Der Akku-Zweigang-Schlagbohrschrauber PSB 10,8 LI-2

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Das Kabel ist tot, es lebe der Akku! - Testbericht PSB 10,8 LI-2 1 Kommentar
Vom 27.05.13 Geändert 2013-05-27 20:25:47
Erster Eindruck und das Gehäuse
Das Gerät liegt einfach sehr gut in der Hand und ist sehr kompakt. Die Verarbeitung ist, wie man es von Bosch erwartet, sehr hochwertig. Durch die Gummierung des Griffs bleibt der Schrauber beim Arbeiten wo er soll: In der Hand. Die Anzeigen oben am Gerät über die Drehrichtung finde ich persönlich überflüssig. Im Gegensatz zu den großen „18V-Brüdern“ kann der PSB 10,8 LI-2 nicht stehen, muss zwischen Arbeitsschritten also hingelegt werden.
                                                               
Bohrfutter
Das Bohrfutter mit Spindelarretierung ist für den Werkzeugwechsel echt praktisch, gerade wenn man häufig zwischen Bohrer und Bit wechselt. Über den Rechts-/Linkslauf kann man sehr schnell das Bohrfutter öffnen und schließen. Das Bohrfutter ist durch die Schlagfunktion etwas kürzer, als beim PSR 10,8 LI, so dass ich gelegentlich die Drehmomenteinstellung verstellt habe, wenn ich das Bohrfutter festgezogen habe. Im Gegensatz zum PSR klickt das neue Bohrfutter beim festziehen, das irritiert im ersten Moment, ist aber eigentlich ganz praktisch. Durch die integrierte Schlagfunktion hat das Bohrfutter in axialer Richtung etwas Spiel, was auch beim Schrauben und Bohren (negativ) auffällt. Hier wäre es besser, wenn das Spiel durch die Schraub- und Bohreinstellung komplett beseitigt wird. Der Spannweitenbereich des Bohrfutters ist optimal. Sowohl 10mm Bohrer als auch solche unter 1 mm kann das Bohrfutter festhalten.
 
Einstellring für Drehmomentstufe
Der Einstellring für die Drehmomentstufen fühlt sich gut an und lässt sich gut einstellen. Durch den zusätzlichen Einstellring für die Schlagfunktion ist der grüne „Pfeil“ am Gehäuse jedoch etwas weit von der Skala entfernt, und man sieht nicht auf den ersten Blick welche Drehmomentstufe gerade gewählt ist.
 
Einstellring für „Schlagfunktion“
Bei dem Einstellring für die Schlagfunktion wundert man sich im ersten Moment über die Unterscheidung zwischen Schraub- und Bohrstufe. Im Handbuch sucht man vergeblich nach einer Erklärung! Warum sollte ich bei einem Wechsel von Bit auf Bohrer den Modus ändern? Nach einem bisschen herumexperimentieren kommt dann der „Aha“-Effekt: Der Bohrmodus deaktiviert die Drehmomentbegrenzung! Das hat den Vorteil, dass man bei einem Wechsel von Bit auf Bohrer die Drehmomenteinstellung nicht verliert (bei anderen Geräten muss man den Drehmomentwahlschalter in Richtung Maximum drehen, um die Drehmomentbegrenzung zu deaktivieren). Warum wird das nicht stärker beworben? Warum wird das im Handbuch nicht beschrieben? Echt schade…
Zur Haptik des Einstellrings: Ich kann nicht verstehen, warum der neue Einstellring anders aussieht und sich anders anfühlt als das Bohrfutter und der Einstellring für die Drehmomentstufe. Das ergibt für mich kein schlüssiges Gesamtbild.
 
Die „Arbeits-LED“
Eine LED zum Beleuchten von Schraube/Bohrloch ist sehr praktisch, vor allem wenn man in schlecht beleuchteten Räumen arbeitet und Möbel zusammenbaut. Schade ist jedoch, dass man den „Abzug“ verhältnismäßig weit drücken muss, bis die Lampe angeht. Bei Personen mit wenig Fingerspitzengefühlt dreht sich dann bereits das Bohrfutter und das Loch wird an der falschen Stelle gebohrt. Zudem wäre auch ein kurzer „Nachlauf“ der LED sinnvoll, so dass man den Bohrer nachjustieren kann, ohne ständig den „Abzug“ halten zu müssen. Vielleicht wäre es auch sinnvoll eine etwas hellere LED zu verbauen.
 
Die Schlagfunktion
Getestet habe ich die Schlagfunktion in einer Steinmauer in meinem Keller mit einem 6mm Steinbohrer. Allein mit der Bohrfunktion war nicht daran zu denken, in den Stein zu kommen. Anders nach Aktivierung der Schlagfunktion: Der Bohrer ist sauber und kontinuierlich in der Wand verschwunden. Damit haben sich meine Erwartungen an den kleinen Zwerg erfüllt. Optimal um das ein oder andere Loch in akzeptabler Zeit in die Wand zu bekommen, ohne erst eine Kabeltrommel holen zu müssen.
 
Der Koffer
Der Koffer ist kompakt und bietet zusätzlich Platz für einen 2. Akku und weiteres Zubehör. Wer gut Tetris spielen kann, bekommt einiges im Koffer unter: Bitkasten mit Ratsche, Bohrersatz für Holz, Stein, Metall, Zollstock (nach Entfernung eines Kunststoffstegs), Messer, Schraubenzieher und Phasenprüfer, Winkelaufsatz, Zange, Ladegerät, Ersatzakku, Senker, Bleistift, … (Als Beweis gibt es dazu ein Foto!) Wer gelegentlich bei Freunden im „Außeneinsatz“ ist braucht jetzt nur noch einen Koffer! Genial!
 
Akku
Genau wie das Gerät ist natürlich auch der Akku klein und handlich. Für den Alltag ist es absolut ausreichend, dass nur ein Akku beim Gerät dabei ist. Personen, die den Akkuschrauber intensiver nutzen besitzen mit hoher Wahrscheinlichkeit noch ein weiteres 10,8 V Gerät von Bosch und damit weitere Akkus, wenn der erste schlapp macht. Ich würde es bevorzugen, wenn die Ladestandsanzeige des Akku nicht oben am Gerät sondern am Akku selbst ist. Dann könnte man auch bei ausgebauten Akkus den Ladestand sehen.
 
Ladegerät (AL1115CV)
Praktisch ist, dass das Ladegerät sehr leicht ist und direkt im Koffer verstaut werden kann. Besonders klein ist es aber nicht, so dass der Koffer etwas größer ist als der vom PSR 10,8 LI. Was ich nicht verstehen kann ist, dass das Leuchten der grünen LED sowohl bedeuten kann, dass der Akku vollgeladen ist, als auch, dass der Akku überhitzt ist. Das kommt natürlich nicht oft vor, trotzdem wäre für den Fall eine rote LED sinnvoller (der 30-Minuten Schnelllader hat zwei separate LEDs). Insgesamt ist das Ladegerät aber einfach und intuitiv zu verwenden und absolut praxistauglich. Die Ladezeit für den komplett leeren Akku war mit 55 Minuten sogar etwas niedriger als angegeben.
 
Anleitung/Handbuch
Die Idee, dass man das Handbuch für ein Produkt immer im Koffer hat, finde ich prinzipiell sehr gut. Im Falle eines Akkuschraubers mit Ladegerät macht das jedoch keinen Sinn (Anders zum Beispiel bei einer Waschmaschine: Wäre praktisch wenn die seitlich eine Klappe hat, in der man die Anleitung verstauen kann. Dann könnte man immer das richtige Waschprogramm auswählen.). Die Anleitung für einen Akkuschrauber überfliegt man nach dem Kauf einmal. Es besteht keine Notwendigkeit, während dem Arbeiten noch mal reinzuschauen, selbst für Heimwerker-Anfänger. Die Anleitung des Ladegeräts finde ich ausreichend: Kurz und knapp ist alles Wesentliche erklärt. Es bleiben keine Fragen offen. Die Anleitung des Akkuschraubers ist jedoch an vielen Stellen verbesserungswürdig. Es ist zwar eine gute Idee die Bilder für alle Sprachen gesammelt ans Ende zu stellen (ab Seite 72), aber in jedem Sprachenteil sollten die Schritte schriftlich erklärt werden. Ein erfahrener Heimwerker braucht die Anleitung eh nicht, aber ein Anfänger sollte wissen: Was machen die Drehmomentstufen und wozu setze ich diese ein? Wann wähle ich welchen Gang? Darf ich nur im „Schraubmodus“ schrauben und nur im „Bohrmodus“ bohren?
Hier ein positives Beispiel aus dem Handbuch des PRS 10,8 LI:
„Drehmoment vorwählen: Mit dem Einstellring „Drehmomentvorwahl“ können Sie das benötigte Drehmoment in 20 Stufen vorwählen. Bei richtiger Einstellung wird das Einsatzwerkzeug gestoppt, sobald die Schraube bündig in das Material eingedreht ist bzw. das eingestellte Drehmoment erreicht ist. Wählen Sie beim Herausdrehen von Schrauben eventuell eine höhere Einstellung bzw. stellen Sie auf das Symbol „Bohren“.“
Informationen zur vollautomatischen Spindelarretierung (Auto-Lock) und zur Auslaufbremse sucht man im Handbuch auch vergeblich! Zudem wird auch der Unterschied zwischen dem „Schraubmodus“ und dem „Bohrmodus“ nicht erklärt (Der Unterschied liegt nur in der Drehmomentbegrenzung). Die technischen Daten auf Seite 71: viele Symbole sind selbsterklärend. Ich würde es trotzdem bevorzugen, wenn die Tabelle in jedem Sprachenteil enthalten ist. Dann wären die Erklärungen direkt an den Symbolen. Echt schade, aber die Anleitung des Akkuschraubers ist bei mir durchgefallen.
 
SPAX-Schrauben und T-Star plus Bits
Ihr kennt es bestimmt selbst. Man hat ein neues Projekt und steht im Baumarkt vor dem Schraubenregal. So richtig sieht man es nicht ein Schrauben zu kaufen, die ein Vielfaches der günstigsten Schrauben kosten, oder? Auch den verlockenden Werbesprüchen „geringerer Kraftbedarf“ und „kein Vorbohren“ glaubt man eher nicht. Gut, dass wir daher mal solche Schrauben zum Testen bekommen haben. Ich habe die größte der mitgelieferten SPAX-Schrauben im Vergleich zu einer herkömmlichen Schraube in Fichtenholz und in Buchenholz getestet und bin fast vom Hocker gefallen. Obwohl die SPAX-Schraube einen etwas größeren Kerndurchmesser hat ging die Schraube viel leichter ins Holz. Während ich die SPAX-Schraube mit der Drehmomenteinstellung „4“ einschrauben konnte, habe ich bei der konventionellen Schraube die Einstellung „8 benötigt“. Das Holz ist bei dieser gerissen während die SPAX-Schraube einwandfrei ins Holz ging (siehe Fotos). Damit hatte ich nicht gerechnet. Die zusätzlichen „Taschen“ am Schraubenkopf haben dafür gesorgt, dass sich die Schraube besser versenkt, weil sie sich etwas den Weg „freifräst“. Die normale Schraube hat das Holz einfach nur zerdrückt. Zum Antrieb der Schrauben: Die Vorteile des Vielrundprofils (kein „Cam-Out-Effekt“, also keine Notwendigkeit den Schrauber an die Schraube anzupressen) waren mir schon bekannt, aber das T-Star plus System kannte ich noch nicht. In Verbindung mit dem mitgelieferten Bit-Halter mit Magnet hält die Schraube echt sehr gut auf dem Bit, und das in jeder Orientierung. So bleibt die zweite Hand zum Festhalten des Werkstücks frei. Optimal.
 
Das erste Projekte: Variable Wäscheleine für Kellerräume
Im ersten Praxiseinsatz hat sich das Gerät super geschlagen. Da ich zuvor den Akku nicht aufgeladen hatte (meine eigene Schuld), ist der Akku während dem Projekt leer geworden. Bis dahin hat der Schrauber jedoch kaum an Leistung verloren. Das ist zum einen positiv, zum anderen aber auch negativ. Mir ist während dem Arbeiten zwar die orangefarbene LED aufgefallen, den Übergang auf rot und rot blinkend habe ich jedoch nicht mitbekommen, so dass mich der leere Akku etwas unerwartet erwischt hat. Kein Problem: Akku in das Ladegerät, die nächsten Arbeitsschritte vorbreiten, eine Pause machen und was kleines Essen und Trinken und schon ist der Akku wieder einsatzbereit. Auf lange Sicht macht es jedoch Sinn, einen Zweitakku zu besitzen. Im Praxiseinsatz hat mir insbesondere der Wechsel zwischen Schraub und Bohrmodus gefallen, da man so sehr schnell die Drehmomentbegrenzung deaktivieren kann, ohne immer den Drehmomentring an den Anschlag drehen zu müssen. Durch die Schlagbohrfunktion des Schraubers konnte ich es mir sparen, eine Kabeltrommel und meine Schlagbohrmaschine zu holen. Optimal!
 
Verbesserungsideen
  • Seitlicher „Steckplatz“ für einen Bit, falls man mit zwei Bits parallel arbeitet. Dazu könnte man das seitliche Loch über der LED, in denen eine Gehäuse-Schraube versenkt ist, als Sechskant ausführen, so dass genau ein Bit hinein passt.
  • Ladestandsanzeige direkt am Akku
  • Schwerpunktsverlagerung (Griff weiter vorne anbringen), so dass der Akkuschrauber besser ausbalanciert ist und von alleine stehen kann
 
Stärken
  • Klein, leicht, kraftvoll, alltagstauglich!
  • Kabelloses schlagbohren in Mauerwerk!
  • Durch gutes Bohrfutter (Spindelarretierung und Schnellstopp) und die Modis „Schrauben“ und „Bohren“ sehr gut geeignet für das häufige Wechseln zwischen Bit und Bohrer à Die Drehmomenteinstellung geht nicht verloren
  • Der Koffer bietet noch Platz für ausreichend viel Zubehör.
  • Zweiter Gang zum Bohren sehr gut (mein PSR 10,8 LI hatte den leider nicht)
 
Neutral
  • Der Einstellring für die Schlagfunktion passt optisch und haptisch nicht in das Gesamtkonzept
  • Man muss einen Kunststoffsteg aus dem Koffer raustrennen, um einen Zollstock unterzubringen
 
Schwächen
  • Die Anleitung des Akkuschraubers enthält die wesentlichen Informationen nicht, die ein Anfänger benötigt (siehe Kapitel „Anleitung“).
 
Fazit
Absolut empfehlenswertes Gerät für den Hausgebrauch (5 Daumen!).
Kleineres Verbesserungspotential für Bosch an der ein- oder anderen Stelle besteht aber durchaus noch. Danke, dass ich am Test teilnehmen durfte.
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2013-07-11 16:37:07

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