Der GluePen von Bosch klebt (fast) alles

Mitglieder der 1-2-do.com stellen Bosch
Elektrowerkzeuge auf die Probe

Schnell einsatzbereit für den Modellbau 4 Kommentare
Vom 29.02.16 Geändert 2016-02-29 21:37:48
Als Modellbauer verwende ich immer mal wieder Heißkleber, wenn andere Klebstoffe wie Sekundenkleber oder Plastikkleber an ihre Grenzen kommen.

Bei den bisher von mir verwendeten Heißklebepistolen mit 11mm Klebesticks störte mich aber, dass sie groß sind, dicke Klebetropfen machen und sich mehrere Gedenkminuten zum Aufheizen gönnen. Das ist OK, wenn ich richtig Power zum Verkleben großer Flächen brauche, aber für die feineren Arbeiten habe ich ein geeignetes Gerät vermisst. Eine testweise angeschaffte kabelgebundene Mini-Klebepistole mit 7mm Sticks erwies sich jedoch als schwachbrüstig und unzuverlässig.

Da kam mir der GluePen von Bosch gerade recht. Ich war trotzdem skeptisch, ob ausgerechnet ein akkubetriebenes Gerät meine Bedürfnisse erfüllen könnte? So bewarb ich mich für den Produkttest.

Zum Test traf der GluePen bei mir zusammen mit einem Micro-USB-Netzteil und vier Stück 7mm Klebesticks ein.
Zunächst habe ich das Gerät ans Netzteil gesteckt, und dann war ein oder zwei Stunden Wartezeit angesagt, bis der Akku des GluePen vollgeladen war. Kleiner elektrotechnischer Grundkurs für Interessierte:
Die Kapazität des Akkus beträgt 1,5 Ah bei 3,6 V Spannung.
1,5 Ah * 3,6 V = 5,4 Wh (steht ja so auch auf dem Typenschild drauf)
...und das Netzteil lädt mit 0,5 A Stromstärke bei 5 V Spannung.
0,5 A * 5 V = 2,5 W (Leistung des Netzteils)
5,4 Wh / 2,5 W = 2,16 h
Sprich, das Netzteil braucht knapp über 2 Stunden für eine volle Ladung.
So, ihr Freunde des nutzlosen Wissen, damit könnt ihr auf der nächsten Party angeben, hehe.

Endlich war der GluePen vollgeladen. Ladekabel abgesteckt, einen Klebestift eingesteckt und dann drückte ich Einschaltknopf für mehrere Sekunden, bis die LED grün zu blinken anfing. Nach ca. 15 Sekunden wurde aus dem Blinken ein dauerhaftes Leuchten. Wie, die Klebepistole ist tatsächlich schon aufgeheizt und einsatzbereit? Kann doch nicht wahr sein!
Oh doch, es ist wahr gewesen. Ich hab erstmal fröhlich auf Papier und Folie drauflosgeklebt, und dabei meinen ersten Stift innerhalb von ein paar Minuten verbraucht. Er schaffte einen guten Kleberdurchsatz ohne zwischenzeitliche Heizpausen. Der Abzug lässt sich auch bei längeren Sessions recht angenehm betätigen, ohne dass die Hand verkrampft. Mit einem Druck auf den Abzug lässt sich eine ca. 5cm lange dünne Heißkleber-"Wurst" ziehen.

Beim Verbrauch des zweiten Stifts kam mir alsbald die automatische Abschaltung in die Quere, die nach einer bestimmten Zeitspanne selbsttätig den GluePen abschaltet. Das ist einerseits ja ein lobenswertes Sicherheitsfeature, andererseits habe ich davon erst etwas mitbekommen, als das Kleben urplötzlich immer schwerer wurde. Die grüne LED geht dabei aus, aber ich achtete da gar nicht so drauf. Ein akustisches Signal, etwa ein kurzer Piepston, wäre hilfreich gewesen.

Positiv fand ich den Tropfstopp. Ganz tropffrei ist mein GluePen zwar nicht, aber wesentlich besser als bei anderen Klebepistolen, die ich kenne.

Ursprünglich wollte ich den GluePen anhand einiger produktiver Projekte auf Herz und Nieren testen. Durch das verspätete Eintreffen des Testgeräts ist das leider nicht möglich gewesen. Darum habe ich ein paar Testklebungen auf verschiedenen Materialien gemacht. Darunter Polystyrol-Schaumplatte, Kiefernsperrholz, 0,3mm Alublech, und Polystyrolplatten in 0,5mm und 1mm Stärke.

Auf den PS- und PS-Schaumplatten macht der GluePen ein Heimspiel. Man kann diese zwar auch mit verschweißenden Plastikklebern kleben, aber muss dann Wartezeiten in Kauf nehmen. Mit dem GluePen sind sowohl flächige Klebungen, als auch Kante-zu-Fläche möglich. Man muss nur mit der Hitzeentwicklung etwas acht geben, damit sehr dünne Materialien sich nicht unerwünschterweise verformen.

Sperrholz würde ich normalerweise mit Leim kleben oder gleich verschrauben, aber die flächige Klebung mit dem GluePen ist OK, wenn man mit etwas Abstand aufgrund der Klebeschicht zwischen den Holzplatten leben kann.

Beim Alu war ich sehr gespannt, ich hab einmal eine glatte und einmal eine gefalzte Klebung gemacht. Die glatte lässt sich mit etwas Mühe wieder lösen, der Falz hingegen ist bombenfest. Durch die Hitzeableitung des Metalls kann es vorteilhaft sein, das Werkstück vor dem Kleben etwas anzuwärmen.

Nachdem die vier beigelegten Klebestifte verbraucht waren, habe ich 7mm Sticks von Steinel und Proxxon ausprobiert. Die Steinel-Sticks scheinen sehr ähnlich, oder gar identisch zu denen von Bosch zu sein. Mit ihnen lies sich gut kleben. Die Proxxon-Sticks sind hingegen zu kurz und verstopfen den GluePen, weil sie nicht flüssig genug werden. Hier lohnt es sich also, zur teuren Markenware von Bosch und Steinel zu greifen. Bosch selbst gibt in der Bedienungsanleitung an, welche Bosch-Sticks für den GluePen besonders geeignet sind, im Zweifelsfall sollte man sich daran halten um ein gutes Klebeverhalten zu bekommen. Von Billigsticks rate ich aus meiner nun gesammelten Erfahrung ab.

Die Bosch- und Steinel-Sticks haben die angenehme Eigenschaft, einerseits auch bei niedrigen Temperaturen gut zu fließen und zu kleben, und andererseits noch einige Sekunden nach dem Auftragen Korrekturen zu ermöglichen. Bei anderen Klebepistolen verbrenne ich mir gerne mal die Finger am Kleber, hier ist das nicht der Fall gewesen. Darum würde ich ihn auch bedenkenlos Kindern im Grundschulalter zum Basteln in die Hand geben, vorrausgesetzt sie wurden in die Benutzung und etwaige Gefahren von Heißkleber eingewiesen, und sie werden anfänglich beaufsichtigt.

Die Grenzen des GluePen liegen bei großen Klebungen mit viel Fläche. Dort sind ausgewachsene Klebepistolen mit Netzkabel im Vorteil.

Anbei möchte ich noch in Kurzform die Fragen beantworten, die Bosch zum Produkttest des GluePen gestellt hat.

1. Was gefällt Dir besonders gut an dem GluePen?
Sein extrem schnelles Aufheizen, was ich immer noch faszinierend finde. Es ist kein nerviges Kabel im Weg, und das Gerät fällt nicht spontan um.
2. Für welche Projekte ist der GluePen aus Deiner Sicht besonders gut geeignet?
Dekoration. Modellbau. Kleine Arbeiten im Möbelbau. Bastelarbeiten
3. Wie leicht fällt Dir die Handhabung/Nutzung des Heißklebers?
Fällt mir leicht. Geringes Gewicht. Liegt angenehm in der Hand. Kann auf zwei Arten gehalten werden. Hält Temperatur auch bei hohem Kleberdurchsatz.
4. Erfüllt der GluePen Deine Anforderungen und Erwartungen?
Ja, er erfüllt meine Anforderungen und hat meine anfängliche Skepsis vollkommen in Luft aufgelöst.
5. Was können wir zukünftig noch an dem GluePen verbessern oder erweitern?
Die Ladezeit ist mit über 2 Stunden zu lang. Ein kräftigeres Ladegerät mit 1 A Ladestrom würde zur Halbierung der Ladezeit sorgen. Das Ladekabel könnte abtrennbar gestaltet sein, so wie bei den Micro-USB-Kabeln, welche Smartphones beiliegen. Die automatische Abschaltung sollte durch einen Piepston signalisiert werden, um das Klebeergebnis nicht unabsichtlich zu verschlechtern.
6. Würdest Du den GluePen auch in Zukunft für weitere Projekte verwenden?
Auf jeden Fall.
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Hallo zusammen,

den Thread zur Diskussion über diesen Testbericht findet Ihr unter http://www.1-2-do.com/forum/die-testberichte- zum-bosch-gluepen-thema-21151.html.

Liebe Grüße
Kathrin
2016-03-15 07:20:33

Dieser Testbericht von RostigerRumpott ist einfach super geworden und kann exemplarisch als gelungener Testbericht vorgezeigt werden. Wenn doch nur alle Testberichte so wären :)

So soll das sein... *TOP*

5 D
2016-03-15 13:33:59

Ein schön geschriebener Test, er lässt sich flüssig lesen und ist aussagekräftig .
So macht es Spass einen Test zu lesen
2016-03-15 18:28:54

Herzlichen Dank für eure lieben Kommentare!
2016-03-15 23:37:54

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