Der Akku-Zweigang-Schlagbohrschrauber PSB 10,8 LI-2

Mitglieder der 1-2-do.com stellen Bosch
Elektrowerkzeuge auf die Probe

Super Handling mit leichten Schwächen 5 Kommentare
Vom 30.05.13 Geändert 2013-05-30 08:45:10
Mein Testbericht des PSB 10.8 LI-2. Wenn wer noch etwas wissen möchte oder vermisst, trage ich das gerne nach.

Ich gehe in diesem Bericht von mir als eher wenig erfahrenem Heimwerker aus, man möge mir also ggf. amateurhafter Test-Methoden und für den einen oder anderen uninteressante Aspekte verzeihen :-)

Ok, los geht's:

Paket:
Nachdem ich ja einige Tage ungeduldig gewartet habe, kam endlich der Anruf meiner Frau, dass da ein relativ großes Paket von GLS angekommen sei. Zuhause angekommen, wurde es sofort geöffnet und mich lachte ein grüner Koffer mit dem Abbild des Akkuschraubers an. Zusätzlich lagen ein Schrauben- sowie ein Bit-Set von Spax bei. Außerdem steckte im Akkuschrauber selbst bereits ein Bit mit Kreuz- und Flachende.

Lieferumfang:
Im Forum wurde von einigen moniert, dass sie sich lieber z. B. einen Zweit-Akku o. ä. gewünscht hätten. Da es sich aber eigentlich um den Test des Akku-Bohrers handeln sollte, empfand ich die Dreingaben als nette Aufmerksamkeit, die sich bei mir bereits mehrfach bewährt haben.   Natürlich waren auch Akku und Ladegerät dabei. Der Koffer bietet dem Ladegerät, dem PSB selbst und , bei Bedarf, einem separaten Akku Platz. Was mir persönlich sehr gut gefallen hat (Ich weiß nicht, ob Bosch das immer macht oder nur hier für den Test), war ein von Hand ausgefüllter Lieferschein. Nennt mich spießig, aber so was finde ich toll! Vielen Dank für die Mühe, Herr Philips :-)

Akku & Ladegerät:
Das Ladegerät macht im Vergleich zum Schrauber auf den ersten Blick durch das niedrige Gewicht einen weniger tollen Eindruck. Aber das täuscht. Die Verarbeitung ist auch hier sehr gut. Es gibt keinen Grund zum Mäkeln. Und: Kein störender Lüfter!

Der Akku ist erstaunlich klein und hält bis jetzt immer ca. sechs Stunden (Zwei Sessions) unter viel Benutzung. Vermutlich noch etwas länger, aber dann zeigt die Ladeanzeige bereits ein rotes Licht - Für den kleinen Akku finde ich das in Ordnung. Ich habe gelesen, dass der Akku innerhalb einer Stunde aufgeladen sein soll, aber das ist er bei mir definitiv nicht. Die Anzeige am Ladegerät signalisiert zwar einen vollen Akku, allerdings gibt er dann schnell auf. Lasse ich den Akku jedoch ein paar Stunden im Ladegerät, verhält er sich so, wie er soll. Vielleicht liegt das nur an meinem Gerät? Ich weiß es nicht.

Akkuschrauber:
Beim ersten Mal in die Hand nehmen machte der schon einen super Eindruck! Er wirkt massiv, nichts wackelt. Ein kleines Detail am Rande: Beim "Starten" des Schraubers drückt dieser aufgrund des relativ großen Drehmoments leicht in die andere Richtung - Netter Effekt :-) Jedoch keinesfalls so stark, dass es stören würde.

Der Schnellspann-Mechanismus ist ja mittlerweile Standard, dazu muss man also nicht mehr viel sagen. Was mich erstaunt hat und womit mein bisheriger Akkuschrauber häufig Probleme hatte, war, dass sich beim Herausdrehen von Schrauben der Aufsatz aus der Schnellverspannung gelöst hat. Ich weiß nicht, wie das hier gelöst wurde, aber das Bit saß auch nach dem Herausdrehen von etlichen, fest sitzenden Schrauben genau so fest wie am Anfang. Anders herum beim Bohren - Mir ist es ab und zu passiert, dass bei zu großem Widerstand z. B. durch Verkanten des Bohrers sich dieser nicht mehr mit gedreht hat.

Leider hat man aufgrund der nicht ganz so hohen Stärke keine Möglichkeit, den Bohrer noch fester einzuspannen (Oder gibt es da einen Trick?).

Zu den Test-Aspekten:

1. Welche(s) Projekt(e) habe ich damit umgesetzt?
Leider hat sich mein eigentlich geplantes Projekt in Luft aufgelöst. Allerdings habe ich mit meiner zweiten Biegevorrichtung und einem Zwischenboden gewartet, bis ich den Akku-Schrauber in der Hand hielt.

Zwischenboden: Hier ging es primär darum, viele Schrauben in Massivholz zu drehen, was der PSB auch ohne Murren machte. Wie allerdings weiter unten noch beschrieben, schafft er trotz Schlag keine Plattenbau-Wände. Nach ein paar Zentimetern ist Schluss. 

Biegevorrichtung: Es ging um das Bohren von Löchern (4 - 10 mm in 18 - 36 mm Leimholz) und das Festziehen von Schrauben - Alles kein Problem bis auf das Versenken der Schraubenköpfe. Außerdem habe ich mit einer Lochkreissäge (20 mm) Löcher durch Leimholz gebohrt. Hier kam leider wieder das Problem auf, dass der der Aufsatz blockierte, weil man das Bohrfutter nicht stark genug anziehen kann. Abhilfe ließ sich schaffen, in dem man den den Akkuschrauber wieder etwas heraus zog, auf volle Leistung ging und dann mit wenig Druck weiter sägte.

2. Wie beurteilst Du die Leistung des PSB 10,8 LI-2?
Leistungsmäßig kann er beinahe mit größeren Akkuschraubern mithalten. Leider reicht die Leistung manchmal nicht aus, um z. B. Schraubenköpfe in Leimholz zu versenken - Das hängt seltsamerweise stark von der Position der Schraube ab. Damit der Schlag beim Bohren richtig zur Geltung kommt, sollte man schon eine sehr hohe Drehzahl benutzen.  

Wie oben erwähnt, habe ich versucht, Löcher mit dem Schlagbohrmechanismus in Wand und Decke zu bohren (Plattenbau P2) - aber keine Chance. Man kommt mit Mühe und Not ein paar Zentimeter tief. Fairerweise muss man aber sagen, dass auch eine normale Schlagbohrmaschine damit überfordet ist - Man benötigt schon einen Bohrhammer, aber ich wollte es mal probiert haben. In normalen Beton zu bohren, ist kein Problem. Probiert habe ich das mit 8 mm in einer alten Betonplatte. Es dauert zwar trotz Schlag etwas, aber es funktioniert.

Meine "härtesten" Bohrversuche waren ein Loch mit einer Lochkreissäge (20 mm), eine 10 mm Bohrung durch 36 mm Leimholz und 10 mm durch Metall (Alu-Profil mit 5 mm Stärke und Stahlwinkel mit 3 mm Stärke) - Verkantet man den Bohrer nicht, klappt es einwandfrei. Auch nach 5 min Dauerbohren wird der Schrauber nicht übermäßig warm.

Für mich super: Der Bohrkopf schwingt kein bisschen, sondern läuft auch unter Druck absolut gerade.

3. Wie leicht fällt Dir die Handhabung?
Was soll ich sagen - Das ist seine große Stärke. Der Akkuschrauber ist leicht und hat eine geringe Größe. Gewogen habe ich ihn mit (ca. 1060 g) und ohne (ca. 890 g) Akku. Was mir gut gefallen hat: Man kann die Drehzahl sehr gut dosieren. Der Abzug ist sehr leichtgängig und die Drehzahl steigt - zumindest gefühlt - linear an.

Das Gewicht macht Einiges aus. Zusätzlich ist der PSB sehr gut ausbalanciert, auch wenn das nach Colts in einem Western klingt :-) Die größeren Brüder wiegen ca. 400 g mehr. Beim Treffen von Schraubköpfen mit den Bits in schwierigen Positionen (z. B. einhändig über Kopf) schlägt sich der PSB 10,8 LI-2 dadurch um Längen besser.

Bei der Bedienung kann man nur wenig falsch machen.. Getrennte Einstellung von Drehmoment, Drehrichtung und Modus (Schrauben, Bohren, Schlagbohren), wobei mir bei den Modi Schrauben und normales Bohren kein Unterschied aufgefallen ist. Die zwei "Gänge" (hohe Drehzahl und niedrigeres Drehmoment/Niedrige Drehzahl und höheres Drehmoment) sind hingegen signifikant unterschiedlich.

4. Bist Du zufrieden mit Deinen Arbeitsergebnissen? / 5. Erfüllt der PSB 10,8 LI-2 Deine Anforderungen und Erwartungen?
Eigentlich schon. Ich hatte mir ein kleines bisschen mehr Kraft erhofft. Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau - Meine Erwartungen wurden erfüllt.

6. Was können wir zukünftig am Akku-Zweigang-Schlagbohrschrauber PSB 10,8 LI-2 verbessern?
- Der Akku wird in den Akkuschrauber mit zwei "Kunststoff-Klipsen" eingerastet. Da besteht in meinen Augen Abbrech-Gefahr.
- Die Kontakte des Ladegeräts sind zwei dünne Stahlkontakte - Hier das Selbe: Wenn man unvorstichtig ist, sehe ich die Gefahr, dass diese sich verbiegen.
- Zumindest bei mir: Das Ladegerät benötigt wesentlich länger als eine Stunde (eher mehrere), um den Akku komplett aufzuladen.
- Das Bohrfutter müsste sich etwas stärker anziehen lassen können.

Bei den ersten beiden Punkten will ich mich allerdings zu weit aus dem Fenster lehnen. Es ist gut möglich, dass ich hier das Material unterschätze.

7. Würdest Du den PSB 10,8 LI-2 in Zukunft auch für weitere Projekte verwenden?
Auf jeden Fall :-) Bis auf die paar Kritikpunkte ist das Teil super!


Langer Rede, kurzer Sinn: Der Preis für ein derartiges Heimwerkergerät ist auf den ersten Blick in meinen Augen schon recht hoch. Wenn man das Ding aber erst mal in den Händen hält, relativiert sich das schnell. Er ist zwar etwas schwächer als seine größeren Brüder, dafür können sie ihm beim Handling nicht das Wasser reichen. Es kommt darauf an, was einem wichtiger ist - Ich persönlich würde aufgrund des Handlings zum PSB 10.8 LI-2 tendieren. Für alles, was viel mehr Kraft benötigt, benutze ich eh eine Bohrmaschine.

Für mich persönlich eine klare Empfehlung, allerdings abhängig vom Einsatzgebiet.

Nachtrag:

Auf den Hinweis des Mitglieds Hermen hin habe ich heraus gefunden, dass der PSB 10,8 LI-2 in der Tat über die sogenannte Spannkraftsicherung verfügt. Dabei wird der Bohrer nicht mehr eingespannt, indem man den Bohrkopf festhält und dann den Schrauber laufen lässt, bis der Bohrer fest zu sitzen scheint. Statt dessen dreht man den Bohrkopf, sobald der Bohrer halbwegs fest sitzt, fest. Dabei hört man drei mal ein "Klacken". Nach dem dritten Klacken wird der Bohrkopf eine "Rasterung" zurück gedreht. Danach sitzt der Bohrer bombenfest.

Eine Video dazu findet man hier: http://youtu.be/F-FG1QB5O90

Das einzige, was man Bosch in dieser Hinsicht vorwerfen muss, ist, dass das nirgends in der Anleitung erwähnt wird und man auch nicht einfach so im Internet darauf stößt. Unbedarfte wie ich denken dann, dass sich der Bohrer einfach nicht fester einspannen lässt.

Fazit: Die Aussage, dass Bit-Aufsätze und Bohrer 1. "durchdrehen" und 2. sich von Zeit zu Zeit lösen, kann getrost zu den Akten gelegt werden :-)
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Danke an Hermen, dass er uns bezüglich der lockeren Bohrer aufgeklärt hat: Zitat" Bosch muss unbedingt die Bedienung der Autolock-Funktion und der Spannkraftsicherung in die BA aufnehmen"
2013-06-27 20:36:51

Den Nachtrag habe ich angefügt, nachdem ich heraus gefunden hatte, dass auch der PSB 10,8 LI-2 die Spannkraftsicherung besitzt.
2013-06-28 19:24:07

Das ist mal ein wirklich hervorragender Testbericht. Sauber und ordentlich gegliedert und der Reihenfolge nach beschriben. KLASSE...
2013-07-11 16:19:37

Hallo ibHw ;-))

Erstmal zu deinem Testbericht, hier kann ich mich vorbehaltlos gschafft anschliessen, der Testbericht ist knackig und gut geschrieben.
Er beinhaltet alle wichtigen Infos und man merkt das du dich mit dem Gerät beschäftigt hast.

Auch der Nachtrag mit der Spannkraftsicherung zeigt mir, das du deinen testauftrag wirklich sehr ernst nimmst.

KLASSE!

Ein paar Anmerkungen hab ich aber dennoch:

Zur Ladezeit:
Eigentlich sollte die schon in etwa stimmen, da ja die Akkus mit einem bestimmten Ladestrom geladen werden, daher lässt sich die Ladezeit recht gut berechnen.
Was sein kann, Anfangs haben die Akkus noch nicht die volle Kapazität.
Ich würde das beobachten und ggf. das Ladegerät (wenns nicht besser wird) zur Garantiereparatur samt dem Akku einschicken (kann auch an dem liegen).

Zu den Kunststoffhaltern und den Metallkontakten:
Die Klipse und die Kontakte halten bei mir seit 2005.
2013-07-22 15:25:00

Mir ist noch etwas eingefallen, was ich leider im Test vergessen habe, zu erwähnen: Mit der Drehmomentbegrenzung stellt man nicht etwa die NM ein, sondern nur eine "Kraftstufe". Das macht es schwierig, den Schrauber so einzustellen, dass man Schrauben anziehen kann, die eine max. NM-Angabe haben (z. B. Vorbau am Fahrrad).
2013-07-23 14:31:05

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