der Leistung aber in Punkte Genauigkeit blieb sie hinter den Erwartungen zurück.

6.Was können wir zukünftig verbessern?
Diese Liste ist nicht unerheblich wobei die Genauigkeit an vorderster Front steht.
Die Einkerbung für die Schnittführung sollte schon an der richtigen Position sein. Außerdem wäre es hier sinnvoll, wenn diese in einer Linie mit der linken Kante und nicht in der Sägeblattmitte wäre. Linke Kante deswegen, weil es ja verschiedene Stärken für Sägeblätter gibt und man hier eine Fixrichtung hätte.

Das Material des Anschlages muss besser- härter und torsionsbeständig, sein. Auch das feststellen mit der Inbusschraube ist stark verbesserungswürdig. Hier würde ein bewegliches Plättchen unterhalb der Schraube, was sich nur senkrecht auf den Anschlag presst, Wunder vollbringen.

Die Position und Helligkeit der Led-Leuchte ist auch überarbeitbar. Insbesondere die Ausleuchtung des Bereichs vor den Schnittführungen. Auch könnte man den Lichtschalter mit dem „Sicherheit“- und nicht dem „Startschalter koppeln. So wäre eine Ausleuchtung auch ohne laufende Maschine möglich.

Die Position der Akkuanzeige ist auch nicht wirklich geglückt und würde sich besser oberhalb der Säge machen.

Der Hebel mit dem man den Blattschutz manuell anheben kann sollte länger sein. Es war mir nicht möglich den Blattschutz komplett anzuheben und trotzdem mit der Hand am Zusatzgriff zu bleiben. Dies ist beim senkrechten Eintauchen etwas schwierig zu händeln. Auch konnte Schutz besser an der Säge befestigt sein. Der klappert und wackelt als wenn er jeden Augenblick abfällt bzw. bricht.

Jetzt kommen wir zu einer Sache, die ich persönlich auch nicht gut finde. Der Gebrauch eines extra Anschlages ist nicht immer möglich. In einem Produktvideo hab ich gesehen, dass dieser rechts von der Säge gemacht wurde. Ich finde es aber als sehr unpraktisch wenn sich Anschlag und Grundplatte nicht auf demselben Stück Holz befinden. Bedeutet, wenn ich den rechts davon anbringe säge ich ja den Anschlag ab. Das führt zwangsweise zum Verreißen. Auf die linke Seite kann ich den aber nur bedingt anbringen. Dies kommt durch die sehr geringe Bauhöhe des Motorblocks zustande. Bei voller Schnitthöhe passt hier nicht mal mein Anschlagwinkel(Höhe knapp 2mm-Bild 6) dazwischen. Wenn ich also von einer Anschlagshöhe von 1cm ausgehe kann ich kein 18mm Brett mehr sägen.

Zu guter Letzt etwas Grundsätzliches- das Akkusystem von Bosch! Ich weiß, ich kämpfe hier gegen Windmühlen aber das ist einfach unpraktisch, kostenintensiv und ärgerlich. Diese Problematik wurde schon oft angesprochen aber ich finde das muss auch hier gesagt werden. Die Firma Bosch vertreibt Akkus der 10.8 Serie für die grünen und blauen Geräte. Diese sind komplett Baugleich was das technische Betrifft. Einzig und allein die Bauform verhindert einen gegenseitigen Einsatz. Dies ist innerhalb der Geräte ein kleiner Plastiknupsi und am Akku selber der unter Bereich wo es mal eine Abdeckung gibt(bei den Grünen) und mal nicht(bei den Blauen) Da sieht man sogar die Sollbruchstellen. Sicherlich verfällt aber die Garantie wenn man den Nupsi bzw. die Abdeckung beseitigt. Also Leute von Bosch, so sehr ich von der 10.8 Akkuserie begeistert bin. Das kann man aufgrund der Kundenfreundlichkeit ändern. Ich habe insgesamt 5 Akkus der Grünen und 3 der Blauen. Alle können zwar im selben Ladegerät aufgeladen werden aber ich will nicht immer drauf achten müssen auch den Richtigen dabei zu haben.

7.Würdest du die Säge wiederverwenden.
Ja ich werde die Säge natürlich wiederverwenden. Allerdings ist das Spektrum aufgrund der Genauigkeitsprobleme kleiner geworden. Empfehlen kann ich es auf jeden Fall für den Laminatzuschnitt. Auch das grobe Ablängen von Latten funktioniert super. Gerade an Orten wo man aus Platzmangel keine großen Gerätschaften gebrauchen kann.
 
So, das war er, der Testbericht. Ich hoffe ich konnte vielen die Säge näher bringen und über die Vor- und Nachteile aufzeigen. Ich hoffe insbesondere, dass die Produktmanager sich die Zeilen über die Genauigkeit zu Herzen nehmen.
Auch wenn mein Bericht sehr negativ klingt ist die PKS 10.8 eine Säge die durchaus eine Daseinsberechtigung hat. Nochmals Danke an die Produktmanager und Moderatoren die mich bei meinen anfänglichen Problemen mit der Säge unterstützt und für Ersatz gesorgt haben.
NEXT
Bild 1:So kam sie an - im Karton
1/6 Bild 1:So kam sie an - im Karton
PREV

Kommentar schreiben

Hallo zusammen,

den Thread zur Diskussion über diesen Testbericht findet Ihr unter http://www.1-2-do.com/forum/showthread.php?p= 1124437&posted=1#post1124437.

Viele Grüße
Björn
2016-02-16 16:58:34

So sieht ein kritischer, ehrlicher Testbericht aus. Vielen Dank für das ausgiebige Testen!
2016-02-18 08:01:16

Hier gehts zum Gewinnspiel 'Bohrgeräusch des Monats' auf 1-2-do.com Hier gehts zum Gewinnspiel 'Bohrgeräusch des Monats' auf 1-2-do.com
Werde Mitglied in der großen deutschen Heimwerker-Community!
Jetzt anmelden!